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CeBIT

Ein Webciety-Maskottchen macht noch keinen Trend

05.03.2009
Das Topthema "Webciety" auf der CeBIT 2009 hat ein Gesicht: Sascha Lobo, 33 Jahre alt, Irokesenschnitt und Schnurrbart.

Die IT-Messe in Hannover will mit dem Kunstwort aus den Begriffen "Web" und "Society" abbilden, wie das Internet die Gesellschaft verändert. Lobo, ein Blogger und Unternehmer aus Berlin, ist in Deutschland ein perfekter Botschafter für das Motto. Doch ein Maskottchen - wie er sich selbst nennt - macht noch keinen Trend: Trotz seiner unterhaltsamen Auftritte fällt die Bilanz zur Halbzeit der CeBIT gemischt aus.

Das "Webciety" Maskotchen Sascha Lobo
Das "Webciety" Maskotchen Sascha Lobo

Auf das Schwerpunktthema Internet kam Messe-Vorstand Ernst Raue bei einer Reise durch das diesjährige CeBIT-Partnerland Kalifornien. Geschäftsprozesse werden immer häufiger übers Web abgewickelt, beobachtete er im "gelobten Land" der IT-Industrie. Damit passten auch Internet-Unternehmen, die bislang andere Foren gesucht haben, immer besser zur CeBIT. Nebenbei, so das Kalkül der Organisatoren, sollte die wachsende Branche der schrumpfenden Messe neue Impulse geben.

Schicke Internet-Anwendungen lassen sich aber schlecht an einem herkömmlichen Stand zeigen - deswegen ließen sich die Veranstalter etwas einfallen, um auch kleine Web-Unternehmen anzulocken. Im Webciety-Bereich bauten sie wabenförmige Stände auf. Ausgerüstet mit Beamer und Empfangstheke, können die Aussteller auf einem großen Bildschirm zeigen, was sie im Netz anbieten. Der Preis ist für einen Messestand konkurrenzlos günstig: Knapp 10 000 Euro.

Die großen Erwartungen, die noch vor einigen Monaten kursierten, kann die CeBIT-Webciety aber nicht erfüllen. Raue wollte etwa Facebook-Chef Mark Zuckerberg nach Hannover holen, doch der blieb lieber im sonnigen Kalifornien - und stellte von dort aus während der CeBIT eine grundlegende Neugestaltung des Online-Netzwerks vor. Auch andere Internet-Firmen wie Xing oder Google schicken allenfalls Redner fürs Vortragsprogramm. Für die meisten Besucher sind die Aushängeschilder des Internet somit unsichtbar. Dennoch wiegelt Raue ab: "Wir sind im Gespräch mit denen." Eine klassische Messe sei aber etwa für den Suchmaschinen-Giganten Google eine "fremde Welt".

Auch die Buchungszahlen lassen nicht gerade auf einen großen Trend schließen. Im Webciety-Bereich sind nur 24 Mini-Stände belegt, in der gesamten Messehalle 6, die für Internet-Themen reserviert ist, kommen immerhin 130 Aussteller zusammen. Ob die Zurückhaltung an der Krise oder am Konzept der Messe liegt, ist allerdings schwierig zu sagen. "Angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage haben wir ein tolles Ergebnis erzielt", sagt Messesprecher Hartwig von Saß.

Doch der Erfolg lässt sich nicht nur an Namen und Zahlen messen. Denn die meisten Aussteller sind nach den ersten Tagen zufrieden bis begeistert. "Meine Stimme ist rauh, weil ich so viele Gespräche führe", sagt etwa Torsten Appel von Impossible Software, einem Hersteller von Lösungen für Web-Videos. Er lobt die gute Organisation und Vermarktung. "Im nächsten Jahr ist der Bereich doppelt so groß", ist er sicher. "Wir würden wiederkommen", sagt auch Christoph Hammer von i-d media, einem Anbieter von Auswertungs-Software, die nach Trends im Web 2.0 fahndet.

Die Deutsche Messe will das Thema im kommenden Jahr wieder aufgreifen. "Wir haben einen Stein ins Wasser geworfen, mal sehen, was für Kreise er zieht", sagt Raue. "Die Messe muss sich noch weiter in Richtung Internet-Unternehmen bewegen", ist Messesprecher von Saß klar. (dpa/tc)