Smartphones, Wearables, IoT, 5G...

Das sind die Topthemen des MWC 2016

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nur noch wenige Tage, dann findet in Barcelona der diesjährige Mobile World Congress (MWC) statt. Erwartet werden neue Smartphone-Boliden wie das Samsung Galaxy S7 und S7 Edge, das LG G5 und das Huawei P9. Für alle, die nach Barcelona fahren, und für alle, die hier bleiben müssen: ein Überblick!
"Mobile is Everything" ist das Motto des diesjährigen Mobile World Congress.
"Mobile is Everything" ist das Motto des diesjährigen Mobile World Congress.
Foto: GSMA

In der Woche vom 22. bis zum 26. Februar findet in Barcelona zum elften Mal der Mobile World Congress statt. Nachdem der Event bereits im vergangenen Jahr mit mehr als 94.000 Fachbesuchern das neue Messegelände fast zum Platzen brachte, wird für dieses Jahr erneut ein Publikumsrekord erwartet.

Der Grund, warum selbst Eintrittspreise von über 700 Euro, zuzüglich zu den horrenden Hotelpreisen während der Messe und anderen Spesen, Gäste aus aller Welt nicht abschrecken können: Obwohl die Mobilität nach wie vor im Fokus des MWC steht, bezieht diese immer stärker auch auf angrenzende Themen wie das Internet of Things (IoT), Connected Cars, Smart Home und Smart Cities, Industrie 4.0 oder Wearables mit ein. Mit "Mobile is everything" hat der Betreiber, die GSM Association (GSMA) das Motto des diesjährigen Events auch entsprechend passend gewählt. Der MWC wird auch dieses Jahr aufzeigen, inwieweit Mobile immer stärker andere Industrien und Lebensbereiche beeinflusst.

Devices, Devices, Devices

Doch was wird man auf der Fira Gran Via dieses Jahr zu sehen bekommen? Zunächst einmal werden auf dem MWC wieder zahlreiche neue Geräte vorgestellt. Erwartet werden unter anderem neue Smartphone-Boliden wie das Samsung Galaxy S7 und S7 Edge, das LG G5 und das Huawei P9 - die drei Hersteller veranstalten bereits am Sonntag eigene Events, um die Devices schon vor dem Öffnen der Messehallen der Presse vorzustellen. Und auch der MWC-Neuling Xiaomi hat bereits angekündigt, mit dem MI5 ebenfalls ein mit dem Snapdragon 820 ausgestattetes Highend-Smartphone zu zeigen.

Insgesamt darf man sich aber trotz der Menge an erwarteten Smartphones, Phablets und Tablets nicht zu viel versprechen. So sind sich die meisten Branchenkenner einig, dass man in diesem Jahr mehr gewöhnliche Produkte als echte Innovationen zu sehen bekommt. Wenn überhaupt. "Einige Hersteller werden vielleicht nicht mal ein neues Smartphone zeigen, sondern ein anderes Device, etwa eine aktualisierte Smartwatch", prophezeit Gartner-Analystin Annette Zimmermann.

In einem solch gesättigten Markt sei es derzeit für jeden Player schwierig, sich zu differenzieren. Dieser Meinung schließt sich auch Ben Wood von CCS Insight an: Der MWC werde "zahlreiche Smartphone-Launches, aber nur wenig wirkliche Innovationen bieten", fasst er seine Erwartungen zusammen, wobei die Differenzierung der neuen Flaggschiff-Geräte kaum weiter als 4k-Displays, stärkere Akkus und verbesserte Kameras und Materialien ausmachen werde.

Wearables go Enterprise

Eine rühmliche Ausnahme in puncto Innovation stellen die Wearables dar, auch wenn diese nicht so stark auf dem MWC vertreten sind wie etwa auf der CES oder der IFA. So rechnet George Jijiashvili von CCS Insight mit einer steigenden Zahl von Smartwatches mit eigener Mobilfunkunterstützung sowie einer stärkeren Konvergenz von Consumer-Wearables und medizinischen Geräten.

