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Clearwire und Sprint vereinen ihre WiMax-Kräfte

19.07.2007
Die Mobilfunker Clearwire und Sprint Nextel sind übereingekommen, gemeinsam ein US-weites drahtloses Breitbandnetz auf Basis der WiMax-Technik aufzubauen.

Jeder der beiden Netzbetreiber wird den Kunden des jeweils anderen Roaming-Zugriff auf seinen Netzteil gewähren, beim Ausbau konzentriert sich Sprint auf die Ballungsräume. Außerdem wollen Clearwire und Sprint Nextel bei der Produktentwicklung kooperieren und WiMax-Dienste unter der gleichen Marke anbieten.

Das vom US-amerikanischen Mobilfunkpionier Craig McCaw gegründete Clearwire bemüht sich mit dem Deal aus Sicht des "Wall Street Journal" verstärkt, sein US-weites Profil zu stärken. Zuvor hatte Clearwire bereits Vermarktungspartnerschaften mit den Satelliten-TV-Anbietern DirecTV Group und Echostar Communications geschlossen, die es dem Start-up erlauben, seine drahtlosen Breitband-Internet-Zugänge mit deren Fernseh-Services zu bündeln.

WiMax ist eine relativ neue Technik, mit der Verbraucher von Laptops, Mobiltelefonen und möglicherweise anderen Geräten sehr schnell online gehen können. Die Geschwindigkeiten liegen im Bereich schneller Kabelzugänge und deutlich höher als bislang über Mobilfunk machbar.

In großem Maßstab wurde WiMax, das unter anderem auch Intel massiv propagiert, bislang aber noch nicht erprobt. Unter Investoren war daher die Ankündigung von Sprint nicht unumstritten, drei Milliarden Dollar in den WiMax-Netzausbau zu stecken. Zusammen mit Clearwire will Sprint Nextel bis Ende kommenden Jahres nun bereits 100 Millionen US-Amerikaner mit WiMax erreichen. Dabei ist noch unklar, ob sich durch die Partnerschaft Sprints eigene Investitionen reduzieren.

Indem sich beide Partner die Staaten aufteilen, können sie ein US-weites Netz jedenfalls schneller aufbauen und sich den Kampf um die potenzielle Kundschaft ersparen. Roaming-Abkommen sind in der Mobilfunkbranche gang und gebe und erlauben es Netzbetreibern, ihren Kunden Dienste auch da anzubieten, wo sie selbst keine technische Infrastruktur besitzen. Clearwire und Sprint Nextel können in einige Gegenden außerdem ihre von der Regierung gemieteten Funkfrequenzen teilen.

Für Clearwire bietet sich zudem an, in noch WiMax-losen Bereichen als Fallback auf Sprints Breitband-Mobilfunk ("EVDO") zurückzugreifen. Damit käme die McCaw-Firma auf einen Schlag zu deutlich mehr nationaler Reichweite.

Bislang wurde die Kooperation nur in Form einer Absichtserklärung ("Letter of intent") festgeklopft; eine verbindliche Übereinkunft soll binnen 60 Tagen folgen. Die Zusammenarbeit ist auf zunächst 20 Jahre ausgelegt und kann danach um jeweils zehn Jahre verlängert werden. Das US-Justizministerium muss dazu seinen Segen geben, genauso wie die Federal Communications Commission (wegen der Spektrum-Transfers).

Insidern zufolge hat Sprint Nextel auch Kabel- und Private-Equity-Firmen ersucht, in sein WiMax-Netz zu investieren, um die Kosten auf mehr Schultern zu verteilen.

Clearwire war im März dieses Jahres an die Börse gegangen. Es hat eine Marktkapitalisierung von rund vier Milliarden Dollar und bedient derzeit knapp 260.000 Kunden. (tc)