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Bushs Steuerpläne regen Dividenden-Diskussion bei Hightech-Firmen an

08.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit den gestern vorgestellten Steuerplänen von US-Präsident George W. Bush ist eine erneute Diskussion um die Auszahlung von Dividenden in Gang gekommen. Obwohl einige IT-Firmen über eine beachtliche Liquidität verfügen, hatten sie sich bislang gegen die Auszahlung einer Gewinnbeteiligung gewehrt. Eines ihrer zentralen Argumente war die sogenannte Doppelbesteuerung von Dividenden gewesen. In den Vereinigten Staaten werden diese aus den bereits besteuerten Erträgen der Firmen berechnet und ausgezahlt. Danach müssen die Anteilseigner das Geld nochmal als Einkommen versteuern. Sollten die Vorschläge von Bush vom US-Kongress gebilligt werden, fällt die private Besteuerung der Beträge künftig weg.

Für einige Firmen ist damit die Entscheidung, ob Dividenden gezahlt werden sollen, wieder offen: Jeffrey Henley, Finanzchef von Oracle, räumt ein, dass das Management des Unternehmens mit dem Wegfall der Doppelsteuer auch seine bisherige Politik bezüglich Gewinnausschüttungen (nämlich keine zu zahlen) überdenken muss. "Ich gehe davon aus, dass das Verschwinden der Dividendensteuer einen wesentlichen Einfluss auf unsere Entscheidung haben wird", sagte er auf einer Investorenkonferenz. Solche Töne könnten demnächst auch von Cisco oder Microsoft zu hören sein. Diese hatten bereits im vergangenen Jahr über das Thema diskutiert - und sich wegen der Besteuerung gegen eine Auszahlung gesperrt. Allerdings hatte beispielsweise Cisco-Chef John Chambers damals gesagt, dass eine Erneuerung des Steuergesetzes die Lage verändern könnten. Wenn die Aktionäre an Gewinnausschüttungen interessiert seien, könne man darüber reden.

Die größten Profiteure solcher Dividenden wären die Manager selbst. Bill Gates etwa, dessen Aktienvermögen auf derzeit rund 620 Millionen Anteilscheine geschätzt wird, erhielte bei einer Dividende von einem Cent je Aktie knapp 25 Millionen Dollar pro Jahr - steuerfrei! (rs)