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Carrier greifen nach IT-Dienstleistern

04.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Immer deutlicher zeichnet sich ein Trend zu Verschmelzung von TK- und IT-Dienstleistungen ab. Zuletzt bestätigte die belgische Telefongesellschaft Belgacom diese Annahme. Sie kündigte an, den im Land ansässigen IT-Dienstleister Telindus NV zu übernehmen. Der Carrier ist bereit, 13,50 Euro pro Aktie zu zahlen. Das bedeutet einen Aufschlag von rund 16 Prozent gegenüber dem Wert der Telindus-Aktie zum Zeitpunkt der Ankündigung.

Der Branchendienst "Computerwire" hat sich daraufhin die Mühe gemacht, die Aktivitäten der Carrier in vergangenen 18 Monaten näher zu betrachten. In diesem Zeitraum gab es demnach 13 Fälle, in denen IT-Dienstleister durch TK-Netzbetreiber geschluckt wurden. Insgesamt investierten die Carrier rund 2,6 Milliarden Dollar, um mit Hilfe von Akquisitionen ihr Geschäft um Bereiche wie Netzwerk-Management- und -Integration, Managed Security sowie IT-Infrastrukturdienste zu erweitern.

Als aggressivster Anbieter trat dabei die britische BT Group auf, deren Dienstleistungsarm Global Services jährlich rund 8,2 Milliarden Pfund (etwa 12,1 Milliarden Euro) einnimmt und in dem betrachteten Zeitraum die Unternehmen Infonet und Radianz (von Reuters) übernommen hat. BT begründete die Aktivitäten damit, dass die zunehmende Konvergenz von TK- und IT-Technik die Entwicklung des so genannten "New-Wave"- Geschäfts fördern könne.

Der Trend hat sich im laufenden Jahr beschleunigt. So kaufte erst vergangene Woche etwa die kanadische Bell Canada den IT-Consulting- und -Integrationsdienstleister Createch für eine nicht genannte Summe. Ins Bild fügen sich zudem die Gerüchte ein, die eine Akquisition von Atos Origin durch die Deutsche Telekom erwarten.

Die Beispiele zeigen zudem, dass der Trend weltweit zu beobachten ist. Große Deals gab es beispielsweise in Australien und Neuseeland (Telstra und TNZ) sowie in Europa, etwa in Schweden, der Schweiz und nun Belgien. In den USA hat MCI zwei Akquisitionen in diesem Bereich betrieben, und die Sicherheitsspezialisten Netsec sowie die Remote-Management-Company Totality geschluckt. Zudem versuchen Carrier wie die US-amerikanische AT&T und Japans NTT aus eigener Kraft und ohne Akquisitionen starke Serviceeinheiten zu errichten.

Allerdings gibt es auch einige Aktivitäten, die diesem Szenario nicht entsprechen: Telecom Italia hat das IT-Servicegeschäft Finsiel an eine Investment-Firma verkauft und die holländische KPN hat Teile des Geschäfts an Atos Origin übergeben. (jha)