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Ellison: "Web-Services sind bloß ein Marketing-Hype"

06.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch in einem einstündigen Pressebriefing im Anschluss an seine OpenWorld-Keynote (Computerwoche online berichtete) sprach Oracle-Chef Lawrence "Larry" Ellison wieder einmal richtig Klartext. Web-Services, derzeit in aller (Marketing-)Munde, tat der Konzernlenker als "nichts als Marketing-Hype" ab. Anbieter in diesem Bereich führten Kunden in die Irre, wenn sie ihnen versprächen, Web-Services seien die Lösung für ihre Integrationsprobleme.

"Die Vorstellung, Web-Services seien die Lösung aller bekannten Probleme, ist Schwachsinn", brachte der CEO die Sache auf seinen Punkt. "Das Problem der Anwendungs-Integration hat mit Web-Services überhaupt nichts zu tun. Wenn Sie Kunden aus einer Epiphany-Datenbank in eine Siebel-Datenbank verschieben, dann funktioniert das nicht. Das ist so wie wenn ein englischsprachiger Mensch sagt: ‘Ich habe gerade mit jemandem in Frankreich telefoniert und verstehe kein einziges Wort‘ und dann kommt jemand und erzählt ihm: ‘Ich kann das Problem lösen - warum rufen Sie ihn nicht einfach auf dem Handy an?‘"

Interessantes äußerte Ellison auch in Bezug auf seine Nachfolge an der Oracle-Spitze: Er werde sich an Jack Welsh (Ex-Chairman von GE) halten und sich erst dann in dieser Frage äußern, wenn er tatsächlich abtrete. In der Vergangenheit waren unter anderem Ray Lane und Gary Bloom, die beide das Unternehmen verließen, als Kronprinzen gehandelt worden. Ellison will aber einfach "Alleinherscher" bleiben: "Ich habe ein paar Mal Nummer Zweis ausprobiert, und das war nichts für mich. Wenn sich jemand als zweiten Mann wahrnimmt, dann wird er schnell vom Scheinwerferlicht geblendet. Eine solche Management-Struktur ist für Oracle nicht gesund. Die anderen sollen lieber ihre Jobs machen statt hier mit Ihnen zu reden", erklärte Ellison den Journalisten. (tc)