CW-Kommentar

Das Comeback des SCM

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Nach dem Hype der 90er Jahre entwickelt sich das Supply-Chain-Management im Verborgenen.
Foto: Pixelio/Gabi Schoenemann
Foto: Pixelio/Gabi Schoenemann
Foto: Pixelio/Gabi Schoenemann

Ganzheitlich - dieses Adjektiv stand auf der Phrasenskala ganz weit oben, als i2 und Manugistics, inzwischen beide von JDE übernommen, in den 90er Jahren ihre Softwareprodukte für das Supply-Chain-Management auf den Markt brachten. Vor allem i2 wurde nicht müde, die Vision von einem entlang der gesamten Lieferkette optimierten Unternehmen an die Wand zu werfen. Auf die Fahnen schrieb sich der Softwareanbieter Transparenz und flexible Steuerungsmöglichkeiten über alle Fertigungs-, Logistik- und Vertriebsabläufe, also von der Kuh auf einer südafrikanischen Weide über die Just-in-Time-Lieferung der lederbezogenen Sitze bis zur Kundenentscheidung im Autohaus.

Oder vielmehr umgekehrt: Die Prozesse sollten erklärtermaßen vom Kunden ausgehen, um ich zufrieden zu stellen. Die Steigerung der eigenen Effizienz war allerdings ein willkommener Nebeneffekt.

Lange war es still um SCM. Beinahe ohne jedes Marketing-Getöse hat SAP einen Markt erobert, der gar keiner mehr zu sein schien. Aber dieser Eindruck täuscht. Offenbar arbeitet eine große Anzahl von Anwenderunternehmen derzeit sehr ernsthaft an SCM-Lösungen. Das legt unter anderem die - zugegeben, ganz und gar nicht repräsentative - Auswahl von IT-Entscheidern nahe, die in den ersten Wochen dieses Jahres zur COMPUTERWOCHE-Rubrik "IT intim - Die Sorgen der CIOs" beigetragen haben (siehe "Neues Paradigma", "SCM meets Kanban" und "Wie tief soll SAP in die Lagertechnik eingreifen?").

Allerdings stehen dabei weder Ganzheitlichkeit noch Kundenzufriedenheit im Mittelpunkt. Vielmehr geht es oft um begrenzte Lösungen mit hohem Effizienzpotenzial. Doch das macht die Projekte nicht weniger "strategisch". Oder wie Henning Stams, CIO des Aluminiumspezialisten Almatis, es formuliert: "Die Projekte rund um die Supply-Chain sind diejenigen, die einem global agierenden Industrieunternehmen den meisten Mehrwert bringen." Der Nutzen beginnt eben da, wo der Hype endet.