Lieber autonom

Cyanogen lehnt Übernahmeangebot von Google ab

07.10.2014
Vor weniger als einem Jahr hat sich das Entwicklerteam rund um die Android-Custom-ROM CyanogenMod zum Unternehmen formiert. Seitdem sind zahlreiche IT-Unternehmen an einer Übernahme von Cyanogen Inc. interessiert – so auch Google. Ein entsprechendes Angebot lehnen die Verantwortlichen aber bislang ab.
Foto: CyanogenMod

Die Android-Custom-Firmware CyanogenMod kann auf eine enorm große Fanbasis blicken. So groß, dass das Entwicklerteam vor rund einem Jahr beschloss, aus einer tagtäglichen Zusammenkunft ein Unternehmen zu gründen, Cyanogen Inc. Seitdem hat sich zwar einiges verändert - so ist die Firmware nun auch auf einigen kommerziell erhältlichen Smartphones wie dem OnePlus One in einer leicht abgeänderten Version vorinstalliert - doch wird CyanogenMod nach wie vor kostenlos zum Download für Hobby-Bastler angeboten. Hinter der Custom ROM, die auf dem unangetasteten Quellcode von Googles Android basiert, verstecken sich viele neue und nützliche Funktionen und Apps, die unter anderem zusätzliche Sicherheit oder erweiterte Personalisierungsmöglichkeiten bieten - und damit auch für andere Unternehmen interessant erscheinen.

Einige dieser Unternehmen sind richtige Schwergewichte in der IT-Branche, darunter Microsoft, Amazon oder Yahoo. Doch auch der Bereitsteller des Code-Grundgerüsts von Android ist laut einem Bericht des Medienmagazins The Information an einer Übernahme interessiert. Sundar Pichai, Googles Chef der Android-Sparte, soll während eines Treffens mit der Firmenspitze von Cyanogen Inc. sein ausdrückliches Interesse an einem Kauf bekundet haben. Allerdings kam es wohl zu keinem Ergebnis am Verhandlungstisch, Cyanogen winkte ab.

Nun sind die zwei Gründer Steve Kondik und Mirt McMaster einer grundsätzlichen Finanzspritze offenbar nicht abgeneigt, denn derzeit ist man angeblich verstärkt auf der Suche nach Investoren, die eine Expansion voran treiben sollen - mit Micromax hat sich beispielsweise bereits ein Smartphone-Hersteller gefunden, auf dessen Geräte die Firmware ab Werk installiert sein wird. Bei der weiteren Suche zeigt sich Cyanogen durchaus selbstbewusst, denn wie es weiter heißt, strebt man eine Bewertung des Firmenwertes durch Finanzgutachter auf eine Milliarde US-Dollar an.

Warum sich ausgerechnet Google für die Akquirierung von Cyanogen interessiert, dürfte auf der Hand liegen. Zum einen lassen sich in dem Unternehmen sicherlich zahlreiche versierte Android-Programmierer finden, die auch in Mountain View gut gebraucht werden könnten. Zum anderen dürften die vielen zusätzlichen Features der Custom-ROM den Google-Verantwortlichen ein Dorn im Auge sein, die nicht nur die eigene Vision eines Android-Systems verklären, sondern auch die Nutzung von Alternativen zu Google-Anwendungen erleichtern und die Datenerhebung nahezu komplett aushebeln können. Durch eine Übernahme könnte der Suchmaschineriese wieder ein gutes Stück Kontrolle über das eigene Ökosystem zurückerlangen.

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