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Deutsche sind Web-2.0-Muffel

29.06.2007
Social-Computing hat hierzulande einen schweren Stand. Im europäischen Vergleich haben die Deutschen wenig Lust, sich in sozialen Netzwerken zu engagieren.

Während in Europa die Teilnahme an Communities, das Hören von Podcasts sowie die Nutzung von RSS-Feeds auf dem Vormarsch sind, zeigt sich Deutschland davon unbeeindruckt. Weniger als die Hälfte der deutschen Internet-Nutzer nehmen laut Forrester Research an Social-Computing-Aktivitäten teil. In Europa interessieren sich insgesamt 60 Prozent aller Online-Nutzer für diese Bereiche des Internets. Das zeigt eine brandneue Studie des Marktforschungsunternehmens, in der mehr als 7.000 Internet-Nutzer in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Schweden zu ihren Online-Aktivitäten befragt wurden. Das Ergebnis der Studie, die ein Profil für jedes untersuchte Land erstellt, zeigt auch, dass sich die Häufigkeit und Intensität der Nutzung von Social Computing von Land zu Land unterscheidet.

Social Networks sind in Deutschland nicht angesagt.
Social Networks sind in Deutschland nicht angesagt.
Foto: Forrester Research

In Deutschland sind laut Studie nur acht Prozent der Internet-Nutzer Mitglieder in sozialen Netzwerken – und diese Zahl schließt auch die fünf Prozent mit ein, die angeben, ihr Netzwerk nur selten zu besuchen. Deutschland hat auch die geringste Anzahl an aktiven Bloggern – lediglich ein Prozent – und mit 16 Prozent die niedrigste Prozentzahl an Blog-Lesern. Während Nutzer aus Schweden und Großbritannien sozialen Netzwerken im Internet positiv gegenüberstehen, sind neben den deutschen auch die französischen Nutzer davon weitgehend unbeeindruckt. In Großbritannien dagegen sind mehr als ein Drittel der Internet-Nutzer Teil eines sozialen Netzwerkes, das sind doppelt soviel wie im europäischen Durchschnitt.

Ferner förderte die Studie zutage, dass das Lesen von Kritiken und Bewertungen den größten Teil der "Social Computing"-Aktivitäten ausmacht, fast ein Drittel der europäischen Internet-Nutzer nehmen an diesen Aktivitäten teil. Neun Prozent führen selbst ein Blog oder veröffentlichen Webseiten. Hier sind die Niederländer am eifrigsten: 15 Prozent von ihnen unterhalten einen Blog oder eine Webseite. An den Deutschen fällt indes auf, dass sie am wenigsten bereit sind, Inhalte auf Websites oder in Blogs zu kommentieren.

"Es gibt viele Gründe für das unterschiedliche Verhalten in sozialen Netzwerken", resümiert Forrester Research Senior Analystin Mary Beth Kemp. "So unterscheiden sich die Länder auch hinsichtlich ihres Internet-Einsatzes: Nur 40 Prozent der spanischen und 44 Prozent der italienischen Internet-Nutzer sind regelmäßig online." Auch der Zugang zum Internet bleibe eine Herausforderung, der Breitbandzugang sei bei weitem nicht universal: ein Viertel der Deutschen verfüge nach wie vor lediglich über eine Modemverbindung oder ISDN-Netzwerke. Um wirklich von den unterschiedlichen medialen Schauplätzen im Internet zu profitieren, sollten Marketing-Spezialisten länderspezifische Richtlinien bei der Erstellung ihrer Prioritäten für Social Media unbedingt beachten, empfiehlt Kemp.