Web

Else Buschheuer

"Die Zeit der Websites ist vorbei"

16.05.2011
Die Autorin und Moderatorin Else Buschheuer zieht sich aus dem Internet zurück - zumindest hat sie ihre Homepage dicht gemacht. Warum?
Else Buschheuer (2009)
Else Buschheuer (2009)
Foto: Else Busschheuer, Wikimedia Commons

Jahrelang hat sie gebloggt und sich als öffentliche Frau vermarktet - nun hat die Leipziger Schriftstellerin Else Buschheuer ("Masserberg", "Ruf!Mich!An!") überraschend ihre Website geschlossen. Im Wortlaut-Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt sie ihre Beweggründe.

Else Buschheuer, ich wollte kürzlich über Sie recherchieren, aber auf der Internetseite else-buschheuer.de kam nur der Vermerk "geschlossen/closed". Eine technische Panne?

Else Buschheuer: Keinesfalls. Ich hab meine Website vor zwei Wochen geschlossen. Klappe zu, Affe tot.

Es gibt Millionen von Webauftritten; das Internet boomt, und Sie schließen ihre Seite absichtlich - warum?

EB: Ja, jeder Depp hat eine Website. Der virtuelle Auftritt ist eher zum Hobby mutiert. Ich und mein Haustier. Ich und meine Gedichte. Ich habe das Gefühl, die Zeit der Websites ist vorbei. Erfahrungsgemäß dauert es dann immer noch zwei, drei Jahre, bis sich mein Gefühl bestätigt. Ich war schon immer etwas früh dran mit solchen Entschlüssen.

Haben Sie keine Sorge, dass Sie nicht mehr auffindbar sind, nicht mehr gelistet werden oder aus dem öffentlichen Bewusstsein gar verschwinden?

EB: Jetzt, wo Sie das so sagen.. ein bisschen. Drei meiner vier Romane sind vergriffen, die Verfilmung meines Romans "Masserberg" ist in Vergessenheit geraten, meine Hörbücher kriegt man ebenfalls nirgends mehr - und jetzt mache ich auch noch die Website zu. Es hat, so zusammengefasst, eine grausige innere Logik.

Sie scheinen tatsächlich Stück für Stück zu verschwinden... Jedenfalls haben Sie geschrieben, dass Sie früher Freunde und Bekannte auf ihre Website verwiesen haben, wenn sie fragten, wie es Ihnen geht. Aber das war keine echte Intimität. Sie haben mit Sex und Voyeurismus gespielt...

EB: Ich sehe, dass sie genau hinschauen. Kürzlich hat irgendwo gestanden: "Die Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin Else Buschheuer hat jahrelang ihr Privatleben im Internet ausgebreitet.." Quatsch mit Soße. Privatleben wäre: Familie, Beziehungen, Urlaubs- und Feierabend-Berichterstattung. Ich habe 11 Jahre lang etwas viel Privateres ausgebreitet als mein Privatleben: mein Seelenleben.

Und nun: Wem teilen Sie sich jetzt mit - sind Sie einsam?

EB: Im Moment teile ich mich Ihnen mit, Herr Westermann. Bisher hat sich noch keine Einsamkeit eingestellt, aber ich wäre sehr neugierig auf diese Erfahrung. Werde ich noch existieren, wenn ich nicht mehr googelbar bin? Gestern las ich, Lady Gaga sei die meistgegoogelte Person der Welt. Kann ich es noch schaffen, die am wenigsten gegoogelte Person der Welt zu sein? Oder ungegoogelt? Ungoogelbar? Aber wie Sie sehen, kann ich die Klappe noch nicht ganz halten.

Wie schließt man überhaupt eine Website - und welche Reaktionen gibt es?

EB: Ich habe meinem ehemaligen Webmaster gemailt, der sich inzwischen in die Kunst zurückgezogen hat, ob er die Website eventuell schließen könne. Fünf Minuten später war sie zu. Die Reaktionen meiner Stammleser waren bedauernd bis entrüstet. Ein Hauch von "Derrick ist tot" lag in der Luft. Gefreut hat sich niemand - jedenfalls nicht in mein Gesicht.

Vor zwei Jahren haben Sie bereits mit dem Bloggen aufgehört, wann steigen Sie aus Twitter aus?

EB: Wenn ich meine 11.000 Follower irgendwo anders untergebracht habe. Man hat ja schließlich auch Verantwortung...

Das Interview führte Rolf Westermann von der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail. (dpa/tc)