TeamQuest

Cyber-Kriminalität

Die gefährlichsten Hacker kommen aus Osteuropa

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
In den letzten Jahren waren es vor allem spektakuläre Attacken aus dem ostasiatischen Raum, die in die Schlagzeilen gerieten. Dennoch gehen Experten davon aus, dass hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang das gefährlichere Angrifspotenzial lauert.
Foto:

Trotz der größeren Zahl von erfolgreichen Angriffen ostasiatischer Hacker auf die Computer von Unternehmen und Regierungen in der ganzen Welt, handelt es sich bei den Urhebern der Attacken keineswegs um die Elite der Cyber-Kriminellen. "Es wäre ein Fehler zu glauben, dass die größte Gefahr für die Internet-Sicherheit von Hackern aus Ostasien ausgeht", sagt Tom Kellermann, Vice President für Sicherheit beim Antiviren-Spezialisten Trend Micro.

Tome Kellermann, Vice Director Cyber Security bei Trend Micro.
Tome Kellermann, Vice Director Cyber Security bei Trend Micro.
Foto: Trend Micro

Nach gründlicher Auswertung der Beschaffenheit von Schadsoftware und der Vorgehensweise der Hacker stellt Kellermann der Kompetenz asiatischer Cyber-Kriminellen schlechte Noten aus: "Sie nutzen fast immer Phishing oder Zero-Day Exploits, also bis dahin unbekannte Sicherheitslücken. War der Angriff erfolgreich, greifen sie danach auf schon bekannte Malware zurück oder bedienen sich im Internet verfügbarer Tools, die von Dritten progammiert wurden."

Ganz anders gingen die osteuropäischen Online-Kriminellen aus dem ehemaligen Sowjetreich zu Werke: Sie sind nach Kellermanns Einschätzung wahre "Meister ihres Handwerks", wenn es um die Entwicklung und Programmierung von Schadprogrammen geht. "Die osteuropäischer Hacker schreiben so elegante Angriffsprogramme, dass sie auch schon als "Fabergé Eier" der Malware-Programmierung bezeichnet wurden", sagt Kellermann.

Er führt die Kunstfertigkeit der osteuropäischen Hacker auf die lange Tradition einer hervorragenden wissenschaftlichen und mathematischen Ausbildung in der ehemaligen Sowjetunion zurück. Zudem hätten die Osteuropäer gelernt, angesichts der zu Sowjetzeiten knappen Hardware-Ressourcen besonders effektiv zu arbeiten und nicht eine einzige Zeile Programmcode zu verschwenden.