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Von Asm.js bis WebIDE

Diese Mozilla-Projekte verändern vielleicht das Web

Serdar Yegulalp ist als Autor bei der CW-Schwesterpublikation InfoWorld tätig und betreibt unter anderem den InfoWorld Tech Watch news analysis blog.
Mozilla entwickelt nicht nur Firefox, sondern treibt auch noch einige andere spannende Projekte voran. Wir stellen Ihnen 10 Mozilla-Projekte vor, die fast niemand kennt.
Mozilla hat seine Finger bei vielen Projekten, die dem Ziel folgen das Internet zu verbessern, im Spiel. Wir stellen Ihnen 10 der vielversprechendsten vor.
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Foto: © Mozilla

Firefox ist längst nicht mehr die einzige Browser-Alternative zum Internet Explorer. Sondern Google Chrome knabbert heftig an den Marktanteilen des Mozilla.org-Browsers. Das bedeutet aber nicht, dass die Innovationsfähigkeit von Mozilla nachgelassen hat. Mozilla war und ist an vielen spannenden Software-Projekten beteiligt; einige entstanden bei Mozilla, andere entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Wir stellen Ihnen die zehn bemerkenswertesten Projekte vor, bei denen Mozilla eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielt(e).

Rust

Die Idee von Rust ist es, eine Programmiersprache mit der Geschwindigkeit von C/C++ und maximaler Speichersicherheit zu verbinden. Rust ist eine sich schnell entwickelnde und von Mozilla und Samsung gesponserte Sprache, die für Systeme mit Mehr-Kernprozessoren entwickelt wurde.

Rust verhindert den fehlerhaften Gebrauch von Arbeitsspeicher. Allerdings können die Sicherheitsfunktionen der Sprache abgeschaltet werden - zum Beispiel wenn Sie den Mehraufwand bei der Speicherbereinigung einer Funktion vermeiden möchten.

Sie sollten Rust im Auge behalten, besonders da sich diese Sprache gegen Googles Go stellt, die ähnliche Ziele verfolgt.

Servo

Die Web Browser Engine Servo programmiert Mozilla mit Rust. Dabei handelt es sich um eine Layout-Enige für Browser. Derzeit nutzt allerdings noch kein Browser, nicht einmal Firefox, Servo.

Firefox OS

Was Chrome OS für Chrome und für Notebooks war, ist Firefox OS für Android und Smartphones. Anfangs als "Boot to Gecko" bekannt und als "vollständiges, eigenständiges Betriebssystem für das Open Web" angekündigt, wurde das Projekt schließlich zu einer Antwort auf Android. Zugrunde liegt ein abgespeckter Linux-Kernel, welcher entwickelt wurde, um den erweiterten Firefox Web Browser als Smartphone-Betriebssystem, mit allen Apps als reines HTML5 und JavaScript, laufen zu lassen.

Die Idee ist in der Theorie besser als in der Praxis. Firefox OS scheint eher auf Smartphones für Schwellen- und Entwicklungsländer abzuzielen, anstatt eine Konkurrenz für Android oder iOS zu sein.

WebIDE

Das Erstellen, Bearbeiten und Testen von Web-Anwendungen ist eine mühsame Arbeit. Mozilla entschloss sich etwas dagegen zu machen: WebIDE, das den Firefox Browser in eine Entwicklungsumgebung für Web-Apps für Mobilgeräte verwandelt. Seit Juni 2014 ist WebIDE in der Entwicklungsversion von Firefox enthalten ("Nightly Builds") , aber Mozilla plant es zu gegebener Zeit auch in die finale Version von Firefox einzufügen. Mozilla bietet WebIDE-Starter-Templates für häufige Web-Apps an, die Sie nutzen können.

Das Konzept erscheint großartig. Die Entwicklung von Web-Apps ist schwierig genug und alles was die Arbeit daran etwas geradliniger und bequemer macht ist willkommen.

Shumway

Adobe Flash lässt sich einfach nicht vom Markt verdrängen, obwohl es häufig die Ursache für Sicherheitslücken und Browser-Abstürze ist. Und obwohl HTML5 und JavaScript oft genauso viel Funktionalität wie Flash bieten. Deshalb hat Mozilla mit Shumway einen Flash-Emulator mit HTML5 und JavaScript umgesetzt. Um damit Flash selbst unnötig zu machen. Shumway hat die Wiedergabe von Flash-Format-Dateien im Browser ohne die Nutzung eines Flash-Plug-Ins zum Ziel.

