Capgemini: Leben mit Druck und Stress

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Einsteiger mit Branchen und Prozess-Know-how können bei Cap Gemini mit interessanten Berater-Jobs rechnen. Bewerber, die zu Arroganz neigen, haben dabei schlechte Karten. Wichtigste Voraussetzung ist nämlich bescheidenes Auftreten.

Einige Unternehmensberatungen scheinen die Durststrecke der vergangenen Jahre überwunden zu haben, denn sie suchen wieder Personal. Zum Beispiel Capgemini, das in diesem Jahr insgesamt 400 Mitarbeiter einstellen will, davon 100 Hochschulabsolventen. Neben den Skills für die klassische Strategieberatung wie betriebswirtschaftlicher Hintergrund, Management- sowie Sozialkompetenz spielt auch das Branchenwissen eine wichtige Rolle. Laut Capgemini gilt das vor allem für die Branchen Automobil, Banken und Versicherungen, Energie und Versorgung sowie Transport und Logistik.

Nina Buttkus, Leiterin der Human-Resources-Abteilung bei Capgemini Consulting Services: "Gerade der Automobilmarkt ist momentan in Bewegung. Da die Märkte in Europa und den USA gesättigt sind, suchen die Konzerne nach neuen Absatzmöglichkeiten und Produktions-stätten in Osteuropa und China." Viele Hersteller und Zulieferer würden Geschäftsfelder bei-spielsweise mit ergänzenden Komponenten aus der Telematik oder mit mobilen Kommunikationssystemen erschließen. Die Capgemini-Personalexpertin: "Um in diesem Markt in der ersten Liga zu spielen, müssen alle Beteiligte - Entwickler, Zulieferer, Hersteller und Händler - Hand in Hand arbeiten."

Capgemini

Neues Kranzler Eck, Kurfürstendamm 21

10719 Berlin, 030/88703-0

www.de.capgemini.com

Mitarbeiterzahl: in Zentraleuropa (D, A, CH, PL): 3.461, weltweit: 60.000

Einstellungsbedarf für den deutschsprachigen Raum: 400

Gesuchte Fachrichtungen: Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurswesen, Wirtschaftsinformatik, Informatik/Softwareingenieurswesen (für Tochtergesellschaft sd&m),

Geforderte Qualifikationen: sehr guter Hochschulabschluss, gute Englischkenntnisse, hervorragnde Kommunikationsfähigkeiten, anlytische und strategische Fähigkeiten, Praktika

Informatik ist kein Muss

Voraussetzung dafür sei ein hohes Maß an Flexibilität und Integration sowie die Nutzung des Internets als Prozessbeschleuniger für Einkauf, Entwicklung, Logistik und Vertrieb. Buttkus: "Je größer die Herausforderungen der Branche, desto größer die Anforderungen an Berater. Das gilt auch für den Nachwuchs." Capgemini erwartet von den potenziellen Kandidaten unter anderem ein fundiertes Verständnis von Prozessen und Mechanismen im Automobilvertrieb, darüber hinaus praktische Erfahrungen mit Standardapplikationen wie SAP.

Jörg Witt verhalf seine Diplomarbeit bei einem Automobilbauer zum ersten Job in der Beratungsbranche.
Jörg Witt verhalf seine Diplomarbeit bei einem Automobilbauer zum ersten Job in der Beratungsbranche.

Jörg Witt arbeitet als Senior Consultant im Automotive-Bereich von Capgemini und hat im Rahmen seiner Diplomarbeit erste Erfahrungen bei einem Automobilhersteller gesammelt: "Das Beratungsgeschäft hat mich schon immer gereizt. Hier erhält man nicht nur die Möglichkeit, in ambitionierten Teams zu arbeiten, neue Aufgabenstellungen kennen zu lernen und Veränderungsprozesse einzuleiten, sondern kann zudem in viele unterschiedliche Unternehmen und Branchen hineinschnuppern." Ein Informatikstudium indes ist seiner Ansicht nach weder für einen Job bei Capgemini im Allgemeinen noch für den Bereich Automobilbranche im Besonderen Voraussetzung. Witt: "Natürlich werden IT-Skills je nach Aufgabenstellung beim Kunden benötigt." Es gebe kaum noch ein Beratungsprojekt, in dem nicht die Kombination aus kaufmännischer und IT-Kompetenz benötigt werde. Hightech-Wissen könne aber auch durch ein Bindestrich-Studium oder zusätzliche Studiengänge erworben werden. Alles in allem ist der Consultant überzeugt, dass die Chancen für Newcomer sowohl in der Automobil- als auch in der Beratungsbranche gut aussehen.

