Börsenverein

Der Buchmarkt schrumpft und hofft auf das E-Book

05.06.2012
Das E-Book soll dem schrumpfenden deutschen Buchmarkt aus der Krise helfen. Nur der Internet-Buchhandel legt weiter deutlich zu.

Der Umsatz sinkt, und der traditionelle Buchhandel verliert im Kampf gegen den Internet-Versand immer mehr an Boden: Der Strukturwandel auf dem deutschen Buchmarkt geht ungebremst vor. Jetzt soll das E-Book zum Hoffnungsträger werden.

Zwar sind 2011 mit 4,7 Millionen digitalen Büchern mehr als doppelt so viele verkauft worden wie im Jahr zuvor. Doch die E-Books machen immer noch lediglich ein Prozent (2010: 0,5 Prozent) am Umsatz von 9,6 Milliarden Euro aus. Insgesamt schrumpften die Erlöse in der Branche zum ersten Mal seit sieben Jahren um 1,4 Prozent, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montag in Frankfurt berichtete.

Dessen Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis bleibt dennoch Optimist. Das E-Book sieht er an der "Schwelle zur Marktrelevanz". Verlage und Buchhändler seien dabei, die Chancen der Digitalisierung "engagiert" zu nutzen. Nach einer aktuellen Studie gehören E-Books bei rund 50 Prozent der Verlage zum festen Programm, fast 90 Prozent streben es an. Im vergangenen Jahr lag der Umsatzanteil der digitalen Bücher in den Verlagen im Schnitt bei 6,2 Prozent. Bis 2015 soll der Anteil auf 17 Prozent steigen.

Viele Verlage - vor allem im Wissenschaftsbereich - verkaufen ihre E-Books inzwischen auch auf direktem Weg über das Internet an Kunden. Im traditionellen Buchhandel (Sortimenter) spielt das digitale Buch wegen der geringen Nachfrage der Lesekundschaft weiterhin kaum eine Rolle. Im vergangenen Jahr lag dort der Gesamtumsatz bei lediglich 0,5 Prozent. Das war sogar weniger als 2010. Der Branchenverband führt dies aber auf die vielen Neueinsteiger aus den kleineren Buchhandlungen zurück, die jetzt auf das E-Book setzten.

"Jeder einzelne Buchhändler kann mehr als Amazon", sagt Alexander Skipis vom Börsenverein.
"Jeder einzelne Buchhändler kann mehr als Amazon", sagt Alexander Skipis vom Börsenverein.
Foto: Börsenverein

Die Kleinen können aus Sicht des Börsenvereins im Kampf gegen die Giganten sehr wohl bestehen, wenn sie gezielte Kundenbindung mit Hilfe eines eigenen Online-Shops betreiben. "Jeder einzelne Buchhändler kann mehr als Amazon", sagt Skipis und macht dem stationären Handel Mut. Dessen Anteil am Buchmarkt ist 2011 - erstmals überhaupt - bei einem Umsatz von knapp 4,8 Milliarden Euro unter die Schwelle von 50 Prozent gefallen.

Dagegen hat der Internet-Handel, mit Amazon an der Spitze, um weitere fünf Prozent zugelegt. Online wird nun ein Bücher-Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro gemacht - eine Verdoppelung innerhalb von lediglich fünf Jahren. Die Verlage erzielten mit dem Direktvertrieb ihrer Erzeugnisse rund 1,8 Milliarden Euro.

Dramatische Verluste im zweistelligen Prozentbereich haben dagegen Warenhäuser und Buchgemeinschaften erlitten, deren Anteil am Gesamtmarkt nur noch verschwindend gering ist. Für beide Akteure scheinen die Tage im Buchhandel gezählt zu sein. (dpa/tc)