IT-Services

Der Standort Deutschland ist besser als sein Ruf

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Auch hierzulande gibt es mittelständische Anbieter, die sich auf spezielle Themen fokussieren und damit einen weltweiten Markt adressieren.

"Zu teuer, zu langsam, zu wenig innovationsfreudig" - mit diesen Attributen wird der IT-Services-Standort Deutschland häufig belegt. Eine wenig einladende Beschreibung für die dringend benötigten Talente. Nach Ansicht von Berlecon Research ist Deutschland aber weitaus attraktiver als sein Ruf. Laut Zahlungsbilanz der Bundesbank weist der hiesige IT-Servicesektor seit 2006 einen Exportüberschuss auf, argumentieren die Experten. Und immerhin ein Drittel der IT-Dienstleister befasse sich seit 2007 mit dem Auf- und Ausbau von Offshore- und Nearshore-Kapazitäten.

Das bestätigt eine aktuelle Studie von Berlecon: Anhand von 26 Fallstudien wird hier dargestellt, mit welchen Angeboten sich deutsche IT-Dienstleister im internationalen Wettbewerb erfolgreich behaupten. Dabei zeigt sich, dass es auch hierzulande mittelständische Anbieter gibt, die sich auf spezielle Themen fokussieren und damit einen weltweiten Markt adressieren.

Der Standort Deutschland steht nicht nur für hohe Löhne und eine rigide Arbeitsgesetzgebung. Er zeichnet sich auch durch eine moderne Infrastruktur, hohe Standards bei Datenschutz und Sicherheit sowie durch eine reife, auslandsaktive Industrie aus, so das Fazit der Studie. IT-Dienstleister können hierzulande auf ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau der Belegschaft zählen. Zudem wird "made in Germany" nach wie vor mit Ingenieursgeist, hoher Qualität und Zuverlässigkeit assoziiert. Und schließlich verfügen die hiesigen Anbieter dank der hierzulande hohen Verbreitung von SAP in den Unternehmen über eine langjährige und umfangreiche Erfahrung mit diesem Thema.

Aus diesen Stärken ergeben sich für die IT-Dienstleister gute Chancen im Auslandsgeschäft. Selbst in vermeintlichen Offshore-Domänen wie der Softwareentwicklung und dem IT-Support gibt es Beispiele für international erfolgreiche IT-Services "made in Germany". So werden IT-Support-Dienste - der Offshore-Debatte zum Trotz - auch heute noch aus Berlin, Erfurt und sogar aus München geliefert - und dies nicht nur für deutsche User, sondern weltweit.

Neben dem Mut, sich zu spezialisieren und dabei in Kauf zu nehmen, auf Umsatzchancen in anderen Segmenten und "Quick Wins" zu verzichten, loben die Analysten, dass die analysierten IT-Servicanbieter herkömmliche Liefermodelle hinterfragen und moderne Methoden des Service-Engineering und Innovations-Management einsetzen. Zu begrüßen sei zudem, dass die Branche das Thema "Internationalisierung" frühzeitig aufgegriffen und systematisch weiterentwickelt habe. (sp)