Was CIOs akut beschäftigt

Die Gesundheitskarte macht uns Sorgen

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Was halten Sie als Betroffener eigentlich von der elektronischen Gesundheitskarte?
Helmut Schlegel, Klinikum Nürnberg
Helmut Schlegel, Klinikum Nürnberg

Wir stehen mit der Einführung der eGK vor dem größten Telematikprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik, es gibt zirka 80 Millionen Betroffene. Die Politik drängt wegen des Wahljahres, die Industrie sieht hier Geschäftsfeldpotenziale, der Bürger zeigt noch kein großes Interesse, die betroffenen Interessengruppen legen Ablehnung an den Tag oder beziehen konträre Positionen.

Und mitten drin stehen die Kliniken, die in der Planung anfangs vergessen wurden. Sie müssen nun feststellen, dass die Prozesse keineswegs zu einer Verschlankung und Verringerung der Verwaltungsaufwände führen. Im Gegenteil!

Seit 2006 wurden dafür fast jedes Jahr Budgetpositionen in der Investitionsplanung der Klinik-IT berücksichtigt. Dabei tappen wir weitgehend im Nebel: Kommt das Projekt nun, und wenn ja, wann und in welchen Stufen? Wir fragen uns, ob es wohl irgendwann die Möglichkeit für eine seriöse Planung geben wird.

Sorgen macht uns die fehlende Interoperabilität der historisch getrennten Welten von Praxis- und Krankenhaussoftware. Die Hersteller der Praxisanwendungen müssten uns helfen - zusammen mit den Herstellern von Krankenhaus-Informationssystemen (KIS), unserem Pendant zum ERP. Es gilt, die in den Kliniken bestehenden Grenzen für eine sektorenübergreifende IT-Unterstützung der Versorgungsprozesse mit Hilfe internationaler Standards zu überwinden.

Die Hersteller von Medizintechnik müssen sich endlich bewusst werden, dass es nicht reicht, auf einem isolierten Gerät (Server) eine hervorragende diagnostische Software laufen zu haben; die Ergebnisdaten müssen auch schnell über standardisierte bidirektionale Schnittstellen an die zentralen KIS-Systeme übertragbar sein. Zugleich müssen sich die KIS-Anbieter öffnen, damit sich die Messdaten aus den Medizingeräten auch außerhalb der Dicom-Welt übernehmen lassen.

Trotz des vielen Schattens gibt es aber auch vereinzelt Licht. Hoffnung machen Ansätze und Initiativen wie IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) sowie das zunehmende internationale Interesse am EHR (Electronic Health Record). Zudem sehen viele in den Personal-Health-Systemen wirkliche Innovationen, die dem Mediziner wie dem Patienten direkt nutzen. (Juni 2009)