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Cisco könnte bis zu 10.000 Stellen streichen

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Der weltgrößte Netzausrüster Cisco Systems könnte bis zu 10.000 Arbeitsplätze abbauen, um wieder profitabler zu werden.

Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf zwei Insider. Bis zu 7000 Jobs könnten demnach bereits zu Ende August gestrichen werden; überdies schicke Cisco 3000 Mitarbeiter in den Vorruhestand, die sich auf entsprechende Vereinbarungen mit Abfindungen eingelassen hätten. Allerdings seien die Pläne noch nicht final.

Cisco-Chef John Chambers
Cisco-Chef John Chambers
Foto: Cisco

Der langjährige Cisco-Chef John Chambers baut Stellen ab und gibt weniger profitable Geschäftsfelder auf, weil Wettbewerber wie Juniper Networks und Hewlett-Packard (HP) Cisco im alten Kerngeschäft mit Routern und Switches für Firmennetze und das Internet mit günstigeren, einfacheren Geräten Marktanteile abnehmen. Bloomberg zitiert den Gleacher-Analysten Brian Marshall mit der Prognose, dass Cisco im Kerngeschäft, das im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes ausmachte, auch weiter Marktanteile verlieren werde.

Zahlen der Marktforscher von Dell'Oro Group vom Mai dieses Jahres zufolge hat Cisco im weltweiten Router-Markt 6,4 Prozent Market Share verloren und kommt noch auf 54,2 Prozent Marktanteil. Bei Switches verlor Cisco vor allem zu Gunsten von HP 5,8 Prozentpunkte auf 68,5 Prozent vom weltweiten Umsatz

Durch den Stellenabbau könnte Cisco im Fiskaljahr 2012 eine Milliarde Dollar einsparen. Allerdings entstehen durch die Abfindungen für das Vorruhestandsprogramm auch Kosten von 500 Millionen bis 1,1 Milliarden Dollar, wie Cisco bereits in einer Pflichtveröffentlichung mitgeteilt hatte. "Wir werden weitere Details zu Kostensenkungen inklusive Entlassungen im nächsten Earnings Call mitteilen", hatte Cisco-Sprecherin Karen Tillman bei der Veröffentlichung der letzten Quartalsbilanz erklärt.

Den beiden Bloomberg-Quellen zufolge hatte Cisco rund 5800 Mitarbeitern angeboten, gegen unter anderem Zahlung von einem Jahresgehalt inklusive Krankenversicherung in Frührente zu gehen. "Das Unternehmen hat einfach zu viele Mitarbeiter", hatte Gleacher-Analyst Marshall in einem Interview gesagt. Seine Firma hatte ebenso wie Analysten von Miller Tabak gestern die Streichung von mindestens 5000 Stellen bei Cisco vorhergesagt. Damit könnte der Konzern aus Sicht von Marshall rund eine Milliarden Dollar operative Kosten sparen und den Gewinn im Geschäftsjahr 2012 um acht Prozent steigern.

Die von Bloomberg befragten Analysten erwarten für Cisco dieses Jahr im Schnitt sieben Prozent Umsatzwachstum auf 43 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte der Konzern seine Erlöse noch um elf Prozent steigern können. Das Kursziel für die Cisco-Aktie sehen die Börsianer im Mittel bei 20,62 Dollar.

Cisco hatte im Mai bereits die Flip-Camcordersparte dichtgemacht und 550 Stellen gestrichen. Manche Investoren fordern inzwischen, Cisco solle sein Consumer-Engagement vollends aufgeben und sich wieder rein auf Enterprise-Produkte fokussieren. CEO Chambers will außerdem laut Ankündigung vom Mai das Management so umbauen, dass der Geschäftsbetrieb gestrafft und mehr Fokus auf Wachstumsbereiche gelegt wird.

Die Aktie von Cisco fiel gestern an der Nasdaq um 31 Cent oder zwei Prozent auf 15,43 Dollar. Im Laufe dieses Jahres hat das Papier bereits 24 Prozent an Wert verloren, wohingegen der Index Standard & Poor's 500 im gleichen Zeitraum um 4,9 Prozent zulegen konnte.