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Die Telekom steckt im Kabelsalat

23.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach dem Konkurs der Callahan Nordrhein-Westfalen GmbH sinken die Chancen der Deutschen Telekom, beim Verkauf ihrer sechs verbliebenen TV-Kabelnetze ein gutes Geschäft zu machen. Der Grund: Mit der Pleite des Kabelnetzbetreibers, an dem das Bonner TK-Unternehmen mit 45 Prozent beteiligt ist, mehren sich die - ohnehin schon starken - Zweifel an dem Geschäftsmodell. Dabei hatte die Investorengruppe Callahan Associates International aus Denver, als sie die Telekom-Kabelgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg im Frühjahr 2000 mehrheitlich übernahm, noch große Pläne: Die Kabelstränge sollten zu einem Multimedianetz ausgebaut werden, über das die Benutzer auch telefonieren und breitbandig im Internet surfen können.

Nachdem in Nordrhein-Westfalen Milliardenbeträge buchstäblich in den Sand gesetzt wurden, gilt das Experiment jetzt als gescheitert: Der Ausbau des Fernseh-Kabelnetzes für den schnellen Internet-Zugang und Multimedia-Dienste wurde gestoppt, da der Betreiber Ish laut Presseberichten in dem defizitären Bereich erst 1200 Kunden gewonnen hatte und das Ziel damit deutlich verfehlte. Das herkömmliche TV-Kabelgeschäft soll dagegen operativ positiv wirtschaften. Ish will nun bis Ende September einen neuen Geschäftsplan entwerfen, dabei wird allenfalls noch ein sparsamer Netzausbau bis 510 Megahertz in Betracht gezogen. Diese Frequenz reicht für Internet-Zugänge, nicht aber für Telefonanschlüsse. Nach dem im April angekündigten Abbau von 570 Arbeitsplätzen beschäftigt das Unternehmen in Nordrhein-Westfalen noch 1700 Mitarbeiter, in Baden-Württemberg sind weitere 500 Angestellte tätig. Weitere Stellenstreichungen sind vorerst nicht

geplant.

Auch die Telekom kam auf den ersten Blick noch mit einem blauen Auge davon: Der Konzern ist nach eigenen Angaben von der Insolvenz der Holding nicht betroffen, nachdem der Wert für den 45-prozentigen Anteil an Callahan NRW in den Büchern bereits abgeschrieben wurde. Aufgrund der neuen Tatsachen gestaltet sich jedoch der nach wie vor geplante Verkauf der sechs Kabelnetze problematischer denn je. Mit den Erlösen - die Telekom erhoffte sich ursprünglich einen Preis von deutlich mehr als fünf Milliarden Euro - sollte der Schuldenberg etwas abgebaut werden. Im Februar scheiterte der Deal mit Liberty Media, nachdem das Bundeskartellamt im Februar eine Übernahme der Netze untersagt hatte. Grund war damals, dass der US-Konzern unter anderem nicht bereit dazu war, die Kabelnetze auch für Internet und Breitband-Telefonie zu öffnen. Die Regulierer wollten so für mehr Wettbewerb auf der "Letzen Meile" sorgen.

Nun soll Liberty-Chef John Malone abermals Interesse zeigen (Computerwoche online berichtete). Während der Medienkonzern die damals geäußerten Monopolbedenken durch den Auftritt in einem Bieterkonsortium abzuschwächen versucht, spielt ihm die Callahan-Pleite neue Argumente bei den Verhandlungen mit der Telekom zu. (mb)