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Der PC-Industrie steht das Wasser bis zum Hals

06.07.1999
Düstere Marktprognose für das Jahr 2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Nach einem Bericht der britischen Wirtschaftspublikation "The Economist" sind die rosigen Zeiten für die PC-Industrie vorbei. Lediglich in diesem Jahr wird noch ein markantes Wachstum erwartet, danach sollen die Umsatzzahlen deutlich schrumpfen. Schuld daran sind der rapide Preisverfall der Desktops, die Abkehr der Consumer vom ewigen Upgrading - einer der treibenden Motoren des Marktes bisher -, der Trend zu Handhelds und der Einzug von Internet-Computing bei Firmen.

Der "Economist"-Artikel stützt sich auf eine Studie des Markforschungsunternehmens Forrester Research, die in diesem Jahr einen Preisverfall der PCs um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und somit nur noch ein schmales Umsatzwachstum von zwei bis drei Prozent erwartet. Nächstes Jahr soll der Umsatz der amerikanischen PC-Industrie um acht Milliarden Dollar oder 14 Prozent unter dem Ergebnis von 1999 liegen. Das Marktforschungsunternehmen IDC (International Data Corp.) prognostiziert für 2003 den gleichen Umsatz wie in diesem Jahr.

Im Bereich Consumer sollen laut Forrester 1999 in den USA 16,9 Millionen neue PCs verkauft werden, was einer Steigerung um 17 Prozent zum Vorjahr entspricht. 52 Prozent aller amerikanischen Haushalte besitzen dann einen Desktop. Der Trend geht zwar zum Zweit-PC, der Wermutstropfen dabei ist jedoch, daß im heiß umkämpften Markt zunehmend Billigrechner nachgefragt werden und damit die Gewinnmargen zurückgehen. Außerdem begnügen sich immer mehr Kunden mit abgespeckten Lösungen, die trotzdem die Verbindung zum Internet via Browser herstellen. Teure Upgrades sind hingegen out, statt dessen wird lieber in breitbandige Verbindungen oder Flachbildschirme investiert.

Darüber hinaus ist das Absatzpotential bei Firmen weitgehend ausgeschöpft, da dieses Marktsegment in den letzten Jahren kräftig in Desktops investierte. Zudem erfolgt im Zuge von E-Commerce eine Migration vom Client-Server-Computing zum Internet-Computing, in der Software und Daten komplett auf Servern vorgehalten werden.

Trotz der düsteren Prognosen steht der Desktop nicht vor dem Aus, aber nur aufgrund des günstigen Preises. Die großen PC-Hersteller müssen sich deshalb nach neuen Standbeinen umsehen. Einige entwickeln schon neue Ideen. So verkaufen Dell und Gateway mittlerweile auch andere elektronische Geräte und steigen ins Internet-Service-Provider-Geschäft ein. Apple hat mit seinem neu designten I-Mac den Nerv des Publikums getroffen. Compaq hingegen verschlief die Marktentwicklung und bekommt dafür nun die Quittung in Form von Umsatzeinbußen (CW-Infonet berichtete).