Allerdings dürfte es noch etwas dauern, bis das reibungslos funktioniert. Selbst in Firefoxs Entwicklungsversion hängen einige Flash-Anwendungen und manche werden gar nicht angezeigt, wenn man Shumway verwendet. Bevor Shumway nicht ausgereift ist, bleibt abzuwarten, ob HTML5 Flash im Firefox vollständig ablöst.

PDF.js

Das PDF-Plug-In ist ein weiteres Adobe-Produkt, des regelmäßig in Web-Browsern installiert wird und berüchtigt für seine Sicherheitsprobleme ist. PDF.js will es durch den Einsatz von JavaScript ersetzen und hat scheinbar seine Sache gut gemacht, da es bereits der Standard-PDF Renderer für Firefox ist. Allerdings sind darüber nicht alle begeistert .

Grundsätz ist es immer gut, wenn es potentiell unsicheres Add-On wie PDF verschwindet. Nur könnte PDF.js etwas schneller laufen und Schriftarten etwas sauberer rendern.

Asm.js

Asm.js reduziert JavaScript auf das Wesentliche, übersetzt existierenden C/C++-Code in das abgespeckte JavaScript und startet es im Browser. Es läuft mit einer beachtenswerten Geschwindigkeit (für JavaScript-Verhältnisse).

Asm.js ist ein ambitioniertes Projekt , welches Mozillas Glauben an JavaScript als universelle Runtime-Engine zeigt. Support für Asm.js-spezifische Erweiterungen muss in die JavaScript-Engine eines Browsers implementiert werden, um das vollständige Potential zeigen zu können. Bisher macht das aber nur Firefox.

TogetherJS

Mozillas Open-Source-Library TogetherJS soll die Erstellung von Web-Apps, bei denen die Nutzer die Aktionen der Kollegen auf dem eigenen Bildschirm in Echtzeit sehen können, vereinfachen. Die Library benötigt einen Server, der Nachrichten an alle Teilnehmer, die daran angeschlossen sind, weiterleitet.

BigBlueButton

Das "Open Source Web Konferenzsystem zum online Lernen" BigBlueButton will Diskussions- und Meetingsysteme wie GoToMeeting, WebEx oder Adobe Connect ersetzen. Dafür ist seine Benutzeroberfläche stark an diese Programme angelehnt.

Die enthaltenen Funktionen sind ebenfalls auf Augenhöhe mit diesen Diensten: Whiteboarding, Desktop-Sharing, Aufnehmen und Abspielen von Meetings, Diashows von PDFs oder Microsoft-Office-Dokumenten und Webcam-Integration als auch VoIP-Konferenzmöglichkeiten sind enthalten. Es besitzt sogar seine eigene Versionsverwaltung.

BigBlueButton ist eine großartige Idee, die bisher aber außer bei einigen Lernzirkeln wenig Interesse geweckt hat.

Parallel JavaScript

JavaScript kann grundsätzlich die Vorteile von SIMD-Funktionen bei Prozessoren nicht ausnutzen (Stichwort: Parallel Computing). Mozilla hat sich deshalb des "Parallel JavaScript"-Projekts angenommen, das überwiegend durch Intel finanziert wird. Damit soll die SIMD-Funktionalität dem ECMAScript Standard hinzugefügt werden.

Das Ganze ist ein verblüffende Idee, aber das Ergebnis wird noch Jahre auf sich warten lassen. Es wird höchstwahrscheinlich einige Zeit brauchen, bis Parallel Javascript Teil der Sprache wird, falls das überhaupt jemals geschehen wird. Es gibt auch Zweifel daran, wie viel Geschwindigkeitszuwachs SIMD-artige Parallelität für die meisten JavaScript-Applikationen bringen kann, auch wenn es relativ sicher ist, dass JavaScript mit der Zeit in immer anspruchsvolleren Projekten auftreten wird.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation Infoworld. (Übersetzung: PC WELT)