Gartner

CIOs müssen Auswirkungen der Eurokrise auf ihre Unternehmen bewerten

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Die Marktforschungs- und Beratungsfirma Gartner rät CIOs dringend dazu, ihre Unternehmen angesichts der "extremen Unsicherheit" für die Eurozone gegen mögliche Risiken abzusichern.

CIOs müssten unter anderem Vorkehrungen treffen, um ihre Firmen vor Gefahren von beispielsweise Verzug seitens Regierungen oder Banken, Ende der Gemeinschaftswährung, Bankrott von Geschäftspartnern sowie Verzweiflung bei Mitarbeitern oder Kunden zu schützen, schreibt Gartner.

"CIOs haben in Unternehmen eine einzigartige Position an der Schnittstelle von Geschäft und Technik und sind die einzigen Manager mit ausreichender Sichttiefe und möglicher Fähigkeit, um die Herausforderungen durch die aktuelle Eurokrise zu adressieren", erläutert David Furlonger, Vice President und Fellow von Gartner. "Die Geschäftsführer schreien geradezu danach, dass CIOs, die Möglichkeiten der IT effektiver aufzeigen und insbesondere Mehrwert für das Business schaffen. Deswegen ist diese Krise gleichzeitig eine Chance für CIOs, um den Anforderungen der CEOs mit großen und wichtigen Schritten entgegenzukommen und die Wichtigkeit und den wahren Wert der IT zu demonstrieren."

Anders als die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der jüngeren Vergangenheit habe die jetzige Krise das Potenzial, die Eurozone, die ganze EU und sogar noch darüber hinaus zu unterminieren, ergänzt Gartner-Kollege Andrea Di Maio, Vice President und Distinguished Analyst. Verstärkt durch die Verbreitung des Internets treffe die Krise jedes Unternehmen und jede Einzelperson, die innerhalb oder mit der Region Geschäfte mache. Oberste Verantwortung des CIO sei es daher, die Business Continuity zu garantieren.

Die Gartner-Experten haben dabei vier zentrale Probleme und aus ihrer Sicht probate Gegenmittel identifiziert:

  1. Volatität der Märkte. Viele Firmen und ihre IT-Abteilungen leiden unter bürokratischen Prozessen und bremsenden Mechanismen zur Entscheidungsfindung. "Angesichts der Marktbedingungen müssen CIOs eine Arbeitsumgebung schaffen, die Geschwindigkeit, Agilität und Anpassung fördert, ohne dabei Verantwortung zu opfern", sagt Gartner-Experte Di Maio. Entscheidend seien die Change-Management-Fähigkeiten. Und Grundlage dafür wiederum Informationen, Analytics, HR-Flexibilität sowie eine stärker dezentralisierte "Command-and-Control"-Management-Struktur.

  2. Kapitalkosten. Kosten für und Zugang zu Kapital dürften sich wohl weiterhin verschlechtern, solange es keine signifikante Abhilfe für die strukturellen Unausgewogenheiten zwischen Ländern und Unternehmen gebe. Unfähigkeit oder Unwille, Schulden abzuschreiben und Bilanzen im öffentlichen und privaten Sektor zu restrukturieren, seien eine substanzielle Barriere für die Markeffizienz. Kreditlinien dürften unsicher werden oder wegfallen, was Unternehmen zur Reduzierung von Lagerbeständen zwinge. "In dieser Situation sind CIOs im besten Falle mit Nullwachstum-Budgetierung und im schlimmsten Fall mit deutlichen Streichungen bei Investitionen und Betriebskosten konfrontiert", sagt Gartner-Analyst Furlonger. Komme es zu einem Marktzusammenbruch, dann seien kritische Ressourcen und Lieferungen bedroht. CIOs und andere Manager müssten Notfallpläne entwickeln, um mehrere Backups sicherzustellen.

  3. Human Capital Management. Millionen in Europa sind ohne Arbeit. Offizielle Sparpakete von Regierungen und inoffizielle in Unternehmen (Gehälter, Benefits, Arbeitsbedingungen) in Verbindung mit steigenden Lebenshaltungskosten belasten die Belegschaften. Dazu kommen noch Engpässe bei der Altersversorgung, längere Lebensarbeitszeiten und der Wegfall von Privilegien. "CIOs und Business-Führungskräfte stehen vor signifikanten HR-Problemen dabei, ihre Belegschaft zu belohnen und zu motivieren, die nötigen Mittel für das Einstellen neuer Talente freizuschaufeln und mit den Nöten von Mitarbeitern umzugehen, die sich auf die Produktivität auswirken", konzediert Di Maio. Weiter gelte es, ausländische Fachkräfte von der Abwanderung in Richtung besserer Konditionen abzuhalten, die Streichung von Nicht-EU-Arbeitserlaubnissen und Visas durch die Politik als Reaktion auf rasch steigende Arbeitslosigkeit einzukalkulieren und einen "Brain Drain" zu verhindern.

  4. Risk Management. Kapitalmärkte (und auch viele Unternehmen) sehen ein substanzielles Risiko von Zahlungsausfällen bei Regierungen und Geschäftspartnern. Die Debitorenverwaltung wird beansprucht, die Wahrscheinlichkeit internen wie externen Betrugs steigt. Aus IT-Sicht erhöhen Probleme wie Änderungen an vertraglichen Verpflichtungen und Business Continuity das operationale Risiko. Erschwerend kommen steigende vertikale regulatorische Auflagen hinzu, die den Druck auf Audit und Risk-Management-Assessments und -Workflows erhöhen. Firmen mussten schon zwar vor der Krise ihre unternehmensweiten Risiken "ganzheitlich" identifizieren, um sie in Relation zum Erfolg des Geschäfts zu setzen und zeitlich effizient zu managen. Nun aber, so Gartner-Mann Furlong, müssten "der CIO - auch der CFO und andere - Fragen stellen wie: 'Können die vorhandenen Risikomodelle Alternativen zum Fehlen historischer Daten (in vielen Fällen braucht man die bis zu drei Jahre rückwirkend) aufnehmen, die man für Regressionstests und Ertragskurvenanalyse von Absicherungen braucht und um die Aktiva-Passiva-Portfolios zu strapazieren, falls es darin ganz oder teilweise zu einer Denominierung kommt?'"