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Druck von der ICANN: Verisign nimmt Site Finder vom Netz

06.10.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Verisign hat den umstrittenen Dienst "Site Finder", der Mitte September ans Netz ging, vorläufig abgeschaltet. Damit reagierte der Anbieter, der auch als Registry für die TLDs (Top Level Domains) .com und .net eingesetzt ist, auf eine Aufforderung der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers). Der Geschäftsführer des Gremiums, Paul Twomey, drohte Verisign indirekt mit dem Entzug der Registry-Lizenz. Der Betrieb von Site Finder ohne Absprache mit der ICANN stelle einen Eingriff in den Betrieb der TLDs dar, der nicht durch die Verträge mit Verisign abgedeckt sei, heißt es in einem Brief Twomeys.

Die ICANN ist der Auffassung, dass Site Finder negative Auswirkungen auf Web-Anwendungen hat. Experten zufolge werden unter anderem verschiedene Spam-Filter durch den Dienst beeinträchtigt. Es gebe keinerlei Erkenntnisse darüber, dass das Domain Name System oder die Stabilität des Internets in Mitleidenschaft gezogen sei, hielt Russell Lewis, General Manager bei Verisign, dagegen. Er verweist die Bedenken der ICANN in das Reich der Anekdoten. Das Gremium ziehe isolierte Einzelbeispiele zur Argumentation heran. Man schalte den Dienst jedoch ab, bis die Vorwürfe mit dem technischen Komitee geklärt sind.

Twomey zufolge könnte diese Woche auf einem Treffen des Security and Stability Advisory Committe in Washington über Site Finder diskutiert werden. Laut Verisign sind bislang 40 Millionen falsche Suchanfragen bei den Site-Finder-Servern eingegangen. Für die Anwender sei es besser, auf ein Navigations-Tool geleitet zu werden, als sich mit Fehlermeldungen herumschlagen zu müssen, sagte Lewis. (lex)