Jijiashvili und seine Gartner-Kollegin Zimmermann sind außerdem der Ansicht, dass der Schwerpunkt bei den Wearables auf dem MWC in Richtung Enterprise geht. Auch generell werde man künftig mehr Wearables im Unternehmensbereich sehen, prophezeit Zimmermann etwa von Fujitsu oder Intel. Diese würden nicht nur direkt bei der Arbeit assistieren, wie der von ehemaligen Ideo- und BMW-Mitarbeitern entwickelte Smart Glove (ProGlove), sondern indirekt, indem sie auch Stoffwechsel oder Müdigkeit der Arbeiter messen.

Der Sensorhandschuh ProGlove erkennt per RFID , was sein Benutzer gerade in die Hand nimmt. Weitere Sensoren erkennen zudem, welche Bewegungen der Benutzer ausführt.
Der Sensorhandschuh ProGlove erkennt per RFID , was sein Benutzer gerade in die Hand nimmt. Weitere Sensoren erkennen zudem, welche Bewegungen der Benutzer ausführt.
Foto: Proglove

Aus Sicht von Jim Bailey, Senior Managing Director bei Accenture Digital, läuten die Wearables sogar die dritte Phase der Enterprise Mobility ein, den vernetzten Mitarbeiter: Nachdem die Anwender in der ersten Phase mit mobilen Endgeräten und E-Mail unterwegs und in der zweiten Phase mit einfachen Apps für Transaktionen versorgt worden seien, drehe sich die dritte, gerade erst gestartete Phase um die Transformation von Geschäftsprozessen mit mobilen Technologien wie Wearables und anderen Devices, die nun Einzug ins Business hielten.

Auf dem MWC und allgemein in diesem Jahr werde man sehen, wie sich dieser Markt entwickelt, nachdem die Menschen vertrauter mit Wearable-Technologie würden und diese ins Unternehmen mitnähmen, prophezeit Bailey. Gartner-Analystin Zimmermann wiederum rechnet damit, auf dem MWC zum Thema Wearables neue Produkte von Newcomern zu sehen sowie einen stärkeren Fokus auf Smartwatches für Kinder. Außerdem würden in die Wearables mehr Sensoren integriert, um Gesundheit und Fitness noch filigraner zu messen. Ein anderes Thema, das insbesondere Samsung vorantreibe, sei, wie man Smartwatches in das vernetzte Zuhause integriert.

Standards für das Internet of Things (IoT)

Das Internet der Dinge, auch Internet of Things oder IoT genannt, ist ein anderes Thema, das bereits in den vergangenen Jahren auf dem MWC mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat. Und dies zu Recht, wie Forrester-Analyst Thomas Husson argumentiert: "Während es viele Diskussionen darüber gibt, ob Mobile nur ein Unterpunkt der größeren IoT-Revolution darstellt, glaube ich, dass Mobile der Schlüssel ist, um IoT freizusetzen". Husson rechnet damit, dass man auf dem Mobile World Congress entsprechend viel zu diesem Thema zu hören und sehen bekommen wird. Zu den wichtigsten Aspekten gehören die Standards für die vernetzten Devices und die zur Datenübertragung genutzten Funkfrequenzen. Im vergangenen Jahr forderten die meisten IoT-Zulieferer von den Regulatoren hartnäckig, sich nicht in die Kommunikationsverbindungen und Standards einzumischen. Ein Jahr später sieht man ein komplettes Fehlen eines Industriestandards oder zumindest einer klaren Richtung, was zu einigen ernsthaften Diskussionen auf dem MWC führen dürfte.

