Grünstes Rechenzentrum der Welt

Datencenter beheizt Helsinki

Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Das kommunale Energieunternehmen der finnischen Hauptstadt Helsinki will die Hitze aus einem neuen Rechenzentrum wiederverwerten. Die Abwärme soll für die Beheizung von finnischen Privathaushalten genutzt werden.
Modern trifft alt: Das Rechenzentrum unter der Uspenski Kathedrale speist die Abwärme in das Heizungsnetz von Helsinki ein.
Modern trifft alt: Das Rechenzentrum unter der Uspenski Kathedrale speist die Abwärme in das Heizungsnetz von Helsinki ein.

Der finnische Energieversorger Helsingin Energia hat kürzlich das grünste Rechenzentrum der Welt angekündigt. Wie die Wiener Tageszeitung Der Standard berichtet, wird die neuartige Anlage in Kooperation mit dem Betreiber Academica in einem aufgelassenen Luftschutzbunker unter der Uspenski Kathedrale errichtet. Die im Betrieb anfallende Abwärme soll über Wasserröhren abgeleitet und mittels Wärmepumpe in das Heizungsnetz der Stadt eingespeist werden.

Im Detail funktioniert das Konzept folgendermaßen: Das Datencenter von Academica ist mit dem regionalen Fernwärmesystem von Helsingin Energia verbunden. Dieses basiert auf Warmwasser, das durch ein Rohrsystem direkt zu den Haushalten gepumpt wird. Das Datencenter wird durch Kaltwasser gekühlt, das sich dadurch erwärmt und die Hitze an das Fernwärmesystem weitergibt. Wiederum abgekühlt wird es ins Datencenter zurückgeführt.

Win-Win-Situation

"Das Konzept ist angesichts der bestehenden Infrastruktur problemlos realisierbar, so dass künftig ein bemerkenswerter Anteil der Privathaushalte Helsinkis mit Hilfe von thermischer Energie aus Rechenzentren beheizt werden könnte", sagt Juha Sipila, Projektmanager bei Helsingin Energia. Obendrein seien die Betreiber dann in der Lage, ihre Anlagen zu kühlen, ohne dafür größere Mengen an elektrischer Energie aufwenden zu müssen.

Die Initiatoren des Projekts erwarten, nach Phase 1 etwa 500 Privathaushalte beheizen zu können. Das Ausmaß der einzuspeisenden Energie entspräche dabei etwa dem Output einer großen Windturbine. "Aufgrund des positiven Feedbacks rechnen wir jedoch mit einer raschen Ausweitung des Projekts", so Sipila weiter. Die nötige Infrastruktur sei auch in anderen finnischen Städten wie Turku oder Lahti vorhanden.

Unternehmen suchen schon seit geraumer Zeit nach nachhaltigen Lösungen, da Rechenzentren bereits bis zu 30 Prozent ihrer Energiekosten verursachen. Dabei verschlingt der Rechenprozess selbst lediglich zwischen 40 und 45 Prozent der Energie, der Rest wird größtenteils für die Kühlung der Anlagen benötigt. Eine Renaissance der früher üblichen Wasserkühlung befürworten im übrigen auch IBM-Forscher.

Neben der Verwertung der Abwärme soll das finnische Rechenzentrum auch im Betrieb 50 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Einrichtungen. Modernste Prozessoren, Servervirtualisierungen und die effizientere Kühlung sollen die Stromrechnung des Betreibers jährlich um 375.000 Euro verringern.