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CeBIT: Kosten senken mit Kreativität und Know-how

15.03.2002
Mit Hilfe von durchdachten Strategien und geschickt ausgehandelten Verträgen lassen sich die IT-Ausgaben eines Unternehmens um 20 bis 30 Prozent senken - das erklärten Teilnehmer einer CeBIT-Podiumsdiskussion der COMPUTERWOCHE.

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - Mit Hilfe von durchdachten Strategien und geschickt ausgehandelten Verträgen lassen sich die IT-Ausgaben eines Unternehmens um 20 bis 30 Prozent senken - das erklärten Teilnehmer einer CeBIT-Podiumsdiskussion der COMPUTERWOCHE.

Vor allem E-Business-Projekte werden vielerorts verschoben oder ganz aufgegeben mit dem Argument, der Return on Investment sei nicht klar erkennbar oder liege in zu weiter Ferne. Das Problem ist jedoch weniger die Effizienz der Projekte selbst, sondern vielmehr die fehlende oder mangelhafte Planung, so das Fazit der Diskutanten im E-Business-Forum der COMPUTERWOCHE auf der CeBIT (Halle 6, Block D 50, Stand 470). "Die Verantwortlichen müssten schon im Vorfeld viel genauer analysieren, was der IT-Einsatz bringt, und wenig erfolgversprechende Projekte gnadenlos von der Liste streichen", so Alfons Wahlers, IT-Leiter bei der Keiper GmbH.

Enorme Einsparungen bewirkt seiner Ansicht nach auch das neue Aushandeln von Verträgen und Abrechnungsverfahren mit den IT-Lieferanten. "Zum Beispiel kann ein Unternehmen durch geschickt formulierte Technikleasing-Verträge immer auf dem neuesten technischen Stand bleiben und gleichzeitig die Kosten senken", ist Wahlers überzeugt. Vor allem die Consultants seien unter heutigen Umständen zu teuer. "Sinnvoll sind hier Benchmarking-Verträge, die jedes Jahr neu bewertet werden und regelmäßig aktualisierte Zielvorgaben enthalten." Dazu sei allerdings intern sehr viel Know-how vonnöten: "Langfristig läuft das darauf hinaus, dass Firmen ihre eigenen Beraterteams aufbauen und an den externen Consultants sparen."

Aufräumen, ausmisten, konsolidieren

Die dafür nötigen Kenntnisse fehlen jedoch in den IT-Abteilungen, meint Thomas Frister von der Beratungsfirma CSC Ploenzke. "Speziell im Mittelstand ist die Situation zum Teil katastrophal." Auch bei der Neuverhandlung von Verträgen komme das Unternehmen nicht umhin, aufzuräumen, auszumisten und zu konsolidieren. "Dazu braucht man nicht unbedingt die Hilfe von externen Beratern, wenn die IT-Leiter Kreativität an den Tag legen", so Frister. "Aber meistens muss man da ein bisschen nachhelfen." Das Outsourcing der kompletten IT-Abteilung ist nach Ansicht vieler Experten allerdings nicht sinnvoll. Laut Sven Peters von Cap Gemini Ernst & Young mache sich ein Unternehmen damit zu abhängig von externen Beratern. "Das Prozess-Know-how muss im Haus bleiben, sonst lässt sich nichts mehr steuern."

Umstritten bleibt das Thema Standardisierung von Software. Einerseits ist sie eine Voraussetzung, um neue Anwendungen zu implementieren, ohne teure Consultants in Anspruch nehmen zu müssen. Andererseits sind es gerade die speziellen, auf das Unternehmen abgestimmten Funktionen und Modifikationen, die den Nutzen und im Endeffekt auch Kostenvorteile bringen. "Das ist ein Widerspruch, den wahrscheinlich jeder für sich abwägen muss", so Wahlers.

Individuelle Erweiterungen erweisen sich aber in jedem Fall als Ausgabentreiber: "Die Betriebskosten liegen drei- bis viermal höher als bei Standardfunktionalität", beobachtet Ralph Treitz, Geschäftsführer der VM Solutions GmbH, eines Unternehmens, das sich mit dem Benchmarking und der Optimierung von R/3- und Mysap-Systemen beschäftigt. "Unter reinen Kostensapekten muss man von Eigenentwicklungen, auch von bloßen Erweiterungen, Abstand nehmen." Der Grund: Bei einem Release-Wechsel müssen diese immer wieder angefasst werden. Trotzdem sei es unwahrscheinlich, dass man ganz darauf verzichten könne.

Individualentwicklungen treiben Kosten in die Höhe

Den Grund für ausufernde Individualentwicklungen sieht Peter Körting, als Partner bei dem Beratungsunternehmen Deloitte Consulting verantwortlich für den Technologiebereich, sowohl bei Beratern als auch bei Anwendern. "Immer wieder fordern Anwender Spezialfunktionen, weil sich die Anforderungen im Standard nicht erfüllen ließen und das Unternehmen ganz anders sei", beobachtet Körting. Und dann sei der Damm schnell gebrochen, Zusatzfunktionen zu programmieren und die Anwender zufrieden zu stellen. Allerdings zeige sich dann im Nachhinein oft, dass viele geforderte Spezialfunktionen nicht verwendet würden. Unternehmen sollten sich also genau überlegen, ob sie diese Eigenentwicklungen wirklich brauchen - und damit auch die Kosten für den R/3-Betrieb reduzieren. (sp)