Der Weg zu 5G

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger will im Zuge der 5G-Einführung einen digitalen EU-Binnenmarkt einrichten.
EU-Digitalkommissar Günther Oettinger will im Zuge der 5G-Einführung einen digitalen EU-Binnenmarkt einrichten.
Foto: EU

Auf dem diesjährigen MWC wird die nächste Mobilfunkgeneration 5G, die von vielen Marktbeobachtern als wichtiger Wegbereiter für das Internet der Dinge gesehen wird, erneut zentrales Thema sein. Dabei stehen zwei Aspekte im Mittelpunkt: Zum einen die Standardisierung von 5G und zum anderen die Anwendung von 5G-Schlüsseltechnologien, um bestehende Netze auf künftige Anforderungen vorzubereiten. Anders als LTE handelt es sich bei 5G um eine Kombination von verschiedenen Übertragungstechniken. Um die vielfältigen Anforderungen in punkto kurze Latenzzeit und hohe Transferraten zu erfüllen, empfiehlt die EU den Einsatz von optischen, Mobilfunk- und Satellitenlösungen. Eines der Kernprobleme beinhaltet die Bereitstellung von einheitlichem Spektrum über Ländergrenzen hinweg, im zersplitterten Europa mit "28 fragmentierten Silos, 28 Datenschutzverordnungen und 28 Regulierern" kommt dabei eine Herkules-Aufgabe auf EU-Digitalkommissar Günther Oettinger zu. 5G-Geräte selbst sind noch kein Thema auf dem diesjährigen MWC, diese werden erst mit dem Betrieb erster 5G-Netze ab 2020 erwartet.

Smart Cities auf dem Prüfstand

Nachdem Barcelona bereits vor fünf Jahren zur Mobile World Capital ausgerufen wurde (und diesen Titel bis mindestens 2023 weiter trägt), ist das Thema Smart City auf dem Mobile World Congress praktisch unübersehbar, nicht nur Teile der Messe, sondern praktisch die ganze Stadt ist Showroom für IoT-Innovationen jeder Art: Sensoren in Abfallcontainern messen den Füllstand und rufen bei Bedarf selbstständig die Müllabfuhr zur Leerung, intelligente Straßenlaternen in den großen Allee registrieren kontinuierlich Wetter, Lärm und Verkehr, Parksensoren informieren Autofahrer via App, dass sie frei sind etc.

Dennoch lohnt sich für Besucher des MWC ein Blick hinter die Kulissen, denn das Projekt ist nicht ohne Kritik. So hat die neue Bürgermeisterin Ada Colau von der linksliberalen Partei das Smart-City-Projekt nach ihrer Wahl im Mai 2015 erst einmal auf den Prüfstand gestellt und will untersuchen, ob sich die Investitionen auch für alle Bürger - reich, arm, jung oder alt - positiv auswirken. Barcelona brauche smarte Bürger, nicht nur eine smarte City, so ihre Begründung.

Und, und, und…

Bei über 2100 Ausstellern, die ihre Produkte und Dienstleistungen in den acht Hallen der Fira Gran Via auf 100.000 Quadratmetern präsentieren, dürfte klar sein, dass auf dem Mobile World Congress jeder noch so kleine Aspekt aus dem Mobile-Bereich abgedeckt wird. Dazu zählen natürlich klassische Carrier-Themen wie Mobile Billing, SDN, NFV, LTE-U/LAA und LTE-Advanced oder die Suche nach einer Antwort auf OTT-Dienste wie WhatsApp, WeChat & Co.

Außerdem werden nach den Datenpannen der jüngsten Vergangenheit auch im Mobility- und IoT-Bereich Security und Privacy verstärkt thematisiert werden. Daneben hat bereits in den vergangenen Jahren auch das Thema Enterprise Mobility an Bedeutung gewonnen - hier werden sich Anbieter aus Bereichen wie EMM oder App-Entwicklung auf der Messe tummeln.

Die COMPUTERWOCHE wird auch dieses Jahr wieder in Barcelona vor Ort sein, um Sie über die wichtigsten Themen des MWC zu informieren.

 

MBremmer

¿Com, vostè no parla català?

Heiko

Coole Idee, ein Video in Catalán einzubinden. Das verstehen bestimmt viel mehr Leute, als die spanische Version.... :-)

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