Spiegel-Artikel

Bundeswehr-Projekt Herkules erneut in Not

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Nach Informationen des "Spiegel" steuert das IT-Modernisierungsprojekt Herkules der Bundeswehr "offenbar" wieder einmal auf ein Desaster zu.

Wie das Blatt in seiner heutigen Ausgabe berichtet, kann die zuständige BWI-IT GmbH das vertraglich fixierte Versprechen nicht halten, der Bundeswehr bis Ende nächsten Jahres rund 300.000 neue Telefone, 140.000 neue Computer und ein schnelles Datennetz zu liefern. Die BWI-IT GmbH war 2006 von der Bundeswehr gemeinsam mit IBM und Siemens gegründet worden. Das Wehrressort hält einen Anteil von 49,9 Prozent an dem Joint venture.

Die Meldung stützt sich im Wesentlichen darauf, dass die Bundeswehr über 400 Ex-Soldaten mit der Bitte angeschrieben hat, bei der BWI-IT auszuhelfen. Dem Gemeinschaftsunternehmen fehle es an qualifiziertem Personal, um die neue Netzinfrastruktur zu planen und aufzubauen. Laut "Spiegel" hat die Bundeswehr beispielsweise eine Fernmeldezentrale in Süddeutschland komplett modernisiert, so dass Befehle aus dem Ministerium schnell ausgeführt werden könnten. Schwierigkeiten gebe es indes bei der Weitergabe von Informationen, für die teilweise altes Fax-Equipment verwendet werden müsse.

Interessantes zu Herkules:

Interview mit Christoph Kollatz, CEO der projektbeteiligten Siemens IT Solutions und Services (SIS);

Neues Monitor- und Kontroll-Center der BWI-IT in Bonn;

Die wichtigsten Herkules-Beiträge der CW im Überblick.

Das Ministerium sprach von einer einseitigen Bewertung: In einigen Bereichen seien Verzögerungen und finanzielle Engpässe unvermeidlich, in anderen sei das Projekt aber im Plan.

In den vergangenen Monaten hatte der Spiegel immer wieder berichtet, das Herkules-Projekt sei in Gefahr. Von Verzögerungen und "erhöhtem Finanzbedarf" war mehrfach die Rede. Trotzdem sollen Manager Erfolgsboni bezogen haben. Auf Betreiben von FDP und Grünen hatte der Haushaltsausschuss die Regierung aufgefordert sicherzustellen, dass diese Vergütungspraxis unterbleibe. (hv)