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Aigner erhöht Druck

"Datenkrake" oder Kontaktforum? Facebook in der Kritik

07.04.2010
"Ilse teilt nur einige ihrer Profilinformationen mit allen." So heißt es auf der Facebook-Seite von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU).
Die Facebook-Seite von Ilse Aigner
Die Facebook-Seite von Ilse Aigner

Jugendliche warnt sie davor, zu viel von sich im Internet preiszugeben - zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook oder anderen. Die 45-Jährige hat zwar Fotos von sich selbst ins Netz gestellt, allerdings sind es solche von Wahlkampfauftritten oder Besuchen im Wahlkreis. Private Bilder: Fehlanzeige. In ihrem Auftritt findet sich auch der Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dem sie mit dem Ende ihrer Mitgliedschaft droht. "Privates muss privat bleiben", ist ihr Credo.

Der Chaos Computer Club (CCC) hält soziale Netzwerke für "Kraken", die Daten von Nutzern sammeln. "Internet ist Internet, es gibt da keine Begrenzung", sagt CCC-Sprecher Frank Rosengart. Die Drohung von Aigner halten die Experten für ein "Armutszeugnis", weil die wirtschaftlichen Absichten der Netzwerke doch offensichtlich seien. "Die Politik kann vielleicht mit Wattebällchen werfen oder den Finger heben. Das interessiert Facebook nicht im geringsten."

Mal wieder steht das amerikanische Unternehmen mit mehr als 400 Millionen Mitgliedern weltweit im Zentrum einer Datenschutzdebatte. "Ich grüble über die Sicherheit meiner Daten." Diese Statusmeldung könnten viele Nutzer derzeit auf ihre Seite des Sozialnetzwerks schreiben. Wo sie sonst berichten, wie sie einen Kinofilm fanden oder ob sie glücklich über das Frühlingswetter sind. Das Online-Netzwerk plant eine umstrittene Änderung seiner Datenschutzbestimmungen, die Aigner nur mit Einwilligung der Nutzer zulassen will.

Kritiker des angeblich laxen Umgangs mit persönlichen Daten monieren vor allem, Facebook wolle Daten an Dritte, sprich Partnerfimen im Internet weitergeben, ohne bei den Mitgliedern ausreichend um Erlaubnis zu fragen. Eine deutsche Sprecherin bestreitet dies - es gehe lediglich um die Weitergabe an Unternehmen, die zu einem engen Netzwerk rund um Facebook gehörten.

Etliche Nutzer haben bis zum Wochenende von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Vorschlag für die neuen Datenschutzrichtlinien zu kommentieren. "Lehne jegliche Weitergabe meiner Daten ab. Wir brauchen hier mehr Transparenz! Ich will entscheiden, was ich wem und wie freigebe", schrieb einer von mehreren hundert auf den deutschsprachigen Facebook-Seiten. Viele andere berufen sich auf Paragraf 28 Bundesdatenschutzgesetz, nach dem ihre Daten nur an Werbetreibende weitergegeben werden dürfen, wenn sie ausdrücklich zustimmen ("Opt-in").

Welche "Partner" sollen die Facebook-Daten künftig nutzen können? Facebook-Sprecher Barry Schnitt schreibt in einem Blog-Eintrag, dazu gehörten etwa die Konzerne Yahoo!, AOL und der Fernsehsender CNN. Mit jedem Unternehmen werde Facebook klare vertragliche Bedingungen aushandeln. Noch sei nicht genau entschieden, für welche neuen Anwendungen die Daten demnächst genutzt würden, sagt die Facebook-Sprecherin. Doch es müsse den Nutzern auch klar sein, dass sie sich etwa mit ihrem echten Namen im Internet zeigen: "Wir haben uns immer zugutegehalten, dass wir ein authentisches Netzwerk sind."

Aigner erhöht Druck auf Facebook

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert von dem Online-Netzwerk Facebook ein sofortiges Signal für mehr Datenschutz. "Ich erwarte, dass Facebook umgehend reagiert, zumal die Kritik von Seiten der Nutzer immer lauter wird", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Mit weltweit mehr als 400 Millionen Nutzern sollte Facebook ein Vorbild beim Datenschutz sein, nicht Schlusslicht." Aigner hatte Facebook in einem offenen Brief mit einer Kündigung ihrer Mitgliedschaft gedroht, wenn Daten der Nutzer ohne deren Einwilligung weitergegeben werden.

Die frühere Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) verlangte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein Internet-Gesetzbuch, in dem auch der Datenschutz geregelt werden solle.

Das Social Network hält sich selbst zugute, über Änderungen beim Datenschutz - wie bereits im Dezember - offen mit seinen Nutzern zu diskutieren. Doch von der Stiftung Warentest musste sich Facebook vor rund zwei Wochen harsche Kritik gefallen lassen. Sie attestierte dem Unternehmen aus dem sonnigen Computerstaat Kalifornien "erhebliche Mängel" beim Datenschutz. Wie My Space, LinkedIn und das Business-Netzwerk Xing hatte Facebook eine Sicherheitsprüfung verweigert. (dpa/tc)