Charles Robbins löst Cisco-Chef John Chambers ab

Ciscos Chefwechsel steht für Kontinuität

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Am 26. Juli tritt mit John Chambers einer der letzten Veteranen des Silicon Valley. Nach IBM, Intel, Microsoft und Oracle vollzieht Cisco damit als letztes der großen IT-Unternehmen den Generationswechsel in der Führungsetage.
Charles - Chuck - Robbins wird Ende Juli neuer CEO von Cisco.
Charles - Chuck - Robbins wird Ende Juli neuer CEO von Cisco.
Foto: Cisco

Revolutionen sehen anders aus. Mit dem 49jährigen Charles Robbins - häufig auch einfach Chuck genannt - übernimmt (wie gemeldet) nun mitnichten ein Rebell das Ruder bei Cisco, der im Verdacht steht, abrupt die von seinem Vorgänger geschaffene Firmenkultur und -strategie über Bord zu werfen. Unternehmensnahe Quellen, die sowohl Chambers als auch Robbins kennen, sehen in der Wahl des Nachfolgers eher ein Zeichen der Kontinuität. So sei die Persönlichkeit Robbins durchaus mit der von Chambers vergleichbar, da beide in den Südstaaten aufgewachsen sind und dort ihre Ausbildung erhielten. Ebenso habe Robbins den gleichen warmen menschlichen Stil wie Chambers, um damit Kunden zu überzeugen und Mitarbeiter mitzureißen. Und last but not least ist Robbins ebenso wie Chambers Verkäufer und verantwortete zuletzt als Senior Vice President den weltweiten Verkauf.

Vorgänger John Chambers hat die Messlatte hoch gelegt. Er machte aus einer 1,2 Milliarden Dollar Company einen 47 Milliarden Konzern
Vorgänger John Chambers hat die Messlatte hoch gelegt. Er machte aus einer 1,2 Milliarden Dollar Company einen 47 Milliarden Konzern
Foto: Cisco

Chambers Erbe

Dennoch tritt Robbins, der seit 1997 bei Cisco ist, ein schweres Erbe an. Unter Chambers entwickelte sich Cisco von einer 1,2 Milliarden Dollar Company zu einem Konzern mit einem Jahresumsatz von über 47 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014. Zudem war das Unternehmen während der Dotcom-Blase Ende der 90er Jahr kurzzeitig das wertvollste Unternehmen der Welt mit einem Börsenwert von über 700 Milliarden Dollar. Zudem übernahm der Konzern in der Ära Chambers über 160 andere Unternehmen, um so schnell neues Know-how zu erlangen oder neue Märkte zu erschließen. Darüber hinaus war Chambers mit den Mächtigen der Welt gut vernetzt. So beriet er mehrere US-Regierungen, war regelmäßiger Gast auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und mischt auch hinter den Kulissen kräftig mit - etwa als er London technisch bei der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 unterstützte. Das letzte große Dogma, das Chambers nach Video-Conferencing und Collaboration schuf, war die Idee des Internet of Everything.

Die Herausforderungen für den Neuen

Gleichzeitig dürfte das Internet of Things für Robbins eine der größten Herausforderungen der nächsten Zeit darstellen. Denn bei der Vernetzung von Sensoren etc. betreten neue Player wie Google, General Electric und andere das Feld und es ist noch nicht ausgemacht, wer das Rennen machen wird. Eine andere offene Flanke ist das Thema SDN. Sollte sich der Gedanke des Software Defined Network (SDN) mit offenen Schnittstellen und APIs in der Praxis durchsetzen, dann würde dies Ciscos Kerngeschäft bedrohen. Und selbst bei den Standard-Netzkomponenten droht Robbins Ärger: Hier drängen die chinesischen Herausforderer Huawei und ZTE mit attraktiven Preisen auf den Markt. Zumal erschwerend hinzukommt, dass das Vertrauen in die Sicherheit US-amerikanischer Netzprodukte seit dem NSA-Skandal nicht mehr unerschüttert ist.

Skeptische Analysten

Analysten wie George Colony, Chief Executive bei Forrester Research, halten angesichts dieser Herausforderungen weniger ein Zeichen der Kontinuität für angebracht als vielmehr einen fundamentalen Wechsel. Und bei diesem müsse der neue CEO Robbins auch eine Menge Porzellan zerschlagen und die Unternehmenskultur massiv verändern.