Software AG und IDS Scheer

Das sagen die Analysten

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Die geplante Übernahme der IDS Scheer AG durch Software AG hilft beiden. Analysten von PAC, IDC und Forrester kommentieren den Deal.

Die Spielverderber kamen von den Finanzinstituten, die den Preis von 487 Millionen Euro oder 15 Euro je IDS-Aktie für zu hoch hielten. "Ein stolzer Preis", hieß es bei Sal. Oppenheim. Mit Blick auf die relative Bewertung zur Software AG wäre den Bankern zufolge die Hälfte des Preises angemessen. Die Commerzbank kommt zu dem Ergebnis, dass der hohe Kaufpreis in keinem Verhältnis zum Ertragsprofil des Unternehmens stehe.

Hatte Verkaufsgerüchte zuletzt nicht mehr dementiert: IDS-Gründer August-Wilhelm Scheer
Hatte Verkaufsgerüchte zuletzt nicht mehr dementiert: IDS-Gründer August-Wilhelm Scheer

IT-Analysten machen sich weniger Gedanken um den Kaufpreis als über das Portfolio. Für PAC ist die Übernahme "kein überraschender und ein sehr sinnvoller Schritt für beide Unternehmen". Der Standort Deutschland werde vom Zusammenschluss der beiden "Technologieführer" profitieren.

Die Marktbeobachter freuen sich, dass die hartnäckigen Übernahmegerüchte der letzten ein bis zwei Jahre nun zu Ende seien, nachdem sie auch IDS-Gründer Professor August-Wilhelm Scheer nie aus der Welt geschafft habe. Die Software AG gewinne mit der Produkt-Suite "Aris" ein Lösungsportfolio im Bereich Geschäftsprozess-Management hinzu, das weltweit führend auf dem Markt sei und zugleich das eigene Portfolio ergänze. Gleichzeitig könnten die Darmstädter der Aris-Produktfamilie und den IDS-Scheer-Mitarbeitern "ein neues Zuhause mit Zukunftsperspektiven" bieten. Dank des stabilen Backgrounds und der fortgeschrittenen Internationalisierung der Software AG öffneten sich für IDS Scheers Produktportfolio Optionen, die sonst nur langsam und mühsam hätten genutzt werden können.

Ende für das SAP-Beratungsgeschäft von IDS?

PAC fragt sich, wie langfristig das SAP-nahe Beratungsgeschäft von IDS Scheer innerhalb der Software AG fortgeführt wird. Einerseits werte die Software AG vor allem ihr Produktangebot auf und gewinne zusätzlich im Geschäftsprozessmanagement-Umfeld Beratungs-Know-how hinzu, das zum Alleinstellungsmerkmal werden könne. Andererseits verfolge die Software AG bisher eine mehr oder weniger reine Produktstrategie, in der ein SAP-Beratungsgeschäft in dieser Größenordnung wenig Sinn mache. PAC schließt einen späteren Verkauf der Sparte nicht aus.

Ähnlich hatte sich Rüdiger Spies, Analyst und Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC Central Europe GmbH, gegenüber der COMPUTERWOCHE geäußert. "Die Software AG wird das Beratungsgeschäft aufteilen müssen, und zwar in eine SAP-Beratung auf Basis von Netweaver und eine Non-SAP-Beratung auf Grundlage von Adabas, Webmethods, Centrasite und Aris."

Dennoch bezeichnet auch Spies den Deal als große Chance für die Software AG. Auf Grundlage von Centrasite könnte mit Hilfe von Partnern ein Prozess-Repository entstehen, das verschiedene Branchen abdeckt. Dies setze aber voraus, dass der Konzern ein entsprechendes Partnermodell ("Ökosystem") aufbaut. Damit hätten jedoch weder die Software AG noch IDS Scheer Erfahrung (siehe den Beitrag: Software AG will SAP-Kunden).

"SAP ist der große Verlierer"

"CEO Karl-Heinz Streibich verfolgt einen konsequent Kurs in dem er die bestehende Mannschaft zu größer Effizienz, Kostenkontrolle und Umsatz motiviert, während er Innovation und Marktanteil lieber durch Zukäufe ins Boot holt", meint Stefan Ried, Senior Analyst bei Forrester Research. Damit sei IDS Scheer nach der amerikanischen Firma WebMethods der zweite große Zukauf, der die Technologiebasis und den Marktzugang deutlich erweitert.

Ried zufolge müssten sich Aris-Anwender wenig Sorgen machen. Die Software AG wisse die Produkte zu schätzen.

Nach Einschätzung des Forrester-Experten ist SAP der große Verlierer dieser Akquise. "IDS Scheer hat nicht nur spezielle Versionen seiner Aris-Werkzeuge für SAP gebaut, sondern sich auch überlegt, wie man die Entwicklung in SAP und die systemübergreifenden Prozess besser gestalten kann."

IDS Scheer hatte bei SAPs "Project Galaxy" mitgewirkt, das zum Ziel hatte, "Netweaver" mit BPM-Funktionen auszustatten. Darüber hinaus verwendet SAP Aris-Technik innerhalb von "SAP Business ByDesign".