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Chinesische Firmen auf der CeBIT: "Europa braucht uns"

19.03.2007
Sie heißen Globalmarket Group, Century-Top Technology oder einfach nur Greatever - bereits an den Namen ist das Selbstverständnis der Firmen ablesbar.

Gemeinsam haben sie das Herkunftsland: China. Der rote Riese drückt weiterhin aufs Tempo, die Expansion in die Länder des einstigen Klassenfeindes läuft auf Hochtouren. Nach Schätzungen des Branchenverbandes VDE wird China die USA als Taktgeber in der Informationstechnik im kommenden Jahr überholen. Auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover präsentieren sich dieser Tage 464 Unternehmen aus dem Reich der Mitte, 68 mehr als im vergangenen Jahr.

"Wir sehen das Potenzial des europäischen Marktes", sagt Edwin Yiu vom chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei. Sein Unternehmen ist seit dem Jahr 2000 in Europa vertreten. Mittlerweile beschäftigt Huawei gut 2000 Mitarbeiter in 28 Büros auf dem "alten Kontinent", fünf Niederlassungen hat die Firma allein in Deutschland. Siemens, DB Telematik, Vodafone und viele weitere namhafte Unternehmen stehen auf der Kundenliste. "Europa braucht uns", meint der Manager. Chinesische Firmen seien nicht nur günstiger, sondern böten auch qualitativ hochwertige Produkte an. "Wir haben im vergangenen Jahr über 100 Patente angemeldet." Huawei respektiere die internationalen Patentgesetze und entwickele seine eigenen Produkte.

Doch nicht alle Unternehmen scheinen in diesem Punkt mit Yiu einer Meinung zu sein - auf der CeBIT hatten Zollbeamte und Fachanwälte nach der Anzeige einer italienischen Firma auf nach Produktpiraten gefahndet, vornehmlich unter den chinesischen Ausstellern. Eine ganze Kleinbusladung möglicher Plagiate sei sichergestellt worden, so Oberstaatsanwalt Manfred Knothe. Die Kunden scheint die Patent-Frage nicht zu stören: Die zur Schau gestellten Produkte der Chinesen kommen bei den Messebesuchern gut an, die meisten Stände finden reges Interesse. Fast in jeder Ausstellungshalle gibt es einen chinesischen Gemeinschaftsstand, unter dessen Dach auch kleinere Firmen ihre Fabrikate präsentieren.

Auch IT-nahe Unternehmen haben sich für die Messe angemeldet. Bei Greatever gibt es keine Computer, Handys oder Spielekonsolen, sondern Koffer, Rucksäcke, Laptop- oder Fototaschen. "Die CeBIT-Teilnahme ist für uns ein voller Erfolg, erzählt Madeline Ma. Bereits im vergangenen Jahr war das Unternehmen, das noch nicht in Europa vertreten ist, zu Gast auf der Messe. Nun wolle man die Kontakte zu den Kunden weiter ausbauen. Das Selbstbewusstsein ist groß, der Stolz auf das Heimatland noch größer - bei Shiming Technology, einem Hersteller von LCD-Monitoren, marschieren Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee über die Bildschirme, immer und immer wieder. "Das interessiert mich nicht", sagt ein deutscher Händler, der nicht namentlich genannt werden möchte, "das ganze politische Getue ist doch nur Show." (dpa/tc)