CW-Kolumne

Der digitale Graben muss weg

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Wenn es stimmt, dass die Digitalisierung der wichtigste Treiber für die Innovations- und Wirtschaftskraft unserer Wissensgesellschaft ist, dann muss die Frage erlaubt sein, ob uns "Mittelmaß" als Untersuchungsergebnis im Digital-Index der Initiative D21 ausreicht.

Dass ältere Bevölkerungsschichten weniger im Netz sind als jüngere, ist nachvollziehbar, und dass vor allem ältere Frauen digitale Berührungsängste haben, mag man bedauern, es lässt sich aber zumindest erklären.

Nicht akzeptabel sind indes die zum Teil erheblichen Unterschiede in der Breitbandnutzung und -versorgung zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern sowie zwischen Stadt und Land. Noch krasser ist der Unterschied, wenn das Bildungsniveau als Maßstab gilt. Haupt- und Volksschüler werden von Abiturienten und Akademikern abgehängt. Regelrecht ärgerlich ist der klare Zusammenhang zwischen hohem Haushalts-Nettoeinkommen und schnellem Internet-Zugang.

Das Ergebnis der Studie lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: Wer jung, gebildet und vermögend ist, dazu noch einen ordentlichen Job in einer westdeutschen Stadt hat, der ist ganz sicher Teil der digitalen Gesellschaft. Es gibt jedoch viele, auf die das nicht zutrifft. Nicht nur die Politik, wir alle sind gefordert, gegen den digitalen Analphabetismus im Land vorzugehen. Erster Schritt muss es sein, die Schere zwischen den Bundesländern sowie zwischen Stadt und Land zu schließen.

Überall müssen breitbandige Netzzugänge flächendeckend und zu fairen Preisen verfügbar sein. Regulierungsfragen sind hier zweitrangig. Der zweite Hebel ist mehr Unterstützung und Aufklärung - auch im privaten Umfeld. Der Zugang zum Netz, besonders via iPad, ist auch für ältere oder weniger gebildete Menschen kinderleicht und viel sicherer, als die meisten Verweigerer denken.

Und schließlich gilt es im dritten Schritt, Anreize zu schaffen. Behörden, Versorger, Dienstleister - je mehr Institutionen ihre Kundenprozesse ins Netz verlagern, desto schneller schließt sich der digitale Graben.