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Hamburger Strategietage

CIOs diskutierten die Gretchenfrage der IT

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Tacheles redeten die Referenten auf den "Hamburger IT-Strategietagen". Den ersten Konferenztag bestimmte die Frage: Wieviel Standard ist möglich, wie viel Individualität nötig?

Von CW-Redakteurin Karin Quack

Fast kann man es schon nicht mehr hören – das ewige Lamento der CIOs über ihre "historisch gewachsenen", sprich: heterogenen, IT-Landschaften, über den Unwillen der Fachbereiche, die Beschränkungen von unternehmensweiten Standards hinzunehmen, über den zahnlosen Tiger IT-Governance … seit mindestens zwei Jahrzehnten immer dasselbe Lied.

Aber seien wir fair: Tatsächlich könnten die IT-Verantwortlichen das Business weit besser unterstützen, wenn sie sich nicht ständig mit nervtötenden, zeitraubenden und kostspieligen Inkonsistenzen rumärgern müssten. Eine flurbereinigte IT-Landschaft würde ihnen Freiräume für Innovationen öffnen.

Aber wie viel Standardisierung verträgt eigentlich die IT selbst? Diese Frage warf kürzlich das IT-Beratungsunternehmen Detecon auf (siehe "Dynamische Märkte brauchen flexible IT-Governance"). Sie bestimmte auch den ersten der beiden "Hamburger IT-Strategietage".

Auf dem von CIO; COMPUTERWOCHE und Hamburg@work einberufenen CIO-Treff schwamm beispielsweise Stefan Kaiser, IT-Direktor der Marquard & Bahls gehörig gegen den Strom. Er vertrat die Auffassung, dass die unternehmenseigenen Profit-Center auch in Sachen IT nicht vollends gleichgeschaltet werden dürften. Ansonsten liefen sie Gefahr, ihre Agilität einzubüßen. "Standardisierung mit Augenmaß" lautet deshalb der Wahlspruch des IT-Managers.

Einem rigideren Ansatz redeten andere Referenten das Wort – darunter Dave Kuttler, Vice President Global Architecture des Pharma- und Kosmetikkonzern Johnson & Johnson. Er lieferte – zu später Stunde – das letzte Highlight des Tages, indem er detailliert den steinigen Weg des Weltkonzerns zu einer unumschränkt gültigen, aber fein abgestuften IT-Architektur nachzeichnete. So packt das unternehmenseigene "Business Process Framework" alle Geschäftsprozess in eine der drei Schubladen "agile", "common" und "commodity". Die Zugehörigkeit zu der jeweiligen Kategorie bestimmt, ob der Prozess mit einer zentral standardisierten Applikation, einer begründeten Modifikation oder einer maßgeschneiderten Neuentwicklung abgebildet wird.

Alles in allem zeichneten sich die Vorträge des ersten Kongresstages dadurch aus, dass sie weniger das "Gute, Wahre, Schöne" adressierten als die konkreten Fragen, mit denen sich die CIOs tagtäglich herumschlagen. Und das ist doch mal wirklich erfrischend – angesichts der Tatsache, dass die Veranstaltung den oft missbrauchten Strategiebegriff im Titel führt.