Die China-Profis von morgen

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Mit Young Professionals Chinas Wirtschaft kennen lernen - dieses Ziel hat Booz Allen Hamilton mit seiner Konferenz "Entdecke China" erreicht.

Booz Allen Hamilton lockte hoch qualifizierte Hochschulabsolventen mit einer Recruiting-Veranstaltung der etwas anderen Art. Die international tätige Unternehmensberatung lud nicht wie einige ihrer Mitbewerber ans Mittelmeer oder in die Alpen, sondern zu einer Strategietagung unter dem Motto "Entdecke China" nach Berlin. Roman Friedrich, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton ist zufrieden: "Mit diesem gewaltigen Interesse hatten wir nicht gerechnet."

Rund tausend Topabsolventen renommierter deutscher und europäischer Universitäten wollten an der Konferenz teilnehmen und mehr darüber erfahren, was am China-Geschäft dran ist. Recruiting-Expertin Miriam Kraneis stand nun vor der schwierigen Entscheidung, aus den vielen Bewerbern 30 auszuwählen: "Ganz wichtig war die Vielfalt. Deshalb wurden Hochschulabsolventen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund eingeladen." Beurteilt wurden nicht nur die universitären Leistungen, sondern auch das außeruniversitäre Engagement der Bewerber.

Hauptmotivation der Unternehmensberatung war es, Hochschulabsolventen kennen zu lernen. Meint Friedrich: "Wir sind zwar nicht mit dem Arbeitsvertrag in der Tasche nach Berlin gereist, hoffen aber auf intensive Kontakte. Am meisten freuen wir uns hinterher natürlich über Anfragen nach Praktika oder einem Direkteinstieg." Auch wenn die Booz-Allen-Hamilton-Manager auf keinen Fall von einem Assesment-Center sprechen wollten - irgendwie erinnerten die Workshop-Gruppen dennoch daran. Behandelt wurden folgende Themen: "China goes West", "Partnering in China" und "China and the Environment".

Jeweils fünf Stunden hatten die einzelnen Gruppen Zeit, fiktiv gen Westen zu expandieren oder umgekehrt Produkte in China herstellen zu lassen. Kristin Weigert, Studentin der Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg: "Es hat nicht nur großen Spaß gemacht, ich habe von der Gruppenarbeit auch profitiert. Diese hat einen guten Einblick vermittelt, welche Synchronisations- und Kommunikationsstrukturen einen erwarten, wenn man in einem bunt zusammengewürfelten Team über Stunden hinweg eine komplexe, umfangreiche Aufgabenstellung anpackt."

Die Hochschulabsolventen sollten in ihren Workshops indes nicht nur Expansionsstrategien entwickeln oder Produkte verkaufen, sie mussten zudem als "chinesische" und "amerikanische Delegation" interkulturell kommunizieren. Das klappte nicht immer reibungslos, und so erhielten die Teilnehmer einen Eindruck von möglichen Missverständnissen und Kommunikationsproblemen. Umso beeindruckender war es, wie die jungen Hochschulabsolventen und Doktoranden trotz aller Probleme am Ball blieben. Allerdings ließen die Lebensläufe der meisten Teilnehmer bereits auf interkulturelle Kompetenz schließen. Kaum einer, der nicht im Ausland studiert oder ein Praktikum absolviert hat. Dementsprechend schwirrten in den Pausen chinesische, koreanische oder japanische Sprachfetzen durch die Räume. Neben der Know-how-Vermittlung der Referenten profitierten die Teilnehmer vom Erfahrungsaustausch. So war Wirtschaftsinformatikerin Weigert, die zwei Auslandssemester an der Universität Kanazawa in Japan verbracht hatte, beispielsweise sehr erfreut zu entdecken, dass sich japanische und chinesische Verhaltensweisen in mancher Beziehung nicht sehr voneinander unterscheiden. (hk)