Unterschiedliche Projekte sorgen für Abwechslunbg

Benjamin Sarges, der bei Capgemini seit April 2004 als Berater im Bereich Strategic Consulting tätig ist, sekundiert ihm: "Allerdings sollte den jungen Leuten die Art und Weise, wie in Consulting-Häusern gearbeitet wird, auch liegen." Sarges hatte während seines Studiums an der School of International Business in Reutlingen und an der Portland State University in den USA durch verschiedene Praktika Gelegenheit gehabt, die Arbeitsweise von Beratungsunternehmen kennen zu lernen. Vor allem das projektorientierte Arbeiten in einem kollegialen Umfeld gefiel ihm. Bei Capgemini hätten ihn von Anfang an die abwechslungsreichen Projekte, die flachen Hierarchien und ein umfangreiches Trainingsangebot überzeugt. Sarges: "Dazu kommt eine sorgfältig ausgesuchte Begleitung durch einen Mentor - eine für mich sehr wichtige Unterstützung während des ersten Berufsjahres." Der Consultant ist überzeugt, dass diejenigen Hochschulabsolventen, die schon in jungen Jahren Verantwortung suchen, bei einem Beratungshaus richtig aufgehoben sind. Der Strategieberater: "Natürlich gehören Druck und Stress zum Job, aber damit kann man doch in jungen Jahren locker umgehen."

Über mangelnde Bewerbungen können sich die Personaler von Capgemini nicht beschweren. Allerdings sind längst nicht alle von Erfolg gekrönt. Absolute "Go-Kriterien" sind laut Personalexpertin Buttkus Begeisterungsfähigkeit, Teamfähigkeit, verbale und schriftliche Ausdrucksfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und eine gesunde Portion Hartnäckigkeit. Dazu kommen noch Charme und eine "gute Kinderstube". Ein Punkt sollte ihrer Meinung nach besonders hervorgehoben werden - und das ist Bescheidenheit. Buttkus: "Deshalb ist ein K.-o.-Kriterium für potenzielle Mitarbeiter ganz sicher Arroganz." Kein Wunder, dass bei der Auswahl der Kandidaten genau darauf geachtet wird, ob der Kandidat überzeugend, aber bescheiden, oder eher arrogant auftritt. Dass es sich hierbei um eine Gratwanderung handelt, ist den Recruiting-Fachleuten sehr wohl bewusst.

Sabbatical oder reduzierte Arbeitszeit

Ein großes Plus der Consulting-Häuser - da ist Capgemini keine Ausnahme - ist die flexible Karrieregestaltung. Im Gegensatz zu Zeiten der Hochauslastung stehen sie flexiblen Arbeitszeitmodellen mittlerweile positiv gegenüber. Egal ob "Sabbaticals" oder "Time-out-Programme", bei dem französischen Beratungshaus kann über alles kann geredet werden. Die Regelungen sind vielfältig und können auf die jeweilige persönliche Situation zugeschnitten werden. Sie reichen von der einjährigen Auszeit bis zu einem auf 60 oder 80 Prozent reduzierten Arbeitspensum bei entsprechender Gehaltsanpassung. Die so gewonnene "Frei"-Zeit wird häufig zur beruflichen Fortbildung, der Absolvierung eines MBA-Programms oder zur Dissertation benutzt. Einige Berater - abgesehen von den Beraterinnen - nehmen auch eine Babypause und reduzieren deutlich ihre Arbeitszeit. Hier können Unternehmensberatungen mit ihrer projektbezogenen Arbeitsweise und flexiblen Arbeitsgestaltung ihren Vorteil gegenüber klassischen Unternehmen eindeutig ausspielen.