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CeBIT: Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt?

22.03.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht keinen Anlass zu Pessimismus. Auch Berufsoptimist und Bitkom-Präsident Volker Jung gab sich in seiner Rede anlässlich der offiziellen CeBIT-Eröffnung verhalten zuversichtlich (siehe auch heutigen Beitrag: "Bitkom prognostiziert gute Aussichten für deutsche ITK-Branche"). Damit stehen die beiden allerdings ziemlich alleine da. HP-Chefin Carleton Fiorina erklärte während einer Pressekonferenz ihres Unternehmens, dass sie bezüglich der konjunkturellen Entwicklung in Europa nicht optimistisch sei und dass sie in der nächsten Zeit kein steiles Wachstum im IT-Sektor erwarte. Auch die Branchenbeobachter und Finanzanalysten geben im Moment wenig auf die "Wachstumsbranche" IT.

Die Anwenderberater von Gartner prognostizieren ebenfalls härtere Zeiten. Einer Befragung von 1500 CIOs zufolge müssen sich die IT-Manager mit stärkerem Zwang zum Sparen, Ressourcenknappheit und zunehmendem Wettbewerb auseinander setzen. Gleichzeitig berichtet Gartner aber auch, dass kenntnisreiche IT-Mitarbeiter weltweit knapp bleiben werden. Eine Aussage, die angesichts der vielen tausend Entlassungen, die amerikanische IT-Konzerne inzwischen vorgenommen haben, auf den ersten Blick unwahrscheinlich klingt.

Noch stellt sich zwar die Frage, ob Compaq, Oracle und Co. die schleppende Konjunktur nutzen, um Overhead und weniger leistungsfähige Mitarbeiter loszuwerden. Doch wenn sich der IT-Markt weltweit abschwächt -, und zur Zeit sprechen alle Anzeichen dafür - dann schlägt das sehr schnell auf den Arbeitsmarkt durch: zunächst auf die Beschäftigtenzahlen in der IuK-Industrie selbst. Wird weniger verkauft, werden weniger Vertriebsleute, Berater und Techniker gebraucht. Doch wenn sich die Nachfrageschwäche über den Consumer-Markt hinaus ausdehnt und auch den professionellen Sektor in Mitleidenschaft zieht, dürften auch große Anwenderunternehmen in Zukunft mit Einstellungen vorsichtiger sein. In den USA zeichnet sich das bereits ab. Von dort melden die einschlägigen Verbände und Auguren, dass Anwender beginnen, Investitionen zurückzustellen. Sie wollen offenbar erst einmal abwarten, wie sich die wirtschaftliche Situation entwickelt, bevor sie weitere

IT-Großprojekte in Angriff nehmen.

Und genauso wie sich die amerikanische IT-Grippe auf Europa ausdehnen wird, wird sich auch der hiesige Arbeitsmarkt mit etwas Verspätung parallel zu dem in den USA entwickeln. Wir müssen uns in den nächsten Jahren auf langsameres Wachstum einstellen im Equipment- und im Arbeitsmarkt. Das darf aber auf keinen Fall dazu führen, dass nicht mehr in IT-Ausbildung und Studium innvestiert wird oder dass Regierung und Verbände in ihren Anstrengungen nachlassen, junge Leute für die IT zu begeistern. Denn dann würde aus der jetzt viel zitierten "Konjunkturdelle" eine echte Krise.