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Empörung über Job-Kahlschlag bei Siemens und BMW grenzenlos

28.02.2008
Von pte pte
"Angesichts der Entlassungswelle würde sich der alte Werner von Siemens im Hinblick auf seine Ideale im Grab umdrehen", kritisiert Michael Leppek, Siemens-Team der IG Metall http://www.igmetall.de , im pressetext-Interview. Die Siemens-Pläne http://www.siemens.de , weltweit über 7.000 Stellen zu streichen, haben in Verbindung mit dem bekannt gewordenen Jobabbau des bayerischen Autobauers BMW http://www.bmw.de die Debatte um die soziale Verantwortung von Großkonzernen weiter angeheizt. "Obwohl bei der Siemens-Tochter Enterprise Communications (SEN) ein Sanierungsbedarf besteht, habe ich den Eindruck, dass die soziale Verantwortung bei Großkonzernen wie Siemens, Nokia oder BMW schon längst nicht mehr ernst genommen wird. Mitarbeiter sind nicht mehr das höchste Gut, das ein Unternehmen besitzt, sondern mutieren immer mehr zu einer rein ökonomisierten Verschiebegröße. Außer kurzfristigen Renditeerwartungen scheinen sich die Konzernchefs kaum mehr wirklich Gedanken zu machen", so Leppek.

Medienberichten zufolge steht SEN vor einem drastischen Kahlschlag, wonach von den rund 7.000 betroffenen Stellen etwa 3.000 zu Partnerfirmen gehen sollen oder innerhalb von Siemens den Arbeitsplatz wechseln. Die Bundesrepublik trifft es bei dieser Entscheidung besonders hart, da das Siemens-Management offenbar anstrebt, die SEN-Standorte Leipzig und München ganz aufzugeben. Bundesweit plant der Konzern, 2.000 der insgesamt 6.200 Arbeitsplätze zu eliminieren. Zudem sei geplant, dass weitere 1.000 Beschäftigte anderweitig unterkommen sollen. "Das Hauptproblem für SEN besteht darin, dass die Siemens-Führung Innovationsschritte schlicht und ergreifend verschlafen und zu lange Mitbewerber wie Cisco Systems belächelt hat", unterstreicht Leppek auf Nachfrage von pressetext.

Laut dem Experten sei jedoch nicht nur der externe Preisverfall Schuld an der Misere, sondern vielmehr hausgemachte Fehler. "Man war zu lange auf das anfangs noch hochprofitable Geschäft mit analogen Telefonanlagen fixiert. Der Wind hat sich aber gedreht, da viele Kunden mittlerweile Internetverbindungen für ihre Kommunikation nutzen. Fragt man die Beschäftigten, dann ist es nicht so, dass Siemens modernere Technologien nicht hatte. Hierbei hat man sich in der Führungsriege entweder zu wenig mit dem Thema der Entwicklung bis hin zur Marktreife beschäftigt oder bewusst falsch entschieden", kritisiert Leppek weiter. Laut dem Gewerkschaftler sollte nun alles daran gesetzt werden, ein "zweites BenQ" zu verhindern. Der damalige Konzernlenker Klaus Kleinfeld trat die angeschlagene Handysparte an den taiwanesischen Hersteller ab.

Auch der Traditionsautobauer BMW hat inzwischen bestätigt, 8.100 Jobs zu streichen. Von den Kürzungen seien bundesweit rund 5.000 Zeitarbeiter und etwa 2.500 Kräfte der Stammbelegschaft betroffen. 600 fest angestellte Beschäftigte sollen hingegen im Ausland gekürzt werden. Bei der Stammbelegschaft soll der Abbau auf "freiwilliger Basis" erfolgen, darüber hinaus seien Alterszeitregelungen und Abfindungen geplant. Die aktuellen Zahlen sind vor dem Hintergrund eines milliardenschweren Sparprogramms zu verstehen, mit dem BMW seinen jahrelangen Renditeverfall stoppen will. Geplant ist, bis 2012 rund sechs Mrd. Euro einzusparen und die Rendite im Auto-Segment auf acht bis zehn Prozent zu steigern. (pte)