IFA

Das digitale Schmökern rückt in den Fokus

30.08.2010
Das iPad hat den noch kleinen, aber zukunftsträchtigen Markt der E-Book-Reader gehörig durcheinandergewirbelt.

Als Allrounder für viele Zwecke stellt der Tablet-Computer von Apple die speziellen E-Book-Reader in Frage. Wohin die Reise geht, wird sich im nächsten Jahr zeigen. Erste Antworten will aber schon die Elektronik-Messe IFA geben, die dem Schmökern der digitalen Bücher mit einer "eLibrary" erstmals einen eigenen Schwerpunkt eingeräumt hat.

Megatrend auch unterm Funkturm: E-Book Reader (hier: Amazon "Kindle")
Megatrend auch unterm Funkturm: E-Book Reader (hier: Amazon "Kindle")
Foto: Amazon.com

"Wir haben mit dem Konzept der eLibrary vom Start weg eine positive Resonanz gefunden", sagt Messedirektor Jens Heithecker. "Wir wollen auf dieser Plattform Content-Anbieter und Gerätehersteller rund um das E-Book für den Konsumenten zusammenführen." Auf beiden Seiten sei jetzt viel Dynamik zu spüren.

Die Aufbruchstimmung ist auch an den Herstellernamen abzulesen. Über Jahre hinweg war das Geschäft mit E-Book-Readern eine kleine Nische mit wenigen Anbietern. Jetzt aber steigen auch Unternehmen ein, die sonst nur den Massenmarkt im Blick haben: Medion präsentiert auf der IFA einen E-Book-Reader mit einem sechs Zoll großen E-Ink-Display und WLAN-Anbindung.

Der Buchhändler Thalia ist zwar kein Aussteller auf der IFA, wird die Messe aber ebenfalls für die Präsentation eines eigenen E-Book-Lesegeräts nutzen. "Wir glauben, dass es jetzt mit den E-Books auch in Deutschland los geht", sagt Thalia-Sprecherin Mirjam Berle. Bislang hat Thalia schon einen E-Book-Reader von Sony vertrieben. "Wir waren mit den Verkäufen sowohl der Geräte als auch der E-Books sehr zufrieden."

Allerdings waren bislang auch die Erwartungen nicht sehr hoch. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) erwartet für 2010 einen Absatz von gerade einmal 86.000 E-Book- Readern - das sind reine Lesegeräte mit einem E-Ink-Display, also ohne das iPad mit seinem LCD-Display. Eine Prognose für 2011 wagt niemand.

In der "eLibrary" der Messe, untergebracht in der Rotunde von Halle 13, stellt die Buchhandelsplattform libri.de einen neuen E- Book-Service für mobile Geräte vor. Bei Libri präsentiert sich auch Sony, das - so ist vor der Messe zu hören - neue Lesegeräte zeigen will. Dem Vernehmen nach soll es zwei Geräte mit Bildschirmgrößen von fünf und sechs Zoll geben, die gegenüber dem bisherigen Modell unter anderem mehr Speicherplatz bieten.

Die kleinen Fünfzöller definieren die Kategorie der Pocket- Lesegeräte. Standardgröße der E-Book-Reader sind sechs Zoll. Rund zehn Zoll haben Lesegeräte, die nicht nur Bücher, sondern auch Magazine oder Zeitungen präsentieren - etwa der Kindle DX oder auch das iPad.

Mit fünf Geräten in verschiedenen Display-Größen will sich der ukrainische Hersteller Pocketbook Readers auf der IFA präsentieren. Die Modelle ProBook 602 und 603 haben einen Sechs-Zoll-Bildschirm, die Modelle 902 und 903 werden mit dem großen 9,7-Zoll-Display ausgestattet. Außerdem soll es ein PocketBook IQ mit einem 7 Zoll großen LCD-Touchscreen-Bildschirm und dem Betriebssystem Android geben.

Der schon seit langem angekündigte E-Book-Reader des Berliner Startup-Unternehmens txtr soll nun bis Ende des Jahres herauskommen. Dabei legt txtr inzwischen mehr Gewicht auf seine Online-Plattform sowie auf die Möglichkeit, dort mit einer Vielzahl von Geräten E-Books zu erwerben.

"Das iPad hat den Markt der E-Book-Reader ganz neu aufgerollt", sagt Fabian Heinrich von txtr. "Es ist aus unserer Sicht nicht das ideale Lesegerät, hat das E-Reading aber sehr viel bekannter gemacht."

Und wie sieht es mit den digitalen Inhalten aus? Bei den Verlagen in Deutschland gibt es bisher noch erhebliche Zurückhaltung. Aufgrund knapper Gewinnspannen scheuen offenbar viele, in neue Vertriebskanäle mit ungewissem Ausgang zu investieren. "Aber wir merken, dass die Verlage anfangen, sich zu bewegen", sagt Mirjam Berle bei Thalia. Zumindest bei Fachbüchern führt kein Weg an E-Books vorbei. Buchhändler sprechen hier von zweistelligen Umsatzeinbußen in diesem Jahr bei gedruckten Büchern.

Aufgrund der Buchpreisbindung sind E-Books meist kaum günstiger zu bekommen als die gedruckten Ausgaben. Ein weiteres Hemmnis ist der restriktive Kopierschutz. Da es auch noch unterschiedliche Techniken für das Digital Rights Management (DRM) gibt, können einmal gekaufte E-Books auch nicht auf allen Geräten gelesen werden. Viele Branchen-Insider räumen ein, dass sich dies nicht halten lässt. Im Gespräch ist jetzt ein "digitales Wasserzeichen", das lediglich den Besitzer eines E-Books benennt, ansonsten aber das Kopieren zulässt.

In den USA verläuft die Entwicklung beim Angebot an E-Books weitaus rasanter. Der Kindle-Hersteller und Online-Händler Amazon erwartet, dass der Verkauf von E-Books bis Sommer 2011 den Absatz von gedruckten Taschenbüchern übertreffen wird - bei Hardcover-Ausgaben ist das schon in diesem Jahr soweit. Der amerikanische Sachbuchautor Seth Godin erklärte gerade, dass er künftig "keine Bücher auf traditionelle Art mehr veröffentlichen" werde. "Auf elektronischem Weg kann ich 10 oder 50 Mal mehr Leute erreichen." (dpa/tc)