Blogs, Wikis, Soziale Netzwerke

Enterprise 2.0: Der Netzeffekt verändert die Unternehmen

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Die Tools und Innovationen, mit denen Firmenmitarbeiter künftig arbeiten werden, kommen nicht mehr von der IT, sondern vom Rande des Internets.

Unternehmen müssen sich auf ein neues Paradigma einstellen, wie ihre Mitarbeiter künftig intern miteinander kommunizieren und wie entsprechende kollaborative Anwendungen entstehen und sich verändern. Diese Entwicklung sei laut Web-2.0-Evangelist Dion Hinchcliffe bereits im vollen Gang. Auf dem Enterprise 2.0 Summit auf der CeBIT, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfand, erläuterte Hinchcliffe, wie Blogs, Wikis und soziale Netzwerke die bisher zentrale Kontrolle über die Mitarbeiterorganisation, Inhalte und Workflows in die Hände der Benutzer übergehe. Anwender würden die einfachen, vorab im Web erprobten Tools nutzen, um Informationen, die bisher auf dem Desktop und in E-Mails schlummerten, je nach Interesse und Anforderung für alle verfügbar zu machen. Hinchcliffe glaubt, dass in der Folge kollaborative Softwarelösungen entstehen, die eine höhere Qualität und Akzeptanz haben als solche, die bisher zentral von der IT bereitgestellt werden. (siehe auch den Beitrag "Herausforderung Enterprise 2.0")

Hohe Anforderungen an neue Tools

Damit dies geschehe, müssen die neuen Tools und Anwendungen aber "um den Faktor 9" ansprechender und nutzbarer sein als die bisherigen Angebote, räumt Hinchcliffe ein. Ansonsten würden Benutzer weder ihre Daten hergeben noch mit bisherigen Gewohnheiten beim Informationsaustausch brechen. Wichtig sei, dass die neuen Anwendungen einen "Netzeffekt" auslösen. Dies sei das eigentlich neue an Dienste des Web 2.0. Sie seien nicht nur Web- beziehungsweise Netz-basiert, sondern erhalten ihren eigentlichen Wert dadurch, dass viele Nutzer glauben ihn verwenden wollen. "Die Leute müssen das Gefühl haben, dass sie den Dienst unbedingt brauchen, um bei Diskussionen und Themen nicht den Anschluss zu verlieren." Hinchcliffe haben in Untersuchungen belegen können, dass sich der Netzeffekt interner oder Web-basierender Anwendungen wesentlich höher ist, wenn diese auf eine soziale Weise genutzt werden. Diese Erkenntnis werde künftig eine größere Rolle beim Entwurf neuer Anwendungen spielen. Auch würde die Akkumulation von Daten in solchen kollaborativen Systemen die Effizienz in Unternehmen steigern, beispielsweise bei der Kundenbetreuung. (siehe auch "Tipps für ein erfolgreiches Enterprise 2.0")

Zwischen Kontrolle und Peer Production

Für die IT bedeute dieser Design-Ansatz ein Ende der zentralen Anwendungsentwicklung. Doch versuchte Hinchcliff entsprechende Ängste zu beschwichtigen, indem er der IT auch künftig eine wichtige Rolle im Aufbau und Wartung solcher Lösungen beimisst. Man müsse einsehen, dass beispielsweise Intranets, die einer kleinen IT-Gruppe im Unternehmen aufgebaut werden, immer unter einer geringen Akzeptanz leiden werden: "Die Leute suchen nicht in ihrem lokalen Intranet nach Antworten, sondern im Web", behauptet Hinchcliffe. Die Zukunft heiße Peer-Production, in der alle Mitarbeiter die Informationen erzeugen, die sie brauchen. Eine Motivation für den Aufbau und Betrieb interne Blogs könnte es etwa sein, dass Experten dort wichtige Informationen veröffentlichen, nach denen sie immer wieder gefragt werden, selbst wenn sie irgendwo im Intranet stehen. (siehe auch "Blogs und Wikis erfolgreich im Unternehmen einführen")

Die größere Vielfalt an Output und Anwendungen, die im Enterprise 2.0 entstehen, lassen indes in IT und Management den Ruf nach stärkeren Kontrollen laut werden. Es sei daher entscheidend, dass Unternehmen die zu ihnen passende Balance finden, denn letztlich würden sie von dem Engagement ihrer Mitarbeiter im starken Maße profitieren, so Hinchcliffe. Die Informationsverwaltung im Web 2.0 gebe ein gutes Beispiel dafür, wie sich beispielsweise Probleme und Fragen mit einem Blog schneller beheben und beantworten lassen als auf traditionellem Weg. Das gleiche gelte für Wikis. Vor allem sollten Unternehmen sich nicht um Manipulationen oder Verlusten von Daten auf solchen Systemen fürchten, da diese so entwickelt seien, dass jede Änderung und Löschung dokumentiert wird. Dennoch räumte Hinchcliffe ein, dass es noch manche Aspekte gebe, die im Enterprise 2.0 zu beachten sein. So gebe es noch Sicherheitsaspekte zu verbessern und man vor allem ältere Mitarbeiter zum Mitmachen zu bewegen. Hinzu kämen immer "zwei Prozent Troublemaker" unter den Nutzern, die die Tools nicht bedienen könnten oder destruktiv nutzen würden. Diese müsse man aber trotzdem teilhaben lassen und über die Community kontrollieren. (as)