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Dresdner Bank streicht weitere IT-Stellen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Auf Druck der Konzernmutter Allianz verschärft die Dresdner Bank ihren Sparkurs drastisch. Vorstandschef Herbert Walter will die Kosten bis 2005 um eine Milliarde Euro senken.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf Druck der Konzernmutter Allianz verschärft die Dresdner Bank ihren Sparkurs noch einmal drastisch. Vorstandschef Herbert Walter will die Kosten bis zum Jahr 2005 um eine Milliarde Euro senken. Der ohnehin gestutzte IT-Bereich soll allein die Hälfte der Einsparungen tragen. Ein ehemaliger Allianz-Manager stellt sämtliche IT-Anwendungen auf den Prüfstand.

Herbert Walter, Vorstandschef der Dresdner Bank, lässt sämtliche IT-Projekte auf den Prüfstand stellen.
Herbert Walter, Vorstandschef der Dresdner Bank, lässt sämtliche IT-Projekte auf den Prüfstand stellen.

Was Walter anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen vergangene Woche ankündigte, übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen der Belegschaft: Innerhalb der nächsten zwei Jahre streicht das Geldinstitut weitere 4700 Stellen. Schon nach den bisher bekannten Sparplänen sollten bis Ende 2003 rund 11.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Seit der Übernahme durch die Allianz im Jahr 2001, als die Banker noch rund 51.000 Mitarbeiter beschäftigten, fällt damit fast jede dritte Stelle weg.

Im Rahmen des Projekts "Neue Dresdner" setzt Walter den Rotstift vor allem in der Verwaltung an. Dabei trifft es den IT-Bereich besonders hart: Er soll rund die Hälfte der angepeilten Einsparungen von einer Milliarde Euro erbringen. Stutzen will der ehemalige Deutsche-Bank-Manager auch die Funktionen Marketing, Personal, Finanzen und Controlling.

Woher die neuerlichen Einsparungen in der IT kommen sollen, ließ Walter offen. Eine Firmensprecherin erklärte, es sei noch zu früh, konkrete Zahlen zum Stellenabbau in einzelnen Abteilungen zu nennen. Derzeit liege nur eine Grobplanung vor. Im Vordergrund stehe eine Reduktion von Sachkosten; zudem strebe die Bank an, extern bezogene Leistungen verstärkt durch interne Ressourcen zu ersetzen.

Das Problem der hohen IT-Kosten ist indes nicht neu. Schon Walters Vorgänger Bernd Fahrholz hatte im Sommer 2002 "dringenden Handlungsbedarf" ausgemacht und damit insbesondere den ausgeschiedenen CIO Gerhard Barth heftig kritisiert. Doch auch Barths Nachfolger Klaus-Michael Geiger gelang es nicht, die ausufernden IT-Aufwendungen in den Griff zu bekommen. Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Dezember 2001 gab er den IT-Vorstandsposten wieder ab.

Seitdem hat die Allianz-Konzernleitung die Zügel angezogen. Zunächst hievte sie Friedrich Wöbking (52), bis dato im IT-Management des Münchner Versicherers tätig, auf den CIO-Posten der Dresdner Bank. Eine Schlüsselposition für das aktuelle Sparprogramm hält seit 1. Juni ein anderer ehemaliger Allianz-Manager: Markus Müller leitet die Abteilung Chief Information Technology Office (CITO) und berichtet direkt an den IT-Vorstand Wöbking. Ihm unterstehen alle Programme und Projekte zur Kostenreduktion. Schon seit mehreren Monaten stelle er "sämtliche IT-Anwendungen auf den Prüfstand", berichten Mitarbeiter.

In diesem Kontext habe Müller bereits einige konkrete Maßnahmen angestoßen. So werde das geplante Wertpapiertransaktionssystem Geos eingestellt, weil es "nie richtig zum Laufen gekommen" sei. Mehr als fünf Jahre Entwicklungsarbeit habe die Dresdner Bank in das Großprojekt gesteckt. "Jetzt wird das alles auf den Müll geschmissen." Einsparungen erhoffen sich die Frankfurter demnach auch durch die Zusammenlegung von Support- und Serviceeinheiten. In den letzten beiden Jahren hatte das Management für Privat- und Geschäftskunden sowie das Investmentbanking jeweils eigenständige Organisationen aufgebaut. Die in diesem Zusammenhang entstandenen neuen Stellen würden nun wieder gestrichen.

Den IT-Betrieb gab die Dresdner Bank frühzeitig an den internen Dienstleister Dregis ab, der im Juni mit dem Allianz-Pendant Agis verschmolz. Nach der Zusammenlegung von Rechenzentren, Netzen und Telekommunikationssystemen erhofft sich das fusionierte Unternehmen bis 2006 Einsparungen von rund 400 Millionen Euro. Ob diese Summe in den jüngsten Vorgaben des Projekts "Neue Dresdner" eingerechnet ist, konnte eine Sprecherin der Bank auf Anfrage nicht beantworten.

Nach der weitgehenden Konsolidierung des RZ-Betriebs fürchten nicht wenige Mitarbeiter, dass der Vorstand auch im Bereich Anwendungsentwicklung die Axt anlegt. Allein am Standort Frankfurt beschäftigt die Dresdner Bank schätzungsweise 1500 Applikationsentwickler. Angeheizt werde die Diskussion noch durch die wachsende Popularität von Offshore-Modellen. Durch die Vergabe von Arbeiten in Niedriglohnländer könnte die Zukunft der internen Entwicklungsmannschaft mittelfristig bedroht sein.

Auch ein größeres Outsourcing-Abkommen für die IT ist laut unternehmensinternen Quellen "nicht auszuschließen". Zwar lägen derzeit keine konkreten Pläne auf dem Tisch. Denkbar sei aber, dass das Management zunächst die internen IT-Strukturen weiter vereinheitlicht und konsolidiert. In einem zweiten Schritt käme womöglich eine komplette Auslagerung in Betracht.