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Britische Regierung will extreme Internet-Pornografie unter Strafe stellen

31.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seit Jane Longhurst vor zwei Jahren von einem Mann umgebracht wurde, der auf Gewalt-Pornografie im Netz fixiert war, kämpft ihre Familie darum, dass die britische Regierung das Betrachten von extremen sexuellen Inhalten im Web unter Strafe stellt. Gestern stimmte die Regierung zu und kündigte Pläne an, die es - erstmals in einem westlichen Land - verbieten würden, solche Darstellungen herunterzuladen oder zu besitzen.

Die Polizei und Pornografie-Gegner begrüßten das Vorhaben, Verfechter des Rechtes auf freie Meinungsäußerung lehnten es indes ab und verwiesen darauf, dass es keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Bildern und gewalttätigem Benehmen gebe.

Der britische Home Office Minister Paul Goggins erklärte, die Regierung fühle sich in der Pflicht, Fälle wie die Ermordung von Frau Longhurst künftig zu verhindern. Die 31-jährige Lehrerin war von einem Freund stranguliert worden, der von gewaltverherrlichender Pornografie aus dem Internet besessen war. "Das ist Material, das für die überwiegende Mehrheit der Leute extrem anstößig ist, und es sollte in unserer Gesellschaft keinen Platz haben", befand Goggins.

Unter Strafe stellen möchte die britische Regierung "tatsächliche Szenen oder realistische Darstellungen von schwerwiegender Gewalt, Zoophilie oder Nekrophilie". Das Betrachten solchen Materials käme dabei dem Besitz gleich, allerdings soll niemand strafrechtlich verfolgt werden, der versehentlich auf solche Inhalte stößt. Als Höchststrafe sind im Falle eine Verurteilung drei Jahre Gefängnis vorgesehen.

In Großbritannien gilt bereits der "Obscene Publications Act", der die Veröffentlichung von Darstellungen sexueller Gewalt verbietet. Dieses Gesetz lässt sich allerdings nur dann zur Anwendung bringen, wenn die entsprechenden Bilder auch im Vereinigten Königreich gehostet werden. Nach Angaben der Industry Watch Foundation, bei der man anstößiges Material melden kann, ist dies praktisch nie der Fall - meist kämen die Inhalte aus den USA, so die industriefinanzierte Organisation.

Chris Evans von der Interessenvertretung Internet Freedom hält aber nichts von den Plänen des Home Office. Er findet, Interner-Nutzer "sollten selbst darüber entscheiden können, was sie sich ansehen". "Die Idee, dass man Gewalttaten durch das Verbot solcher Bilder verhindern könnte, ist Unsinn", so Evans weiter.

Bis zum 2. Dezember haben interessierte Parteien nun die Möglichkeit, zu den Plänen des Home Office Stellung zu nehmen. Anschließend könnte daraus ein Gesetzesentwurf werden, den dann wiederum das Parlament ratifizieren müsste, bevor er in Kraft tritt. (tc)