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Die IT der Zukunft: lebensecht, aber unfehlbar

26.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Kraft der Quantenphysik nutzen, unfehlbare Systeme bauen und Leben detailgetreu simulieren - eine IT, die sich derartige Ziele setzt, könnte laut der British Computer Society (BCS) in der wissenschaftlichen Welt einem ähnlichen Durchbruch bewirken, wie ihn das "Human Genome Project" in den 90er Jahren feierte.

Die britischen Wissenschaftler identifizierten sieben "große Herausforderungen" für die informationstechnische Forschung. Die erste besteht in der Entwicklung von Systemen, auf die in jedem Fall Verlass ist. Geeignetes Mittel zum Zweck wäre nach Ansicht der BCS-Mitglieder ein funktionsfähiger "Verfizierungs-Compiler", also ein Werkzeug, das die Korrektheit eines Programms überprüfe, bevor dieses zum Ablauf freigegeben werde.

Ein zweites ungelöstes IT-Problem betrifft, so die BCS weiter, die Verbindung zwischen der Computerstruktur als dem "Hirn" und der virtuellen Softwaremaschine als dem "Verstand" der Informationsverarbeitung. Das dritte bestehe darin, den Menschen das Management all ihrer gesammelten digitalen Erinnerungen (E-Mails, Fotos etc.) zu ermöglichen, ohne dabei ihre Privatspähre zu verletzen. Ein viertes stellt die Nachbildung lebender Organismen dar - bis hinunter zu ihrer Zellstruktur.

Von unschätzbarer Bedeutung wäre - Herausforderung Nummer fünf - eine globale, allgegenwärtige Infrastruktur für die mobile Kommunikation, die weder Schnittstellen noch Medienbrüche aufweist und die heute üblichen Netzausfälle überhaupt nicht kennt. Ebenfalls zu den lohnenden Zielen der Informationstechnologie zählen die Wissenschaftlich die unbegrenzte Skalabilität, denn heute wüchsen viele Systeme einfach schneller als die mögliche Anzahl ihrer Knoten.

Wenn aber die wissenschaftliche Forschung die sprichwörtlichen Quantensprünge machen soll, muss sie schließlich und endlich die ausgebauten Straßen verlassen. Statt lediglich mit mathematischen Algorithmen und Klassifikationsschemata zu arbeiten, werden künftige Computergenerationen nach der Prognose der britischen Forscher auch Ähnlichkeiten und Metaphern erkennen, statistische Methoden verwenden sowie die Verhaltensweisen subatomarer Elementarteile nachahmen können. Die passenden Stichworte heißen "Nanotechnik" oder "Quanten-Computer", und aus dem biologischen Umfeld stammen die Konzepte für "auto-immune" und sich selbst entwickelnde Systeme. (qua)