Xiaomi, Lenovo und Co

Chinesische Smartphone-Anbieter setzen zum großen Sprung an

17.12.2013
China ist zum wichtigsten und am schnellsten wachsenden Markt für die Smartphone-Branche geworden. Doch für Schwergewichte wie Samsung oder Apple wachsen dort auch Rivalen heran, die eigene internationale Ambitionen haben.

Die Dimension des chinesischen Smartphones-Marktes ist atemberaubend. Über 350 Millionen Computer-Handys dürften laut Marktforschern allein in diesem Jahr verkauft werden - etwa jedes dritte vom weltweiten Absatz. Und die Experten rechnen mit einem rasanten Wachstum auf 450 Millionen Geräte schon im kommenden Jahr. Damit müsste China eigentlich ein Traummarkt für die Smartphone-Branche sein, doch es ist kein leichtes Pflaster. Einen großen Teil des Geschäfts haben sich einheimische Firmen unter den Nagel gerissen, von denen außerhalb des Landes kaum jemand was gehört hat. Und beflügelt vom Erfolg zu Hause bereiten sie eine internationale Expansion vor.

Hugo Barra ging von Google zu Xiaomi.
Hugo Barra ging von Google zu Xiaomi.
Foto: Hugo Barra bei Google+

Unter diesen kleinen Firmen landete der Anbieter Xiaomi (gesprochen: Schaomi) in diesem Jahr den größten Marketing-Coup. Die Firma aus Peking verpflichtete den Google-Manager Hugo Barra, der beim Internet-Konzern für die Produktentwicklung des führenden Smartphone-Systems Android zuständig war. Bei Xiaomi soll er die Auslandsexpansion anführen. "Ich suche die Märkte aus und versuche in ihnen so schnell wie möglich zu starten", beschrieb er seine Aufgabe jüngst bei dem ersten öffentlichen Auftritt als Xiaomi-Manager auf der Internet-Konferenz LeWeb in Paris. Erstes Ziel: Südostasien, das von China aus gut beliefert werden könne.

Xiaomi setzt auf technisch hochgerüstete Smartphones, die etwa halb so teuer sind, wie Top-Geräte von Rivalen wie Samsung oder Apple. Um die Kosten im Griff zu behalten, verkauft die Firma ihre Handys grundsätzlich nur über das Internet. Dazu gehört eine clevere Verkaufstaktik: Die Geräte werden nicht ständig, sondern häppchenweise in Chargen von 200.000 oder 300.000 Stück angeboten und sind dann oft binnen einer Stunde erst einmal ausverkauft. Im vergangenen Jahr setzte Xiaomi so rund sieben Millionen Smartphones ab, in diesem sollen es bereits 20 Millionen werden. Das Ausland könnte einen schnellen Schub liefern: Schließlich sind auch dort günstige Android-Telefone das am schnellsten wachsende Marktsegment.

Das Lenovo-Smartphone "K900" hat einen Intel-prozessor.
Das Lenovo-Smartphone "K900" hat einen Intel-prozessor.
Foto: Lenovo

Xiaomi hebt sich von kleineren Rivalen ab, von denen viele auch vor hemmungslosen Nachahmungen nicht zurückschrecken. So wurde in diesem Jahr ein Smartphone mit dem Namen "Galapad Galaxy S" verkauft, dass sich den Namen bei Samsung lieh - und das Aussehen beim Modell One von HTC. Von den Großen der Branche ist Xiaomi allerdings noch weit entfernt. So ist Samsung nach wie vor die Nummer eins in China mit einem geschätzten Marktanteil von knapp 20 Prozent. Die einheimische Nummer zwei, Lenovo, verkauft noch etwa doppelt so viele Smartphones wie Xiaomi in China.

Der Aufstieg des weltgrößten PC-Herstellers auch im Smartphone-Geschäft macht das Gewicht des chinesischen Marktes deutlich. "Sie verkaufen bisher 95 Prozent ihrer Geräte in China - und sind schon damit der drittgrößte Anbieter weltweit", betont Gartner-Analyst Anshul Gupta. Und Lenovo plant generalstabsmäßig eine internationale Expansion. Auf Asien und Russland soll im kommenden Jahr Westeuropa folgen, kündigt der zuständige Lenovo-Manager Gianfranco Lanci an. Er will sich dabei Zeit lassen: "Die Märkte sind alle verschieden, wir wollen Schritt um Schritt vorgehen", sagt Lanci, der für das Geschäft in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten zuständig ist und einst Konzernchef beim heute kriselnden Konkurrenten Acer war.

Gianfranco Lanci auf der IFA 2013 mit einem Lenovo-Smartphone
Gianfranco Lanci auf der IFA 2013 mit einem Lenovo-Smartphone

Lenovo wollte laut Medienberichten auch eine Abkürzung über den Kauf des notleidenden Smartphone-Pioniers Blackberry nehmen. Kanadische Behörden hätten jedoch unmissverständlich signalisiert nicht zuzulassen, dass die auch von vielen US-Behörden genutzten Blackberry-Dienste in chinesische Hand gelangen. Auch den Netzausrüstern ZTE und Huawei, die ebenfalls große Player im Smartphone-Markt sind, schlägt vor allem in den USA oft Misstrauen entgegen. (dpa/tc)