Jens Wieland x DBV-Winterthur Versicherungen

Das System merkt, wenn der Arzt schummelt

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Der Schlüssel für eine erfolgreiche IT liegt für Jens Wieland im Verständnis zwischen IT- und Fachabteilungen. Er setzt auf IT-Systeme, die die Arbeit erleichtern.

Vorbei sind die Zeiten, als die IT-Leute als "obskure Gestalten im Elfenbeinturm" wahrgenommen wurden und oft in der Kritik der Fachabteilungen standen. "Heute müssen die IT-Experten verstehen, worin das Geschäft besteht, und die Fachbereiche müssen ein Grundverständnis für die IT entwickeln", sagt der CIO der DBV-Winterthur.

Jens Wieland

Wichtigstes Projekt: erneuerte Anwendungslandschaft zur Vertriebsunterstützung;

IT-Strategie: Erneuerung der Anwendungen, Integration der Wertschöpfungskette über B2B- und B2C-Plattformen;

Ein CIO muss …zur Integrationsfigur werden.

1995 entstand die DBV-Winterthur-Gruppe aus DBV und Winterthur/Deutschland, 1997 folgte der Zusammenschluss der Winterthur-Gruppe mit der Credit Suisse. Nach den Fusionen war die Gruppe vor allem mit der Konsolidierung beschäftigt. "Die IT-Unterstützung des Außendienstes hat man lange vernachlässigt", sagt Wieland. Mittlerweile wurde ein neues Agentursystem eingeführt und die Anwendungslandschaft mit Hilfe eines externen Softwarehauses erneuert und erweitert.

Die Mitarbeiter der Leistungsabteilung nutzen jetzt eine intelligente, regelwerksbasierte Anwendung, die die Leistungsabwicklung in der Krankenversicherung unterstützt. "Vereinfacht formuliert: Wenn die Diagnose Husten lautet und der Arzt eine Blinddarmoperation abrechnet, schlägt das System Alarm", erklärt Wieland.

Seine Legacy-Systeme hat der 39-jährige Wirtschaftsinformatiker mit J2EE-Komponenten erweitert, um mit Service-orientierten Architekturen (SOA) Geschäftspartner einzubinden. "Wir bevorzugen die kostengünstige Evolution", sagt der CIO. "Deshalb programmieren wir nicht alles neu, wenn wir schon vernünftig strukturierte Anwendungen haben - auch wenn sie bereits älter sind." In den Bereichen, die wenig zur Differenzierung im Wettbewerb beitragen, erneuert Wieland die Anwendungen auf Basis marktgängiger Standardsoftware.

Mobility Computing mit höheren Bandbreiten für den Außendienst findet CIO Wieland besonders interessant für seine Branche. Die Erweiterung des Dokumenten-Management-Systems (DMS) um einen elektronischen Arbeitskorb für die papierlose Bearbeitung will er im kommenden Jahr umsetzen. "Einmal scannen und dann elektronisch weiterleiten oder vollautomatisiert verarbeiten - das gehört in der Versicherungswirtschaft noch nicht zum Standard." Ein elektronisches Archiv existiert bereits.

Um knapp 20 Prozent ist das Budget des IT-Leiters gesunken. 35 Prozent seines Budgets kann er in neue Anwendungen und Systeme investieren. Mit dieser Investitionsquote ist der CIO zufrieden. n

Johannes Klostermeier