1,4 Milliarden Dollar

Cisco kauft Jasper Technologies für einen tieferen IoT-Einstieg

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Die SaaS-basierende Internet-of-Things-(IoT-)Plattform von Jasper Technologies hat im weltweiten Industrie-4.0-Business große Anerkennung gefunden. Jetzt will sich Cisco den IoT-Spezialisten für rund 1,4 Milliarden Dollar einverleiben.

Cisco will im Zukunftsmarkt IoT eine wichtigere Rolle spielen. Deshalb hat das Unternehmen angekündigt, den Plattform-Betreiber Jasper Technologies für 1,4 Milliarden Dollar in bar zu übernehmen (siehe auch: Die wichtigsten IoT-Plattformen). Jasper bedient mit seinen 385 Mitarbeitern weltweit rund 3500 Kunden und ist eines der bekanntesten Startups, die sich mit IoT beschäftigen. Der Deal dürfte im laufenden dritten Fiskalquartal von Cisco (Ende: 30. April 2016) zum Abschluss kommen.

Mohammed Jahangir, CEO von Jasper Technologies, wird erst einmal bei Cisco bleiben und an Rowan Trollope berichten.
Mohammed Jahangir, CEO von Jasper Technologies, wird erst einmal bei Cisco bleiben und an Rowan Trollope berichten.

Cisco möchte mit seinen IoT-Technologien auf der gut eingeführten Jasper-Service-Plattform aufsetzen und weitere Dienste wie Enterprise-WLAN, Connected-Device-Sicherheit oder Advanced Analytics beifügen, damit ein optimales Management der Millionen angeschlossenen Devices möglich wird. Die IoT-Plattform des 2004 gegründeten Unternehmens Jasper kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn Connected Cars kommunizieren, Herzschrittmacher Signale aussenden, Flugzeugkomponenten nach Wartung verlangen oder vernetzte Maschinenparks zu betreiben sind.

IoT ist das nächste große Ding für Cisco

Cisco hat das IoT schon vor einiger Zeit als "das nächste große Ding" in der Evolution des Internet ausgerufen. Mit seinen Switches und Routers, dem Wi-Fi-Equipment und den assoziierten Software- und Serviceprodukten möchte der Netzwerkgigant an diesem Boom teilhaben. Jasper Technologies könnte die Plattform sein, die den Kommunikations-Giganten zu einem der wichtigsten Player in diesem Markt macht. Der Umsatz von Jasper wird gegenwärtig auf rund 300 Millionen Dollar jährlich geschätzt. Das Unternehmen soll für 2016 einen Börsengang angestrebt haben.

Cisco-Chef Chuck Robbins lässt sich den tieferen Einstieg in den IoT-Markt 1,4 Milliarden Dollar kosten.
Cisco-Chef Chuck Robbins lässt sich den tieferen Einstieg in den IoT-Markt 1,4 Milliarden Dollar kosten.
Foto: Cisco

Cisco hat eine lange Tradition als Käufer anderer ITK-Unternehmen. Zuletzt hatte sich der Networking-Riese allerdings eher auf kleinere Akquisitionen konzentriert. Die Übernahme von Sourcefire im Juli 2013 für 2,7 Milliarden Dollar war die letzte größere Übernahme. Jasper ist nun wieder ein größerer Brocken. Das privat geführte Unternehmen wurde im April 2014 auf einen Wert von 1,4 Milliarden Dollar taxiert und hat bislang 204 Millionen Dollar von privaten Investoren erhalten.

Jasper-Chef wollte nicht mehr in die Autowerkstatt

Jasper wurde vom heutigen CEO Mohammed Jahangir gegründet, bevor der Begriff IoT aufkam. Mohammed hatte sich einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge darüber aufgeregt, dass er mit seinem Auto in eine Werkstatt fahren musste, damit dort Sensordaten ausgelesen werden konnten. Er fragte sich, warum das nicht mittels drahtloser Kommunikation möglich sei.

Jasper konnte schon bald Kunden wie General Motors überzeugen, die Technologie für die Fernwartung und Kommunikation von Fahrzeugen einzusetzen. Jahangir soll die neue IoT-Software-Unit bei Cisco leiten und an Rowan Trollope berichten, den Senior Vice President, der bei Cisco das Collaboration-Geschäft verantwortet. Cisco-Beobachter fragen sich, was nun aus der im vergangenen November angekündigten IoT-Partnerschaft mit Ericsson wird: Ericsson gilt als einer der großen Wettbewerber von Jasper.