Business Intelligence

Die Wahrheit liegt in den Daten

Wolfgang Kobek ist VP EMEA beim Business Intelligence-Anbieter Qlik. Als früherer Geschäftsführer der DACH-Region hat er viele Unternehmen dabei unterstützt, die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Datenanalyse und -visualisierung umzusetzen. Er sagt: BI ist keine Nische, sondern bietet Vorteile gleichermaßen für den Mittelstand und Großkonzerne, für die Fertigungsindustrie ebenso wie den Dienstleistungssektor und natürlich sämtliche Fachabteilungen im Unternehmen.
„Die Euro-Lüge. Nehmt den Griechen den Euro weg. Pleite-Griechen“. In den vergangenen Monaten kursierten viele Schlagzeilen zur Euro-Krise in der deutschen Blätterlandschaft. Mittlerweile ist die politische Diskussion etwas sachlicher. Aus ökonomischer Perspektive bleibt eine Frage interessant: die nach der Datenwahrheit.

Die Analyse von Volkswirtschaften ganzer Länder ist zweifelsohne eine Nummer größer als die Herausforderungen, vor denen einzelne Unternehmen stehen. Kleinreden sollte man letztere aber nicht. Denn die Bereitstellung von entscheidungsrelevanten Daten ist in beiden Fällen ein wichtiges, mitunter auch überlebenswichtiges Anliegen - egal ob Politiker oder Führungskräfte in Wirtschaftsunternehmen Analysen anfordern. Und die Aufgabe wird durch das ständige und rasante Datenwachstum immer diffiziler.

Was sind also die größten Hürden bei der Analyse von Daten?

Herausforderung Nr. 1: Zusammenhänge erkennen

Eine erste Schwierigkeit ist es, alle entscheidungsrelevanten Daten zu vereinen - unabhängig davon, in welchem System oder Format diese gespeichert sind. Doch das Erkennen von Zusammenhängen zwischen Daten geht über technische Fragestellungen hinaus.

Um beim Griechenland-Beispiel zu bleiben: Selbst wenn es den europäischen Finanzministern gelingen würde, sämtliche Daten und Informationen vollständig zu sammeln, würden sie vor der Herkulesaufgabe stehen, diese auszuwerten und Beziehungen aufzudecken. Bei BI geht es auch darum, neue Zusammenhänge zu verstehen, die im Vorfeld keinem der Entscheider bewusst waren.


Technisch möglich wird dies durch "assoziative Datenindizierung": Die aus mehreren Quellen stammenden Daten werden automatisch zugeordnet und diejenigen werden Daten markiert, die nicht in die Analyse einbezogen wurden, aber dennoch wertvolle Einblicke liefern könnten. Mit umfassenden Analyse-Plattformen sind Anwender nicht mehr gezwungen, vorgefertigten hierarchischen Pfaden zu folgen, sondern können ganz neue Wege entdecken. Dies hat auch Andreas Koch, Leiter Finanzen/Personal bei der Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG erkannt: "Business Intelligence hat uns völlig neue Perspektiven auf unser Unternehmen eröffnet. Wir können heute unsere Daten schneller und flexibler sowohl analysieren als auch visualisieren und damit noch besser verstehen."

Eine wichtige Rolle beim Verständnis und der Dateninterpretation spielt aber auch die gewählte Visualisierung. Die klassischen Torten- und Säulendiagramme sind in vielen Fällen hilfreich, oft lassen sich Zusammenhänge und Entwicklungen aber viel besser mit Bubble Charts, Tree Maps oder auch Streudiagrammen erkennen.

Herausforderung Nr. 2: Fehler erkennen

Oft stellen Unternehmen erst bei der Aggregation von Daten fest, wie unzureichend deren Qualität ist und wie widersprüchlich viele Datensätze sind. Grund sind fehlerhafte Dateneingaben - entweder aus Versehen oder aus Unwissenheit des Bearbeiters, weil es zu wenig Standards gibt, nach denen Informationen hinterlegt werden.

Allerdings sollte eine solche Eingabe nach persönlichem Gusto nicht Grundlage für wichtige geschäftliche Entscheidungen werden. Es gilt, Daten auf einige Kriterien zu überprüfen. Angefangen von der Korrektheit und Eindeutigkeit der Daten - sie dürfen keine Widersprüche aufweisen und müssen somit exakt und konsistent sein - müssen sie in ihrer Entstehung nachvollziehbar und natürlich einheitlich strukturiert sein. Wichtig ist es, sich immer wieder mit den Ungereimtheiten auseinander zu setzen - die Visualisierung ist nicht für unzureichende Informationen verantwortlich.

Die Wahrheit liegt in den Daten

Datenanalyse hat viele Facetten - Facetten, die sich mit der assoziativen Datenindizierung wesentlich tiefgehender erforschen lassen als nur mit Excel-Sheets. Beispiele gibt es hierfür genug: Genannt sei das Schweizer Stahlunternehmen, das eine interaktive geografische Karte nutzt, um tagesaktuell Einblicke in Warengruppen oder Verkaufsgebiete zu erhalten. Der Vertrieb sieht direkt, wie sich die Rohstoffpreise im aktuellen Monat entwickeln oder wie sich der Preisdruck auf die Ertragslage auswirkt. Dies erleichtert die Planung und die Analyse. Oder auch der Automobilzulieferer, der Kennzahlen im Produktionsumfeld analysiert und gleichermaßen Bestände wie Liefertreue zum Kunden, Nacharbeitsquote und Durchlaufzeiten oder auch die Kapazitätseffizienz analysiert und überprüft - bedarfsgerecht in den jeweiligen Fachabteilungen.

Zugegeben, all dies Beispiele haben bei weitem nicht die Dimensionen der Euro-Krise. Und natürlich hat die Volkswirtschaft eines ganzen Landes - egal ob Griechenland oder eines anderen EU-Landes - eine ganz andere Komplexität als die Daten einzelner Unternehmen. Aber viele Dinge fangen im kleinen Aktionsbereich an. Und eines haben Politik und Unternehmen leider oft noch gemeinsam: Die Wahrheit liegt in den Daten, denn diese sind Grundlagen um Stellschrauben neu zu ziehen - nur werden sie oft noch nicht ausreichend einbezogen. (bw)