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Die zehn (IT)-Gebote

09.05.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seit Moore's Law seinen 40. Geburtstag gefeiert hat, macht sich die Branche einen Spaß daraus, zehn Gebote der IT-Branche zu rekapitulieren. Eine unterhaltsame Auflistung erschien jüngst im Wirtschaftsmagazin "Forbes".

Gordon Moore formulierte bekanntlich im Jahr 1965, die Zahl der Komponenten auf einem Chip werde sich jedes Jahr verdoppeln. 1968 gründete er zusammen mit anderen Intel. 1975 nahm Moore allerdings eine kleine Aktualisierung an seinem eigenen Gesetz vor. Ab sofort würde sich die Komponentenzahl nur noch alle zwei Jahre verdoppeln.

Mit den Namen zweier IT-Ikonen verknüpft und quasi symbiotisch miteinander verbandelt sind die Gesetze Nummer zwei und drei: Andy's und Billy's Law. András Gróf, der nach seiner Abkehr aus Ungarn und Übersiedlung nach den USA im Jahr 1956 zu Andrew Grove mutierte und mit Gordon Moore die Geschicke und den Werdegang Intels maßgeblich beeinflusste, Grove also gab den PC-Benutzern in regelmäßigen Abständen mit neuen Intel-Prozessoren mehr Rechenleistung (siehe Moore's Law). In genauso regelmäßigen Schritten fraßen die Softwareprodukte von Bill Gates, dem Gründer und ehemaligen Chef von Microsoft, diese größere Rechenpower wieder auf. Daraus formuliert sich die quasi fusionierte Gesetzmäßigkeit von Andy's und Bill's Law: "Was Andy Dir gibt, nimmt Bill Dir auch wieder." Weniger bösartig könnte man formulieren, dass neue Prozessorgenerationen immer auch verbesserte Software nach sich ziehen.

Metcalfe's Law leitet sich wiederum vom Erfinder des Ethernet-Protokolls, Robert Metcalfe, ab. Dieser sagte, der Nutzen eines Netzwerks nehme exponentiell mit der Zahl der Netzwerkknoten zu. Beispiel: Je mehr Teilnehmer das Internet aufweist, desto nützlicher ist es in seiner Gesamtheit.

Von George Gilder stammt das Gesetz vom Winner's Waste. Darin formuliert der Futurist die These von den besten Geschäftsmodellen, die die billigsten Ressourcen verbrauchen und gleichzeitig die teuersten nur sparsam nutzen. Beispiel: Die preiswertesten Ressourcen sind nach dieser Theorie heutzutage die Rechenleistung und die Bandbreite, beide sind zudem Jahr für Jahr billiger zu haben. Ein Unternehmen wie etwa Google besitzt ein erfolgreiches Geschäftsmodell, es nutzt dabei Rechenleistung im Übermaß, betreibt nämlich auf rund 120.000 Servern seine weltumspannende Suchmaschine. Den Umsatz von fünf Milliarden Dollar erwirtschaften aber weniger als 3500 Mitarbeiter - die teuerste Ressource setzt Google also nur sehr sparsam ein.

Ein bereits im 19. Jahrhundert formuliertes Gesetz des britischen Nationalökonomen David Ricardo (1772 - 1823) hat in Zeiten des Internet mehr Bedeutung denn je: Ricardo's Law besagt, dass, je transparenter eine Wirtschaft ist, desto klarer setzen sich im direkten Vergleich bestimmte Wettbewerber am Markt durch. Auf die Jetztzeit übertragen bedeutet dies: Wer heutzutage im weltweiten Wettbewerb mit einem schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis auftritt, wird vom Markt gnadenlos bestraft - denn in Zeiten des Internets erfährt jeder sofort von vergleichsweise unattraktiven Angeboten.

Eher Besorgnis erregend dürfte die Erkenntnis von Walter Wriston sein. Er beschrieb 1992 in seinem Buch "The Twilight of Sovereignty", was als Wriston's Law zumindest in die Volkswirtschaftslehre einging. Der Banker und Finanzier sagte nicht nur vor dem großen Siegeszug des WWW voraus, dass elektronische Netze sich über die ganze Welt ausbreiten werden. Er zeigte auch, welche Effekte diese Entwicklung zeitigen wird: Kapital werde, wenn es erst einmal blitzschnell überall in die Welt transferiert werden könne, sich die Wirtschaftsplätze suchen, wo es "erwünscht und wohl behandelt" wird. Kapital versteht Wriston dabei sowohl klassisch als Geld als auch als Anlage in Form von Ideen. Sollte dieses Gesetz zutreffen, dürften einige Länder Probleme bekommen.

Eine, wie Forbes schreibt, "wilde" Theorie stellte der Wirtschaftswissenschaftler Arthur Laffer in den 70er Jahren mit der Laffer Curve auf. Reduziere der Staat die Steuern auf Einkommen und Kapitaleinkünfte, werde er nicht weniger, sondern könne er mehr Steuereinnahmen verbuchen. Niedrigere Steuersätze würden nämlich Risikokapital anlocken. Unternehmen und Menschen würden zudem produktiver, der gesamte zu verteilende Kuchen auf diese Weise größer. Weil sich die USA die Erkenntnisse der Laffer Curve zu Herzen genommen hätten, erlebten sie - so die Interpretation von Forbes - in den 80er und 90er Jahren auch eine Boom-Ära. Ähnliches sei aus den gleichen Gründen heute in Indien zu beobachten, Osteuropa werde deshalb à la longue Westeuropa den Rang ablaufen.

Peter Drucker hat die Welt um die Einsicht reicher gemacht, dass das Wort Leistung (Achievement) zu ersetzen sei durch den Begriff Beitrag (Contribution). In seinem Drucker's Law erklärt der Management-Guru vergangener Tage, mit dem Wort Beitrag finde eine Bedeutungsverschiebung statt hin zu Kunden, Mitarbeitern und Aktienbesitzern. Und genau dies sei der Adressatenkreis, der für ein Unternehmen wichtig ist.

Das zehnte Gebot lautet Ogilvy's Law. David Ogilvy ist der Werbepapst des 20. Jahrhunderts und Gründer der weltumspannenden Agentur Ogilvy & Mather, die heute zu WPP gehört. Er machte es sich zur Angewohnheit, jedem neuen Leiter eines O&M-Büros eine Matroschka zu schenken, eine der russischen Puppen, die in sich eine kleinere und darin eine noch kleinere etc. Puppe birgt. In der kleinsten Puppe deponierte Ogilvy einen Zettel für den jeweiligen Niederlassungsboss. Auf diesem stand die wunderbare ewige Wahrheit: "Wenn jeder von uns nur Leute anheuert, die kleiner als wir selber sind, werden wir ein Unternehmen von Zwergen. Wenn hingegen jeder von uns nur solche Leute einstellt, die größer als wir selbst sind, werden wir eine Firma von Giganten." (jm)