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Carrier müssen umdenken, um Erfolg zu haben

12.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Um ihre gegenwärtigen Krise zu überwinden, sollten TK-Unternehmen leichter verwaltbare, schnellere und billigere Dienste anbieten - insbesondere im Mobilfunkbereich. Das war das Fazit der Industrievertreter auf der diesjährigen Global Telecom Conference der US-Investment-Bank UBS Warburg. Doch der Teufel liegt im Detail: In den USA etwa streiten die ehemaligen Bell-Monopolisten mit Wettbewerbern über Regulierungspolitik und Provider tun sich nach wie vor schwer, ihren Kunden attraktive Service-Pakete anzubieten. Ein weiteres schwieriges Thema ist die Frage, wie niedrig man die Preise für drahtlose Mehrwertdienste eigentlich ansetzen soll.

Die Probleme der TK-Industrie sind hinreichend bekannt: Angesichts von zahlreichen Pleiten bei US-Carriern sowie Bilanzskandalen und Untersuchungen durch die US-Börsenaufsicht SEC ist die Investitionszurückhaltung der Kunden noch weiter gestiegen. In Europa wiederum haben sich die Telcos insgesamt rund 150 Milliarden Euro Schulden durch UMTS-Lizenzen aufgehalst. Doch hinter diesen augenscheinlichen Problemen gebe es einen Hauptgrund für die Branchenkrise, erklärte Pascal Debon, President Wireless Services beim TK-Ausrüster Nortel Networks, auf der Konferenz: Da das Geschäft der TK-Firmen bislang nur auf Sprachdiensten basiert habe, sei es den Anbietern nicht gelungen, ein neues Geschäftsmodell für digitale Mehrwertdienste einzuführen. Dieses müsse eine weite Spanne von Anwendungen umfassen, holte Debon aus: Wireless, Multimedia, Messaging und Sprachdienste, die über paketbasierte Netze übertragen werden. "Sollte es nicht gelingen, den Umgang mit

diesen Diensten für die Kunden einfach und angenehm zu gestalten, verlieren wir diesen Markt", warnte Debon.

Während viele Sprecher auf der Konferenz über einheitliche Billing-Systeme, Kommunikationsportale und andere technische Komponenten im Wireless-Bereich referierten, wurde die Preisproblematik nahezu außer Acht gelassen. Diese Lücken füllten Analysten: Der Mobile-Boom habe eingesetzt, als die ersten kostengünstigen Handys auf den Markt kamen, erläuterte Larry Seibert von Barret Associates. Wenn die Carrier einen Markt für die mobile Dienste der nächsten Generation schaffen wollten, müssten sie nun genauso vorgehen und mengenbasierte Einsparungen an den Kunden weitergeben. (mb)