Communites

Die Zukunft der User Groups hängt von den Mitgliedern ab

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Herstellerbezogenen Anwendergruppierungen suchen ihre Funktion jenseits der Web-2.0-Communities.

Die großen User-Groups sehen sich weniger als Interessenvertretung gegenüber dem Hersteller denn als Forum für den Erfahrungsaustausch ihrer Mitglieder. So räumen die Teilnehmer an den Jahrestagungen hinter vorgehaltener Hand ein, dass ihnen die Kaffeepausen oder das abendliche Bier mit den Kollegen mehr bringen als die Folienvorträge dazwischen. Die gerieten oft genug zum "Schaulaufen" der Anbieter.

Aber wenn die Hersteller die Oberhand gewinnen, sind die Anwender selbst schuld: Es gibt einfach zu wenig User-Group-Mitglieder, die bereit wären, sich wirklich einzubringen, klagten die Geschäftsführer und Vorsitzenden der großen deutschen Anwendervereinigungen auf einem von der COMPUTERWOCHE einberufenen Roundtable. Der DOAG-Vorsitzende Fried Saacke sprach sogar von einer Consumer-Mentalität vieler Mitglieder. Beispielsweise erfordere es viel Überredungskraft, einen Anwender für organisatorische Aufgaben oder einen Erfahrungsbericht zu gewinnen.

Vielfach liege das an der fehlenden Rückendeckung aus dem Management, gab Harald Berger, CIO der Freudenberg Haushaltsprodukte, zu bedenken. Er selbst empfehle seinen Mitarbeitern nicht nur die aktive Teilnahme an den Arbeitsgruppen, sondern schließe diese auch in die jährliche Bonusvereinbarung ein.

Ob es ihnen gelingt, einen größeren Teil ihrer schweigenden Mehrheit zur Mitarbeit zu bewegen, wird maßgeblich über die Zukunft der Anwendervereinigungen entscheiden. Denn Web-2.0-Phänome wie soziale Netzwerke und Blogs können deren Aufgaben teilweise schon übernehmen. "Für technisch orientierte Fragen ist das eine gute Plattform", bestätigt Michael Kollig, CIO bei der Danone Group. "Die User-Groups sollten sich überlegen, derartige Angebote in ihr Portfolio aufzunehmen." Doch wenn es um Management-Fragen und unternehmenskritische Informationen gehe, gebe es keinen Ersatz für den persönlichen Austausch. Eine ausführliche Zusammenfassung der Diskussion finden Sie ab Seite 22. (qua)