3 Ratschläge von Gartner

Die falsche Sicht auf IT-Sicherheit

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Firmen sollen sich darauf konzentrieren, potenzielle Löcher zu stopfen und ihre Monitoring-Kapazitäten ausbauen, um schneller auf Angriffe reagieren zu können.
Sieht APT als reines Hype-Thema: Gartner-Analyst John Pescatore.
Sieht APT als reines Hype-Thema: Gartner-Analyst John Pescatore.
Foto: Gartner

Die Analysten von Gartner raten Unternehmen, sich bei der Bekämpfung von zielgerichteten Attacken der neuen Generation aufs strategisch Sinnvolle und Wesentliche zu konzentrieren. In einer Studie weist Gartner-Analyst John Pescatore darauf hin, dass das bloße Anhäufen von immer mehr Sicherheitsschichten nicht zwingend die zunehmende Gefahr bannt. Sicherheitskontrollen müssten sich systematisch entwickeln, so Gartner.

Scharf kritisiert der Analyst, dass die Diskussion über sogenannte „Advanced Persistent Threats“ (APT) die Anwender von den wirklichen Problemen ablenke. Der Begriff sei überhypt und überstrapaziert worden. Habe er sich ursprünglich nur im Militär auf Gefahren durch spezifische Bedrohungen aus bestimmten Ländern bezogen, sei er immer mehr ausgedehnt worden auf Bedrohungen aus anderen aggressiven Staaten. Security-Anbieter und Medien hätten die Debatte über APT dankbar aufgegriffen. Dabei sei es für Anwender lohnender, sich auf die Lücken zu besinnen, die Hacker ins Visier nehmen könnten.

„Zielgerichtete Angriffe durchbrechen Sicherheitskontrollen auf Standardniveau und verursachen spürbaren Schaden in Firmen, die ihre Kontrollen nicht weiterentwickeln“, sagt Pescatore. Im Durchschnitt seien 4 bis 8 Prozent der Programme schädlich, die durch Antivirus-Checks und andere übliche Verteidigungswälle schlüpfen.

Es gibt gute Technologien

Firmen sollten sich laut Gartner darauf konzentrieren, die potenziellen Löcher zu stopfen und zur Beschleunigung ihrer Reaktionsfähigkeit ihre Monitoring-Kapazitäten ausbauen. „Es gibt Technologien, die die Anfälligkeit gegenüber gezielten Angriffen drastisch reduzieren können“, so Pescatore weiter.

Die neuen Bedrohungen seien maßgeschneidert für bestimmte kriminelle Zwecke und unterschieden sich fundamental von den laut tösenden Massenangriffen, auf die Sicherheitssysteme in der Regel gut eingestellt seien. Drei Zielscheiben werden von Hackern laut Gartner bevorzugt:

  • Erstens Denial of Service – die Störung von Business-Abläufen

  • Zweitens Theft of Service – das Nutzen von Produkten oder Dienstleistungen ohne Bezahlung

  • Drittens Information Compromise – das Stehlen, Zerstören oder Verändern von geschäftskritischen Daten.

Als Antwort darauf nennt Pescatore ebenfalls drei Empfehlungen.

3 Empfehlungen von Gartner

1. Sich der Sicherheitslücken annehmen: Dichtmachen von Löchern ist logischerweise die beste Methode, denn zumeist nutzen Hacker bekannte Lücken aus. Besonders gefährdete Unternehmen, die beispielsweise mit kritischen Infrastrukturen sowie High-Tech- und Finanz-Operationen zu tun haben, benötigen laut Gartner eine ständige Beobachtung aller Vorgänge, hinter denen Angriffe stecken könnten. Spezialisierte Bedrohungsfilter, Netzwerk-Forensik und Technologien mit Situationsbewusstsein sind laut Pescatore ein erster Schritt zu mehr Sicherheit. In jedem Fall seien Technologien auf höchstem Niveau nötig, um effektiv zu sein.

2. Verteidigung entwickeln: Sofern ein Unternehmen es sich leisten könne, sei Sicherheitslösungen mit Tiefenschärfe immer der Vorzug zu geben, so Pescatore. „Leisten können“ bedeute dabei mehr als das Geld zum Kauf der Lösungen. Es brauche Personal und Support, damit ambitionierte Lösungen ihre Wirkung im Zusammenspiel entfalten können. Nur oberflächlich weitere Schutzschichten anzulegen, bringe hingegen nicht unbedingt mehr Sicherheit.

3. Fokus auf Sicherheit, nicht auf Compliance: Gartner betont den Unterschied zwischen Compliance und Sicherheit. Security bedeute mehr als lediglich die Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen. Es sei nicht damit getan, ein Standard-Level an Netzwerksicherheit und Vulnerability Assessment-Kontrollen zu erfüllen. Stattdessen müsse mit Hilfe von Tools und Prozessen ständig aktiv nach Bedrohungen im Netzwerk gesucht werden.

Die Studie „Strategies for Dealing With Advanced Targeted Threats“ ist bei Gartner erhältlich.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation CIO. (Teaserbild: fotolia.com/Gina Sanders; ph)