Aktie fällt

Deutsche Telekom enttäuscht mit Quartalszahlen

06.05.2011
Telekom-Chef René Obermann will trotz leicht enttäuschender Quartalszahlen Kurs halten und an der Kostenschraube drehen.
Will weiter an der Kostenschraube drehen: Telekom-Chef René Obermann
Will weiter an der Kostenschraube drehen: Telekom-Chef René Obermann
Foto: Deutsche Telekom

"Weiterhin sind keine Groß-Akquisitionen geplant. Kleinere Zukäufe, beispielsweise von Internetdienstleistern, können wir uns aber auch zukünftig durchaus vorstellen", sagte er am Freitag bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Quartal. Mit der Aufstellung von Europas größter Telefongesellschaft zeigte er sich zufrieden. "Die Weichen sind auf Erneuerung des Konzerns gestellt, und diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen. Die Zahlen zum ersten Quartal lassen aber erkennen, dass weitere Herausforderungen auf uns warten."

Die Telekom sieht sich im Plan, ihre Jahresziele zu erreichen. Die Bonner peilen weiterhin einen bereinigten operativen Gewinn von 1,91 Milliarden Euro und einen Free Cash Flow von mindestens 6,5 Milliarden Euro an. Im ersten Quartal setzten sich die guten Geschäfte im wichtigen Heimatmarkt fort. Allerdings lasteten die Aktivitäten in den Vereinigten Staaten und im europäischen Ausland auf dem Gewinn. Neben dem harten Wettbewerb führte die Telekom auch Regulierungsmaßnahmen und Steuerbelastungen als Gründe an. An der Börse sackte die Aktie zu Handelsbeginn stark ins Minus, verringerte die Verluste aber bis zum Mittag auf 0,04 Prozent bei 11,16 Euro.

Der Quartalsumsatz ging - vor allem wegen der Ausgliederung der britischen Mobilfunksparte - von 15,81 Milliarden auf 14,60 Milliarden Euro zurück. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) fiel von 4,89 auf 4,48 Milliarden Euro. Der operative Gewinnrückgang in den USA schlug auf den Konzernüberschuss durch, der von 767 auf 480 Millionen Euro schrumpfte.

Deutschlandgeschäft boomt, Ausland schwierig

Im Heimatgeschäft ging der Umsatz von 6,19 auf 5,99 Milliarden Euro zurück. Dort schlugen die gesenkten Terminierungsentgelte zu Buche, die Mobilfunkbetreiber für die Weiterleitung der Gespräche in ihre Netze erhalten. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich indes von 2,3 auf 2,4 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit mobilen Daten. Das angestammte deutsche Festnetzgeschäft bleibt schwierig. Im Breitbandgeschäft behauptete die Telekom ihren Kundenmarktanteil von 46 Prozent gegen die Konkurrenz der Kabelbetreiber.

Im europäischen Ausland konnte die Telekom im Mobilfunk- und Breitbandgeschäft zulegen. Insgesamt sackte der Umsatz in Europa aber von 4,77 auf 3,67 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn fiel von 1,59 auf 1,27 Milliarden Euro. In den Niederlanden und Polen gab die Telekom viel für die Gewinnung und Bindung von Kunden aus. In Ungarn belastete die Sondersteuer auf Telekomunternehmen. Das Geschäft in den krisengeschüttelten Ländern Griechenland und Rumänien läuft weiter schlecht. Daher will die Telekom dort die Kosten senken. "Diesen Herausforderungen zu begegnen, wird eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Monate und Quartale sein", sagte Obermann. Insgesamt will die Telekom in der Europasparte ab 2013 wieder wachsen.

Das Systemgeschäft wuchs solide auf 2,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn lag mit 189 Millionen Euro aber geringfügig unter dem Vorjahr. Grund waren höhere Kosten für die im vergangenen Jahr erhaltenen Großaufträge. Bei einer Reihe von Kunden hatte es bei der Ausführung Probleme gegeben. (dpa/tc)