Wie sich die ISDN-Abschaffung auf den deutschen Sicherheitsmarkt auswirkt

Bye, Bye, ISDN

14.10.2016
Meike Stefanie Buch ist Junior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Sie beschäftigt sich vorwiegend mit den Themenschwerpunkten Cloud Computing, IT-Infrastrukturen und Internet of Things. Zuvor war Meike Buch, neben ihrem Masterstudium im Bereich Information, Innovation und Management an der Universität Kassel, als wissenschaftliche Hilfskraft am Fachgebiet Wirtschaftsinformatik tätig. Dort beschäftigte sie sich unter anderem mit den Themen Cloud Computing, IT-Nutzung und Location Based Services.
Die Ablösung der ISDN-Technik durch die IP-Übertragung zwingt viele deutsche Unternehmen auch dazu, ihre Gefahrenmeldeanlagen umzustellen. Doch wann und wie sollten betroffene Firmen vorgehen?
Neben den Telefonanlagen müssen demnächst auch viele Gefahrenmeldeanlagen auf das Internet Protocol (IP) umgestellt werden.
Neben den Telefonanlagen müssen demnächst auch viele Gefahrenmeldeanlagen auf das Internet Protocol (IP) umgestellt werden.
Foto: Shutterstock - hxdbzxy

Der Sicherheitsmarkt gehört historisch bedingt eher zu den Märkten mit langfristigen Investitionen und langsamen Innovationszyklen. Doch durch die Digitalisierung in Unternehmen und den damit verbundenen technischen Neuerungen wird sich in Zukunft auch im Markt für Gebäude- und Objektsicherung so Einiges verändern. Gerade in den nächsten Jahren kommt auf die Unternehmen durch die Abschaffung der alten ISDN-Netze eine große Umstellung zu, da neben den Telefonanlagen auch viele Gefahrenmeldeanlagen auf das Internet Protocol (IP) umgestellt werden müssen. Dies ist ein guter Grund für Unternehmen, ihre zukünftige Sicherheitsstrategie zu überdenken, vor allem auch vor dem Hintergrund steigender Einbruchsraten und Sicherheitsbedrohungen durch neue Technologien, wie z.B. Drohnen.

Im Mai 2015 hat die Deutsche Telekom die finale Ablösung ihrer ISDN-Netze durch eine IP-basierte Plattform bis zum Beginn des Jahres 2018 beschlossen. Um dem technologischen Fortschritt Rechnung zu tragen, werden auch die übrigen deutschen Telekommunikationsanbieter diesem Beispiel zeitnah folgen. Auf die Nutzer von Gefahrenmeldeanlagen, welche zu großen Teilen auf die ISDN-Technologie und Datex-P gesetzt haben, kommt aus diesem Grund in den kommenden Jahren eine wichtige Umstellung zu, welche die betroffenen Unternehmen zum Handeln zwingt. Unternehmensangaben der Deutschen Telekom zufolge haben erst ca. 15 Prozent der KMUs auf die Umstellung reagiert , die übrigen Firmenkunden der deutschen Telekom müssen bis spätestens im Jahr 2018 diesem Beispiel gefolgt sein. Doch wann ist für die Unternehmen der richtige Zeitpunkt, um sich mit der Umstellung der verwendeten Sonderdienste zu beschäftigen? Und wie sollen sie diese Umstellung am besten angehen?

Der B2B-Sicherheitsmarkt in Deutschland

Der Markt für Sicherheitsdienstleistungen und elektronische Sicherheitssysteme unterliegt zusätzlich dem schon genannten technologischen Trend in Richtung IP-Übertragung, auch den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und wird aus diesen Gründen in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum aufweisen. Betragen die Ausgaben im B2B-Sicherheitsmarkt in Deutschland im Jahr 2016 noch rund 9,2 Milliarden Euro, so werden sie im Jahr 2020 schätzungsweise auf 10,8 Milliarden Euro anwachsen.

Die IP-Umstellung wird den B2B Sicherheitsmarkt in Deutschland vorantreiben.
Die IP-Umstellung wird den B2B Sicherheitsmarkt in Deutschland vorantreiben.
Foto: Crisp Research AG, 2016

Dies entspricht einer Wachstumsrate von 17,3 Prozent über die Jahre 2016-2020, wobei das Wachstum zum einen durch die IP-Umstellung im Bereich der elektronischen Sicherheitssysteme voran getrieben wird. Zum anderen wird auch die Nachfrage an Sicherheitsdienstleistungen, wie einer Gebäudeüberwachung durch Wachpersonal und Drohnen, Integrationsdienstleistungen - und Beratung sowie (mobile) Sicherheitssoftware stark anwachsen. Folgende Branchen sind besonders stark von dem Technologieumbruch durch die Ablösung der ISDN-Technik durch die IP-Übertragung betroffen:

  • Gebäudevermietung

  • Einzelhandel / Banken

  • Industrieunternehmen

  • Öffentliche Einrichtungen

Die Stakeholder und ihre Rollen im Rahmen der IP-Migration der Gefahrenmeldeanlagen

Die Vergangenheit hat gezeigt: Jede technologische Innovation hat sowohl positive sowie negative Auswirkungen auf eine Vielzahl von Stakeholdern, wie z.B. auf Kunden, Anbieter, Dienstleister, Verbände, den Staat und eine Vielzahl von weiteren Anspruchsgruppen. Denn bei einer technologischen Innovation entsteht zunächst eine Informationsasymmetrie zwischen dem Innovator und seinen Anspruchsgruppen, welche für viele dieser Stakeholdergruppen im Verlauf der Umstellung auf die neue Technologie zu Herausforderungen führt. Doch nicht alle Interessengruppen sind dabei im gleichen Ausmaß betroffen. Für die Klärung der Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Risiken der beteiligten Personen- und Entscheiderkreise im Kontext von Gefahrenmeldeanlagen müssen daher zunächst alle betroffenen Stakeholder identifiziert werden und anschließend die Rolle, welche sie im Rahmen der Technologietransformation spielen, herausgearbeitet werden. Zu den betroffenen Stakeholdern zählen neben dem Netzbetreiber unter anderem:

  • Kunden

  • Hersteller von Gefahrenmeldeanlagen

  • Lösungsanbieter

  • Zertifizierte Handwerker

  • Konzessionäre / Leitstellenbetreiber (inkl. Feuerwehr & Polizei)

  • Sicherheitsverbände

  • Staat (Gesetzgebung)

  • Versicherungen