SOA-Governance

"Die Technik ist zweitrangig"

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Um eine Service-orientierte Architektur (SOA) effektiv zu steuern brauchen Unternehmen vor allem qualifizierte Mitarbeiter und weniger ausgefeilte Softwarewerkzeuge, mahnt der amerikanische Analyst David Linthicum.

Beim Thema SOA-Governance gehe es nicht in erster Linie um Technik sondern um Menschen und Prozesse, schreibt der SOA-Experte in seinem Blog. Viele IT-Verantwortliche konzentrierten sich viel zu sehr auf Governance-Tools von Softwareherstellern (siehe auch: Wie sich SOA-Governance planen lässt). Damit zäumten sie das Pferd von hinten auf. Als Beispiel berichtet Linthicum von einem Personalberater, der nach einem Spezialisten für ein bestimmtes SOA-Tool suchte: "Kenntnisse in Sachen SOA-Governance waren optional."

Linthicum spricht damit ein grundsätzliches Problem in SOA-Projekten an. Noch immer gehen Unternehmen einschlägige Initiativen viel zu technisch an (siehe auch: Warum SOA-Projekte scheitern). Fachabteilungen und dem oberen Management fällt es deshalb oft schwer, den Nutzen einer SOA zu verstehen. Ähnliches gelte für das erfolgskritische Thema SOA-Governance, argumentiert der Analyst. Die Technik komme erst ins Spiel wenn es darum gehe, Prozesse zu automatisieren und Projektbeteiligte in ihrer Arbeit zu unterstützen.

An erster Stelle aber sollte die Qualifizierung der Mitarbeiter stehen. Um die vielzitierten "Policies" im Rahmen einer SOA oder einer Enterprise Architecture zu definieren und umzusetzen, benötigten sie spezielle Fachkenntnisse. Dazu gehöre die Fähigkeit, Richtlinien nicht nur zu erstellen sondern den Betroffen auch deren Sinn klarzumachen. Umgekehrt, so Linthicum, müssten Betroffene in der Lage sein, Policies zu beurteilen und dem Management Feedback zu geben. Erst durch diesen Kreislauf entstehe die für eine langfristig funktionierende Governance nötige enge Zusammenarbeit. Das Einführen unterstützender Technik, wie sie Softwarehersteller etwa in Form von SOA-Registries oder Repositories anbieten, sei im Vergleich zu den personellen Herausforderungen eine leichte Übung.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Rob Hailstone von der Butler Group: Obwohl Projektverantwortliche auf technische Unterstützung angewiesen seien, drehe sich das Governance-Problem primär um organisatorische Fragen, berichtet der Analyst in einer Studie (siehe dazu: Mangelende Governance gefährdet SOA). Die meisten Unternehmen kümmerten sich beim Aufbau einer SOA zu spät um diesen Aspekt.

Mehr zum Thema SOA-Governance finden Sie im CW-Experten-Blog SOA meets BPM.