Studie zu Digital Leadership

Digitale Transformation im Management noch nicht angekommen

15.04.2016

Als CEO von Dimension Data in Deutschland ist Sven Heinsen für die Leitung und strategische Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich. Er kennt die Herausforderungen, die die Digitale Transformation an die IT, die Mitarbeiter und die Geschäftsstrategie von Unternehmen aller Branchen stellt.

Die Verantwortlichen in Deutschlands Unternehmen sind sich offenbar nicht sicher, was die Digitalisierung für sie bedeutet. Nur die Hälfte von ihnen glaubt, die Digitale Transformation habe Auswirkungen auf das eigene Haus, nur vier von zehn Entscheidern setzen sich beruflich mit neuen Technologien auseinander. Trotzdem behaupten 60 Prozent, sie hätten ausgeprägte digitale Skills. Eine eklatante Selbstüberschätzung?

Was das Wissen um IT der nächsten Generation und die Fähigkeit, diese gewinnbringend im Unternehmen einzusetzen, anbelangt, sind die CxOs, IT- und Business-Entscheider im deutschsprachigen Raum sehr selbstbewusst. Der Studie "Digital Leader - Leadership im digitalen Zeitalter" zufolge, die das IT-Beratungsunternehmen Crisp Research im Auftrag von Dimension Data durchgeführt hat, halten die Hälfte der 503 Befragten ihre digitalen Skills für stark ausgeprägt, weitere neun Prozent empfinden sie sogar als sehr stark.

Überschätzen sich Führungskräfte bezüglich ihrer Skills zur Digitalen Transformation?
Überschätzen sich Führungskräfte bezüglich ihrer Skills zur Digitalen Transformation?
Foto: Wichy - shutterstock.com

Fast 40 Prozent der Entscheider gaben zudem an, die Kompetenzen eines Digital Leader - also die digitalen Skills gepaart mit dem passenden digitalen Mindset, Führungsqualitäten und "Digital-First-Denkweise" - auf sich zu vereinen. Die Auswertung der Studie und Einordnung der Befragten in einem Reifegradmodell spricht allerdings eine ganz andere Sprache: Demnach bringen nur sieben Prozent der Verantwortlichen alle Qualitäten eines Digital Leader mit. Fast jeder Fünfte gilt immerhin als Technologieexperte, drei Prozent zeichnen sich als digitale Visionäre aus - der Großteil allerdings hat nach wie vor den Status des Digital Beginners inne. Aber woran liegt das?

Diskrepanz zwischen Anforderung und Realität

Die Erwartungen an den Digital Leader sowie seinen Erfolgsbeitrag zur Unternehmenstransformation und dem gesamten Geschäftserfolg sind auch bei den Befragten der "Digital Leader"-Studie enorm. So soll ein Digital Leader in seiner Funktion gleichzeitig

  • eine Vorbild- und eine Motivationsrolle einnehmen (87 Prozent Zustimmung),

  • neue Ideen und Impulse durchsetzen (86 Prozent),

  • digitale Skills der Mitarbeiter fördern (84 Prozent),

  • die Digitalstrategie um- und durchsetzen (83 Prozent)

  • sowie als Evangelist der Digitalisierung tätig sein (81 Prozent).

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Das Problem: Derzeit ist jeder fünfte befragte Entscheider in kein konkretes Digitalisierungsprojekt eingebunden und somit weder auf der Planungs- noch auf der Erfüllungsebene mit der Digitalisierung des eigenen Unternehmens befasst. Unter den Geschäftsführern liegt der Wert sogar noch höher. Mehr als jeder Dritte von ihnen wirkt derzeit an keiner konkreten Initiative zum Umstieg auf die IT der nächsten Generation mit.
Die tiefe Verankerung der Digitalen Transformation innerhalb des gesamten Unternehmens steht offenbar erst am Anfang. Denn nur mit der Rückendeckung des Top-Managements und der Verknüpfung der Geschäftsführungsebene mit der Digitalisierungsstrategie kann ein belastbares Fundament geschaffen werden.

Wie schätzen Sie Ihre eigene digitale Kompetenz ein?
Wie schätzen Sie Ihre eigene digitale Kompetenz ein?
Foto: Crisp Research AG

Digital Leader: eine komplexe Rolle

Denn ein Digital Leader sollte möglichst alle Digitalisierungsprojekte im Auge behalten, um die gesamte Digitalstrategie des Unternehmens auf ihre Wirksamkeit hin zu untersuchen und die relevanten Akteure zu koordinieren. Viele derer, die sich heute selber als Digital Leader bezeichnen, werden sehr schnell feststellen müssen, dass diese Rolle viel komplexer und konfliktbeladener ist, als sie dies heute einschätzen.
Das gilt auch für die jungen Entscheider. Trotz einer überwiegend stärker ausgeprägten Digital-First-Denkweise haben sie keinen entscheidenden Vorsprung vor den erfahrenen Verantwortlichen. Insbesondere die Leadership-Erfahrung, die ältere Entscheider oft eher vorweisen können, ist in den jüngeren Altersgruppen noch schwächer ausgeprägt - hier gilt es, den Austausch zu wagen.

Allerdings bestärkt auch die Tatsache, dass der Befragung zufolge nur sieben Prozent der Unternehmen eine dedizierte Stelle für einen Chief Digital Officer schaffen wollen oder dies bereits getan haben, die drohende Überforderung. Denn auch wenn ein Digital Leader grundsätzlich unabhängig von seiner Position wirken kann, so ist es dennoch ein beinahe nicht zu leistender Aufwand, seine eigentlichen Aufgaben - etwa als CIO oder Abteilungsleiter -mit den neuen Aufgaben des Digital Leader zu vereinbaren.

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Innovatives und disruptives Denken sind gefragt

Die Unternehmensverantwortlichen im deutschsprachigen Raum verschätzen sich also nicht nur, was die Bedeutung und Qualitäten eines Digital Leader - und damit ihrer selbst! - anbelangt. Sie sind sich zugleich dessen gesamtstrategischer Bedeutung bewusst. Die Vereinheitlichung von Prozessen, das Überwinden von Silodenken und speziell das innovative und disruptive Denken, das aus neuen Technologien neue Geschäftsmodelle und ökonomische Mehrwerte erwachsen lässt, sind Aufgaben und Qualitäten, die noch zu wenig breit gestreut sind.

All dies wird sich erst im Laufe der Zeit ausbilden können. Allerdings sollten die Unternehmen ihre Sicht auf sich selbst noch einmal auf den Prüfstand stellen und diejenigen Personen im Unternehmen identifizieren, die als digitale Führungsfigur agieren können, um Initiativen zu diesem Thema aktiv voranzutreiben. Mit einer sorgfältig ausgewählten digitalen Führungsfigur ist für das Unternehmen gewährleistet, dass das strategische Projekt Digitalisierung mitsamt seiner Teilmaßnahmen auch aktiv und strukturiert vorangetrieben wird.

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